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06.06.2017

14:17 Uhr

Carsten Maschmeyer

„Meine Schamfrist ist vorbei“

VonCarsten Herz

Vor rund zehn Jahren verkaufte Carsten Maschmeyer seinen Finanzvertrieb AWD. Jetzt kündigt der Start-up-Investor seine Rückkehr in die Versicherungsbranche an. Er will verstärkt in junge Technologiefirmen investieren.

Der Unternehmer möchte nicht nur Geld, sondern vor allem Know-how und sein Kontaktnetzwerk als Investor einbringen. dpa

Carsten Maschmeyer

Der Unternehmer möchte nicht nur Geld, sondern vor allem Know-how und sein Kontaktnetzwerk als Investor einbringen.

FrankfurtSelfmade-Milliardär, Society-Löwe, Politikerfreund: Carsten Maschmeyer ist einer der bekanntesten Köpfe der deutschen Finanzszene. Vor rund zehn Jahren zog sich der Unternehmer nach dem Verkauf des von ihm gegründeten Strukturvertriebs AWD an den Schweizer Versicherer Swiss Life zurück und arbeitete seitdem vor allem als Investor und als TV-Juror in der Start-up-Show „Die Höhle der Löwen“ des Fernsehsenders Vox.

Doch jetzt kündigt der Milliardär seine Rückkehr in die Versicherungsbranche an. „Meine Schamfrist, mich in diesem Bereich zu engagieren, ist vorbei“, sagte Maschmeyer auf einem Digital-Kongress laut übereinstimmenden Berichten mehrerer Branchendienste. Mit mehreren seiner Investment-Firmen und gemeinsam mit Partnern will er sich künftig verstärkt Insurtech-Startups in Europa und den USA widmen. Dabei möchte er nicht nur Geld, sondern vor allem Know-how und sein Kontaktnetzwerk einbringen.

Zurück zu den Wurzeln. Eine der namhaftesten und schillerndsten Figuren der deutschen Finanzszene lehrt damit zu seinen Anfängen zurück. In den vergangenen Jahren hat Maschmeyer rund 100 Millionen Euro in verschiedene Start-ups und junge Unternehmen gesteckt, unter anderem in den Limousinen-Service Blacklane und das Bezahlsystem Orderbird. Der Versicherungssektor war jedoch von der Maschmeyer Group, zu der unter anderem die Investmentgesellschaft Seed & Speed gehört, bislang ausgeklammert worden. „Ich wollte nach dem AWD-Verkauf einfach nicht unter den Generalverdacht kommen, ‚er kann es einfach nicht lassen‘“, begründete der Hannoveraner seine Zurückhaltung. Doch damit ist es nun vorbei.

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Für die Zukunft kündigte Maschmeyer an, vor allem in Neugründungen aus der Finanz- und Versicherungsbranche investieren zu wollen. „Viele Banken haben geschlafen, und die Versicherungen sind spät dran. In diesem Sektor werden uns potenzielle Digitalisierungssieger überraschen, wir werden disruptive Geschäfte sehen“, sagte Maschmeyer bereits jüngst in einem Interview. Zugleich dämpfte er die Erwartungen an schnelle Verkäufe und Exits. „Die Zeit, in der Konzerne strategische Investments eingehen, obwohl das Unternehmen noch hohe Verluste macht, ist weitgehend vorbei. Deswegen warten zurzeit viele ab“, so Maschmeyer. Anders als börsennotierte Start-up-Investoren wie Rocket Internet könne er jedoch in Ruhe abwarten, bis der Preis für den Verkauf stimme, sagte Maschmeyer.

Vita Carsten Maschmeyer

Der Mensch

Heute ist er einer der reichsten Menschen Deutschlands, verheiratet mit der Schauspielerin Veronica Ferres und bekannt für seine guten Kontakte zu Spitzenpolitikern. Geboren wurde Carsten Maschmeyer 1959 in Bremen, aufgewachsen ist er in einfachen Verhältnissen. Nach Abitur und Wehrdienst nahm der passionierte Langstreckenläufer ein Medizinstudium auf, das er mit einem Job bei der OVB Vermögensberatung finanzierte. Bald arbeitete er so viel, dass er exmatrikuliert wurde.

Der Manager

1987 kündigte Maschmeyer bei OVB und übernahm Mehrheit und Leitung des Allgemeinen Wirtschaftsdienstes (AWD). 2007 verkaufte Maschmeyer seine Anteile an der Finanzberatungsfirma, die wegen umstrittener Geschäftspraktiken Aufsehen erregte, 2009 schied er aus dem Vorstand aus. Maschmeyer ist weiterhin als Unternehmer, Investor und Bestsellerautor („Selfmade – erfolg reich leben“) tätig.

Maschmeyers Team analysiere an die tausend Firmen pro Jahr – dieses Volumen könne kaum eine Versicherungsgesellschaft alleine stemmen, erklärte er seinen Vorteil gegenüber etablierten Firmen auf dem Kongress. Auch sollten Digitalisierungsinitiativen innerhalb von Konzernen nicht „drei langjährigen 55-jährigen Mitarbeitenden aus der IT überlassen werden” – junges Denken sei gefragt. Es ist eine Spitze gegen ältere Mitarbeiter, die allerdings nicht einer Prise Ironie entbehrt. Maschmeyer ist selbst nämlich sogar 58 Jahre alt – allerdings dürften ihm nur wenige das junge Denken absprechen.

Kommentare (5)

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Herr Heinz Keizer

06.06.2017, 15:09 Uhr

„Meine Schamfrist ist vorbei“
Und die Verjährungsfrist für das damalige über den Tisch ziehen der Kunden durch seine Drückerkolonnen wohl auch.

Herr Martin Wienand

06.06.2017, 16:02 Uhr

Oje, da ist Vorsicht angemessen.

Herr Marc Schmutz

06.06.2017, 16:06 Uhr

Was ist denn das für ein Werbeartikel? "Eine der namhaftesten und schillerndsten Figuren der deutschen Finanzszene lehrt damit zu seinen Anfängen zurück"... seinen Anfängen ? Er hat einen Vertrieb (mancherorts liest man von Drückerkolonne) aufgebaut, das Produkt waren in dem Fall halt nicht Staubsauger und Teppiche sondern Versicherungen. hb wird immer schlechter.

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