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22.02.2016

17:51 Uhr

Centerbridge plant Börsengang

Windparkhersteller Senvion soll aufs Parkett

Der US-Fonds Centerbridge Partners will seine Tochter Senvion an die Börse bringen. Experten schätzen, dass der Windanlagen-Hersteller mit etwa 1,5 Milliarden Euro bewertet werden könnte.

Für eine Milliarde US-Dollar hatte Centerbridge Senvion im vergangenen Jahr erworben. Der Börsengang soll rund 500 Millionen Euro einspielen. dpa

Größtes IPO seit Jahresanfang

Für eine Milliarde US-Dollar hatte Centerbridge Senvion im vergangenen Jahr erworben. Der Börsengang soll rund 500 Millionen Euro einspielen.

London/MünchenDer Hamburger Windradbauer REpower soll unter dem Namen Senvion an die Börse zurückkehren. Der Finanzinvestor Centerbridge, der das Unternehmen vor weniger als einem Jahr von der klammen indischen Suzlon übernommen hat, wolle einen Minderheitsanteil bei institutionellen Investoren platzieren, sagte Senvion-Chef Jürgen Geißinger. Der frühere Schaeffler-Chef war erst im Winter zu dem kleinen, aber traditionsreichen Windanlagenbauer gewechselt. Zur Bewertung seines Hauses wollte er sich nicht direkt äußern, deutete aber an, dass er einen Wert von über einer Milliarde Euro im Sinn hat. Ein Komplettverkauf von Senvion an einen Konkurrenten sei nicht geplant. „Im Moment gibt es nur die Pläne für einen geradlinigen Börsengang“, sagte er in einer Telefonkonferenz. Der Schritt solle abhängig vom Marktumfeld noch in der ersten Jahreshälfte stattfinden. Angestrebt sei eine Notierung im Regulierten Markt (Prime Standard) der Frankfurter Börse.

Senvion mit weltweit 3900 Mitarbeitern installiert Windenergieanlagen an Land und auf hoher See. Im Kalenderjahr 2015 erzielte Senvion nach eigenen Angaben pro forma einen Umsatz von 2,14 Milliarden Euro und einen bereinigten Betriebsgewinn (Ebitda) von 210,4 Millionen Euro. Reuters hatte bereits Ende November aus Finanzkreisen erfahren, dass Centerbridge einen Trennung von Senvion auslotet. Senvion könne bei einer Transaktion mit etwa 1,5 Milliarden Euro bewertet werden, hieß es damals.

Senvion stehe finanziell gut da und brauche keine Kapitalerhöhung, sagte Geißinger. Die neue Freiheit wolle er für die internationale Expansion seines Unternehmens nutzen. Unter der Suzlon-Ägide sei das Unternehmen auf bestimmte Märkte beschränkt gewesen. „Wir wollen in angestammten Märkten Anteile gewinnen und global expandieren“, sagte Geißinger.

Diese deutschen Firmen gehören jetzt Chinesen

Putzmeister

Der Betonpumpen-Weltmarktführer Sany Heavy Industry übernimmt im Januar 2012 das schwäbische Unternehmen für gut 320 Millionen Euro.

Kiekert

Der Pekinger Automobilzulieferer Lingyun übernimmt 2012 den Weltmarktführer für Pkw-Schließsysteme aus Heiligenhaus (NRW).

Schwing

Die Xuzhou Construction Machinery Group (XCMG) wird im April 2012 Mehrheitseigener des westfälischen Betonpumpenherstellers. Der Verkaufspreis des Herner Unternehmens soll bei rund 300 Millionen Euro liegen.

Kion

2012 steigt der chinesische Nutzfahrzeugproduzent Weichai Power beim Gabelstaplerhersteller Kion ein. Die Chinesen kaufen zunächst für 467 Millionen Euro 25 Prozent an Kion und steigern 2015 ihren Anteil auf 38,25 Prozent. Außerdem erhält der Investor für 271 Millionen Euro eine Mehrheitsbeteiligung von 70 Prozent an der Hydrauliksparte Kions.

Solibro

Das insolvente Solarunternehmen Q-Cells vereinbart im Juni 2012 den Verkauf seiner Tochterfirma mit Sitz in Bitterfeld-Wolfen an die Pekinger Hanergy Holding Group.

Sunways

Der Konstanzer Photovoltaik-Konzern ging 2012 zum Schnäppchenpreis an den chinesischen Solarriesen LDK Solar. Doch 2013 und 2014 reichte Sunways jeweils einen Insolvenzantrag ein. Teile des Unternehmens wurden in der Folge an den chinesischen Solarkonzerns Shunfeng verkauft.

Tailored Blanks

Der Industriegüterkonzern Thyssen-Krupp schließt 2013 den Verkauf seiner Tochter an den chinesischen Stahlkonzern Wuhan Iron and Steel (Wisco) ab. Zum Preis machen beide Seiten keine Angaben.

Koki Technik Transmission Systems

Das chinesische Unternehmen Avic Electromechanical Systems (Avicem) – eine Tochter der staatlichen Unternehmensgruppe Aviation Industry Corporation of China (Avic) – übernimmt 2014 den sächsischen Autozulieferer. Ein Kaufpreis wird nicht genannt.

Hilite

Avic übernimmt 2014 für 473 Millionen Euro den deutschen Autozulieferer.

Krauss-Maffei

Im Januar 2016 verkauft Onex den Münchener Spezialmaschinenbauer Krauss-Maffei an ein Konsortium um die staatliche National Chemical Corporation (Chemchina). Der größte Chemiekonzern des Landes zahlt 925 Millionen Euro für den traditionsreichen Hersteller von Spritzgießmaschinen für die Kunststoff- und Gummi-Verarbeitung.

EEW

Die chinesische Holding Beijing Enterprises kauft im Februar 2016 den Abfallkonzern EEW Energy from Waste aus Helmstedt für 1,438 Milliarden Euro. Verkäufer ist der schwedische Investor EQT. EEW hat nach eigenen Angaben 1050 Mitarbeiter. Die 18 Anlagen der Gruppe können jährlich rund 4,7 Millionen Tonnen Abfall zu Energie machen und umweltschonend beseitigen. Die Fabriken erzeugen Prozessdampf für Industriebetriebe, Fernwärme für Wohngebiete und Strom für umgerechnet rund 700.000 Haushalte.

Manz

Die Shanghai Electric Group steigt im Frühjahr mit Anteilen von etwa 20 Prozent bei dem angeschlagenen Maschinenbauer ein.

Kuka

Das Augsburger Unternehmen Kuka baut nicht nur Roboter, sondern ist auch Systemanbieter rund um die digital vernetzte Industrie. Der chinesische Midea-Konzern hat Kuka ein Übernahmeangebot im Umfang von 4,5 Milliarden Euro gemacht und mit dessen Hilfe knapp 95 Prozent der Kuka-Anteile übernommen.

Die Windenergiebranche beginnt sich allmählich zu konsolidieren. Insidern zufolge verhandelt etwa Siemens derzeit mit dem spanischen Windturbinenhersteller Gamesa über die Schaffung eines neuen Weltmarktführers im Windkraftgeschäft. Die Münchener wollen demnach ihre Windkraftsparte mit Gamesa zusammenlegen. Siemens solle an dem geplanten Gemeinschaftsunternehmen eine knappe Mehrheit halten.

Senvion will womöglich schon in dieser Woche einen Börsengang ankündigen, wie Bloomberg aus unterrichteten Kreisen erfuhr. Im Zuge der Notierung an der Frankfurter Börse könnten rund 500 Millionen Euro beschafft werden.

Das IPO von Senvion wäre das größte in Deutschland seit Jahresanfang, zeigen Bloomberg-Daten. Im Vorjahr beschafften hierzulande Unternehmen im Rahmen von IPOs insgesamt etwa 7,22 Milliarden Euro, belegen die Daten weiter. Centerbridge hatte Senvion im vergangenen Jahr von Suzlon Energy Ltd. für eine Milliarde Dollar bar erworben.

Ein Sprecher von Centerbridge war nicht unmittelbar für eine Stellungnahme erreichbar.

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