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20.05.2016

17:33 Uhr

Cashcloud-Aktien brechen ein

Ein Fintech, die Bafin und zweifelhafte Börsenbriefe

VonKatharina Schneider

Die Aktien des Luxemburger Anbieters eines kontaktlosen Bezahlsystems haben am Freitag um fast 20 Prozent nachgegeben. Zuvor hatte die Finanzaufsicht Bafin vor Kaufempfehlungen in Börsenbriefen gewarnt.

Bezahlen mit dem Smartphone könnte zum Trend werden. obs

Kontaktloses Bezahlen

Bezahlen mit dem Smartphone könnte zum Trend werden.

FrankfurtRund zwanzig Prozent Kursverlust an nur einem Tag: Für die Aktien des Finanz-Startups Cashcloud ging es am Freitag rasant abwärts, eine Aktie kostete kaum noch 1,30 Euro. Kurz davor hatten die Pennystocks allerdings ähnlich sprunghaft an Wert zugelegt. Während sie noch am 12. April ihr Allzeittief bei gerade mal 70 Cent verbuchten, waren sie seit Anfang dieser Woche auf rund 1,70 Euro geklettert und das Handelsvolumen war erheblich gestiegen.

Cashcloud bietet ein kontaktloses Bezahlsystem und hat seinen Sitz in Luxemburg. Gemeinsam mit dem Kreditkartenunternehmen Mastercard gibt es einen NFC-Sticker heraus, der am Smartphone angebracht wird und das Bezahlen ohne physischen Einsatz einer Kreditkarte ermöglicht. Dafür muss der Sticker über eine digitale Geldbörse – ein sogenanntes mobile Wallet-Konto – aufgeladen werden. Aktuell zählt das Unternehmen nach eigenen Angaben in vier europäischen Ländern insgesamt 185.000 Nutzer seiner App.

Auf den Auslöser für die zwischenzeitliche Kursanstieg der Cashcloud-Titel lässt nun eine Warnung der Finanzaufsicht Bafin schließen: In einem Verbraucherhinweis teilten die Aufseher mit, dass Aktien des Unternehmens derzeit in E-Mail-Börsenbriefen zum Kauf empfohlen würden. Es gebe „Anhaltspunkte, dass im Rahmen der Kaufempfehlungen unrichtige oder irreführende Angaben gemacht werden und/oder bestehende Interessenskonflikte pflichtwidrig verschwiegen werden“. Nähere Informationen zum Absender der Briefe oder den konkreten Angaben gaben die Aufseher nicht. Auf Nachfrage des Handelsblatts verwiesen sie auf Verschwiegenheitsgründe.

Cashcloud selbst teilte am vergangenen Freitag mit, dass es „keinerlei Einfluss auf die Kaufempfehlungen von Börsenbriefen“ habe und der Vorstand zudem keine Anhaltspunkte für Interessenkonflikte habe. Die Bafin erfülle nur ihre Pflicht, „Cashcloud hat sich jedoch nichts zu Schulden kommen lassen“, sagte Geschäftsführer Moritz Hunzinger und betonte zugleich, dass sein Unternehmen „in Topform“ sei und bei Finanzexperten „hoch im Kurs“ stehe.

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Noch am Vormittag hatte das Unternehmen damit geworben, dass es bei den „Banking Check Awards“ mit jeweils 4,8 von fünf möglichen Punkten in den Kategorien „Fintech-Startup“ und „Paymentdienst“ zweimal den dritten Platz erzielt habe.

Die Cashcloud-Aktionäre sind bereits Kummer gewöhnt. Erst Anfang Juni 2015 ist das 2011 gegründete Unternehmen in Frankfurt an die Börse gegangen. In den ersten drei Wochen hatte noch alles rosig ausgesehen, der Kurs kletterte von 4,35 auf 9,66 Euro. Doch seitdem ging es stetig abwärts.

Schon damals waren Tausende Anleger durch E-Mails zum Kauf der Aktien animiert worden. Und die Papiere waren zwischenzeitlich sogar vom Handel ausgesetzt worden. Insgesamt sind etwa zwölf Millionen Cashcloud-Aktien in Umlauf.

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