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19.03.2014

06:34 Uhr

Chinesische Börsengänge

Glückskeks für die Wall Street

VonAxel Postinett

Die Chinesen sind wieder da. Und diesmal machen sie sich auf den Weg, dem erfolgsverwöhnten Silicon Valley das Genick zu brechen. Deren Start-ups könnten am Markt und an der Börse rapide an Attraktivität verlieren.

Alibaba wird auch das Ebay oder Amazon Asiens genannt. Jetzt streben die Chinesen an die Wall Street – und könnten den Facebook-Börsengang in den Schatten stellen. dpa

Alibaba wird auch das Ebay oder Amazon Asiens genannt. Jetzt streben die Chinesen an die Wall Street – und könnten den Facebook-Börsengang in den Schatten stellen.

San FranciscoDie Geschichten sind legendenumwoben im Silicon Valley. Jeder weiß, wie ein Mark Zuckerberg als Student Facebook in der Junggesellenbude gegründet und zu Ruhm geführt hat, wie Larry Page und Sergey Brin aus der Garage und dem Nichts heraus Google erschaffen haben, dass Jeff Bezos auf einer Busfahrt quer durch Amerika sich Amazon ausgedacht hat. Und WhatsApp-Gründer Jan Koum kam als Sozialhilfeempfänger in die USA, um ein paar Jahre später sein umsatzloses Unternehmen für 19 Milliarden Dollar zu verkaufen – an Facebook.

Die PR-Maschine im kalifornischen Märchenland läuft auf Hochtouren und hält den Mythos vom unerreichten Gründer-Eldorado aufrecht. Wer es schaffen will, der muss hier sein. Ein kleiner Mikrokosmos, der selbstzufrieden um sich selbst kreist.

Bis vorigen Sonntag. Jack Ma, der 49-jährige Niemand aus dem Niemandsland, den bis vor kurzem nur Insider kannten, zeigt der selbsternannten Gründer-Elite wo es lang geht. Und das mit einem Unternehmen, dass noch weniger Menschen in der westlichen Welt kennen als den Gründer: Alibaba. Der angekündigte Börsengang des Webriesen aus dem chinesischen Provinzmetropole Hangzhou hat das Zeug, jeden bisherigen aus dem Silicon Valley in den Schatten zu stellen.

Die heißen Smartphone-Dienste

Snapchat

Mit der Snapchat-App können Nutzer Textnachrichten, Fotos und Videos verschicken, die sich nach einem kurzen Zeitraum selbst löschen. Gerade unter Jugendlichen ist die Anwendung beliebt – vermutlich nicht selten für Anzüglichkeiten. Die Gründer lehnten mehrere milliardenschwere Übernahmeangebote ab, auch Facebook ließen sie abblitzen.

Instagram

Ein Produkt des Smartphone-Zeitalters ist der Foto-Dienst Instagram: Er war von vornherein nur für mobile Geräte ausgelegt. Nutzer können Fotos und Videos aufnehmen, mit Filtern aufpeppen und hochladen. Das Prinzip von Instagram erinnert an Twitter, nur dass es hier ausschließlich um Bilder geht. Facebook übernahm den Dienst 2012 für umgerechnet eine Milliarde Dollar.

Pinterest

Beim Fotodienst Pinterest sammeln die Nutzer Bilder von verschiedenen Websites in digitalen Notizbüchern – meistens mit dem Smartphone. Die Entwicklung von Pinterest wird von Urheberrechtssorgen begleitet: Die öffentlichen Sammlungen könnten nach Ansicht einiger Experten als Urheberrechtsverletzung ausgelegt werden. Das Unternehmen hat inzwischen eine Milliardenbewertung.

Whatsapp

In immer mehr Ländern wird Whatsapp zum SMS-Ersatz. Der Dienst erlaubt es, Kurznachrichten, Bilder und Videos über Internet zu verschicken. Die App läuft auf sämtlichen Betriebssystemen. Trotz etlicher Sicherheitspannen gehört Whatsapp zu den beliebtesten Smartphone-Anwendungen, sie hat nach Unternehmensangaben 500 Millionen Nutzer. Facebook hat das Start-up für 22 Milliarden Dollar übernommen.

Line

Ähnliche wie Whatsapp funktioniert Line, eine App mit asiatischem Ursprung. Sie bietet Instant Messaging für Smartphone und PC. Nutzer können nicht nur Textnachrichten, Fotos und Videos tauschen, sondern auch Telefonate führen. Eine Besonderheit sind virtuelle Sticker, die man in einem Shop kaufen kann.

Vine

Mit dem Dienst Vine können Nutzer bei Twitter sechs Sekunden kurze Videoschnappschüsse hochladen, die in einer Endlosschleife laufen. Der Zwitscherdienst übernahm das Start-up nur wenige Monate nach dessen Gründung im Sommer 2012. Vine hat nach Angaben vom Sommer 40 Millionen Nutzer.

Periscope

Videoübertragungen in Echtzeit ermöglicht der Dienst Periscope, der zu Twitter gehört. Die Bedienung ist bewusst einfach gehalten: App öffnen, „Broadcast“ klicken – schon beginnt der Live-Stream. Ein konkurrierendes Angebot ist Meerkat.

Tumblr

Twitter ist kurzatmige Internet-Kommunikation, Blogs lassen sich mehr Zeit. Irgendwo dazwischen befindet sich Tumblr, ein 2007 gegründeter Web-Dienst für das unkomplizierte Veröffentlichen im Netz. Ähnlich wie bei Twitter kann man bei Tumblr anderen Nutzern folgen und sieht dann deren Beiträge im sogenannten Dashboard, einer Übersichtsseite. 2013 übernahm Yahoo das Start-up für 1,1 Milliarden Dollar.

Mit dem Geld aus dem Gang aufs Parkett entsteht den kalifornischen Platzhirschen eine massive Konkurrenz. Schon 2011 hatte niemand anderes als Barack Obama davor gewarnt, dass so etwas kommen werde. Bei einem Besuch im Facebook-Hauptquartier warb er für seine Einwanderungsreform und mehr ausländische Gründer: „Ich will nicht, dass das nächste Google, Facebook oder Intel in Indien oder China gegründet wird“, so der US-Präsident.

Zu spät. Noch sind exakter Ausgabekurs und Bewertung nicht bekannt, nicht einmal das exakte Datum. Aber Alibaba wird gewaltig. Wahrscheinlich der größte Börsengang der Geschichte überhaupt, glaubt die New Yorker Analysefirma Privco, die von bis zu 20 Milliarden Dollar Emissionsvolumen und einer Gesamtbewertung von 150 Milliarden Dollar ausgeht. Das würde die bisherige Nummer eins der Technologiebranche, Facebook mit 16 Milliarden Dollar Emissionsvolumen, locker in den Schatten stellen.

Kommentare (2)

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19.03.2014, 08:46 Uhr

Ist das jetzt wirklich so überraschend und eine Sensation?

Alibaba gibt es schon viele Jahre und ich bezweifle daher auch, dass diese Firma wirklich so wenig Leute hierzulande kennen wie der Autor dieses Artikel glaubt. Das ist schon seit Jahren eigentlich die Standard-Plattform, wenn ich auf der Suche nach etwas bin, was ich glaube, in China beziehen zu können. Mich überrascht daher eher, dass der Börsengang nicht schon früher vollzogen wurde oder wenn, dann, dass sie in den USA an die Börse gehen möchten. Aber sonst nichts.

Account gelöscht!

19.03.2014, 10:33 Uhr

Die Berichte ueber chinesische Internetfirmen sind schon sehr spaerlich gesaeht und dann sind die Informationen oft sehr einseitig, meist negativ, gepraegt.
Hier ist das Gegenteil der Fall, aber wohl eher versehentlich, denn der Russe hat dann doch keine 100 Millionen Aktien von Apple zum Kurs von 382 Euro pro Stueck verkauft, sondern im Wert von 100 Millionen.

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