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15.04.2012

09:32 Uhr

Chance oder Blase?

Der neue Boom der Internet-Aktien

VonChristian Schnell

Die unseligen Zeiten der New Economy kehren zurück - das fürchten viele Anleger. Doch die Internet-Unternehmen, die heute an der Börse sind, ticken anders. Worauf Anleger unbedingt achten müssen.

Die Nasdaq in New York: Internet-Firmen drängen wieder an die Börse. AFP

Die Nasdaq in New York: Internet-Firmen drängen wieder an die Börse.

FrankfurtEine Meldung ließ in dieser Woche rational denkende Anleger aufhorchen und Skeptiker noch skeptischer werden: Facebook, mittlerweile weltweit der Inbegriff für ein soziales Netzwerk im Internet, kaufte Instagram, eine App zur Fotobearbeitung auf dem Smartphone, für eine Milliarde Dollar. Für diese stolze Summe bekommt Facebook-Chef Mark Zuckerberg ein zwei Jahre altes Unternehmen mit 13 Angestellten ohne Umsatz.

Spätestens jetzt sorgen sich viele Anleger, dass die unseligen Zeiten der New Economy zurückgekehrt sind. Damals, um die Jahrtausendwende, wurde bei Internet-Aktien extrem viel Fantasie gehandelt – heute wieder. „Wir sehen Entwicklungen von damals teilweise wieder, dennoch fehlt die Vergleichbarkeit“, sagt einer, der die Entwicklungen damals wie heute täglich auf seinen Handelsterminals verfolgt. Roger Peeters, Vorstand beim Frankfurter Wertpapierhaus Close Brothers Seydler, kann sich noch gut an das Ende der neunziger Jahre erinnern, als sich teilweise bis zu einem halben Dutzend Börsenneulinge – vor allem aus dem Internet-Sektor – bei Investoren vorstellten.

Viele von den damaligen Unternehmen, die am Neuen Markt, dem Technologiesegment der Deutschen Börse, und an der US-Tech-Börse Nasdaq den Ruf der Branche über Jahre verdarben, sind heute verschwunden. Gründe dafür gab es verschiedene: Ihre Geschäftsmodelle gingen nicht auf, sie wurden viel zu schnell von noch innovativeren Unternehmen überholt oder sie mussten feststellen, dass ihre Klickzahlen in keinem direkten Verhältnis zu Umsatz oder gar Gewinn standen.

Unvergessen sind Namen wie Lycos Europe oder Kabel New Media. Sie alle erlebten nach einer kurzen Phase des Überschwangs den jähen Absturz. Die Suchmaschine Lycos Europe, an der auch der Bertelsmann-Konzern beteiligt war, wurde Ende 2008 aufgelöst. Die Multimedia-Agentur Kabel New Media mit dem charismatischen Hamburger Peter Kabel als Gründer und Chef verhob sich an weit mehr als einem Dutzend sündteurer Zukäufe von Kleinstunternehmen. International führen einst gefeierte Stars wie AOL oder Yahoo mittlerweile eine Schattendasein. Undurchsichtige Strategiewechsel brachten den Verlust der Marktführerschaft und den Einbruch der Aktienkurse. Zum Leidwesen der Investoren.

Die Internet-Unternehmen, die heute an der Börse sind oder wie Facebook bald dorthin streben, ticken jedoch anders. „Geht heute ein Unternehmen an die Börse, dann macht es das nicht nur mit einer vagen Idee, sondern dann hat es am Markt schon bewiesen, dass diese funktioniert“, so Peeters. Die Kurse der Internet-Aktien schwanken mittlerweile weniger als die von Finanz- oder Stahlkonzernen. Die Web-Firmen der neuen Generation schreiben in guten wie in schlechten Zahlen solide Gewinne. Und immer mehr von ihnen zahlen ihren Anlegern sogar Dividende.

In den Krisenjahren 2008 und 2009, als weltweit die Kurse in den Keller rauschten, zeigten sich Internetwerte zudem häufig erstaunlich resistent. Acht Gründe nennen Experten dafür, dass die Internet-Firmen heutiger Zeit trotz eines vereinzelt allzu lockeren Umgangs mit ihren Finanzen für Anleger weitaus interessanter sind als ihre Vorgänger.

Kommentare (10)

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AOL-von-350Mrd-auf-3Mrd-USD

15.04.2012, 11:05 Uhr

Kampagne: AOL wurde auf 350 Mrd. USD hochgeschrieben - um bei 3 Mrd. zu enden
Sie erinnern sich an die AOL-Berichterstattung ?
Täglich prahlte AOL mit immer höheren, niemals validierten Nutzerzahlen.
Ehrfürchtig kolportierten die Printmedien jede Verlautbarung der AOL-Werber.
AOL setzte den selbstgeschaffenen Mythos in klingende Münze um:
Mit "neugedruckten" eigenen Aktien als Kaufwährung erwarben die Wunderknaben reale Unternehmen.
Als sogar der Traditionskonzern Time Warner erworben wurde, ließ AOL über die verzückten Hofberichterstatter einen AOL-Wert von 350 Mrd. USD vermelden.
Sie wissen, wie die Sache endete:
Time Warner und AOL wurden wieder aufgespalten. Insbesondere wegen der unbefriedigenden Geschäftsentwicklung bei der Kern- AOL. Danach "wog" der einstige Medienliebling AOL gerade einmal 3 Mrd. USD.
Facebook ist weniger ein Konzern als eine Medienkampagne.
Damals wie heute lassen sich die klassischen Medien vor den Karren spannen - im Vorfeld eines Börsenganges.
Das Spiel ist derart abgekartet, dass die Aufsichtsbehörde SEC bereits intervenierte. Goldman Sachs musste "freiwillig" darauf verzichten, US-Anleger mit seinem Facebook-Hütchenspiel zu behelligen. Die übrige Welt darf weiterhin irregeführt werden.

Erstgewinne-beim-Huetchenspiel

15.04.2012, 11:15 Uhr

Wie die Betrugsdienstleister (s.Griechenland) von Goldman Sachs eine Bewertungsblase schaffen:
Im ersten Schritt inszenierte Goldman Sachs den Kauf eines winzigen Anteiles an Facebook .
Der abgesprochene Preis für den Unternehmensbruchteil wurde anschließend - ohne dass ein einziger realer Cent zusätzlich floss - rein rechnerisch auf alle übrigen Firmenanteile übertragen:
Fertig war eine schlagzeilenträchtige Gigabewertung.
Das Vorgehen ist vergleichbar mit einem Kiesgrubenvermarkter, der bei einem Initial-Geschäft nur einen einzelnen Kiesel "verkauft" - zum abgekarteten Preis von 100 €.
Anschließend bewerten die Luftbuchungsdienstleister von Goldman Sachs die angebotenen Kiesberge - Stein für Stein mit 100€ . Fertig ist der initiale 50-Milliarden-Schotterhaufen.
Zur Steigerung inszeniert Goldman Sachs zudem einen abgeschotteten Scheinmarkt, auf dem einige wenige Erstkiesel hin-und hergeschoben werden.
Einziger Sinn dieses Schrittes ist die Generierung von Marketing-Schlagzeilen.
Auf gleiche Weise verfahren Hütchenspieler mit abgekarteten Erstgewinnen, um am Ende die angelockten Dummköpfe auszunehmen.
Ähnlich wurde AOL bis auf 350 Mrd hochgeredet - um dann bis auf ein Hundertstel zu kollabieren.

Norbert60

15.04.2012, 11:39 Uhr

Seit dem Börsengang der T-online habe ich fast 85% meines
Vermögens verloren. Hier werden die Anleger legitim betrogen.
Ist dies die neue Akienkultur ?!

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