Handelsblatt

MenüZurück
Wird geladen.

09.05.2012

10:41 Uhr

Commerzbank

Die (un-)heimlichen Leiden des Dr. A.

Dr. A ist leitender Beamter. Das Leben betrachtet der 61-Jährige mit einem Schuss Ironie. Sein Leiden als Commerzbank-Aktionär hätte er sonst kaum ertragen. Sein Erfahrungsbericht. Aufgeschrieben von Jessica Schwarzer.

Dr. A ist Commerzbank-Aktionär. Handelsblatt Online hat er erzählt, wie sich das anfühlt. Getty Images

Dr. A ist Commerzbank-Aktionär. Handelsblatt Online hat er erzählt, wie sich das anfühlt.

„Es sind nicht nur unheimliche, sondern auch heimliche Leiden – man erzählt das ja nicht so gern, eigentlich eher ungern. Schließlich hat man viel Geld versenkt. Einen mittleren fünfstelligen Betrag habe ich investiert. Davon ist viel weg.

Es ist nicht das erste Mal, dass ich negative Erfahrungen mit der Commerzbank-Aktie gemacht habe. Vor einigen Jahren hatte ich schon mal Coba gekauft, dann verkauft, weil sie so wenig Rendite gebracht hat. Dann kam der vergangene Sommer:  Ich bekam den Tipp von einem Freund, der viel Ahnung von Aktien hat. Der viel von den Kapitalmärkten versteht, dachte ich. Alle Risiken seien eingepreist, hat der gesagt  - etwa die Anleihen aus Schuldenländern wie Griechenland, die in den Büchern der Bank standen.

Ich bin dann bei 1,70 Euro eingestiegen. Und ich habe immer nachgekauft – im August, November, Januar und Februar. Im Schnitt habe ich für 1,83 Euro gekauft.

Besonders übel: Einen Monat nach meinem Einstieg hieß es dann: „Huch, da haben wir ja noch ein Paar toxische Papiere in unserem Keller gefunden.“ Prompt rutschte der Kurs auf 1,20 Euro ab. Bei 1,18 Euro wollte ich nachkaufen, aber meine Frau meinte: „Da kannst du dich auch sonntags auf die Flughafenbrücke stellen und das Geld in den Rhein schmeißen.“ Leider habe ich auf sie gehört und ausnahmsweise nicht nachgekauft. Man weiß ja nicht, wann eine Aktie unten angekommen ist. Ich habe ihr zugetraut, noch auf 70 oder sogar 60 Cent zu fallen. Aber was macht die Aktie? Sie ist dann zügig wieder gestiegen.

Ich habe viele Fehler gemacht – und ich habe pausenlos darüber geredet, auch wenn man eigentlich nicht damit hausieren gehen mag. Ich rede ja jetzt auch mit Ihnen darüber. Aber ich bin enttäuscht. Und zu dem Frust kommt auch Wut. Die haben nicht mit offenen Karten gespielt. Die haben uns toxische Papiere verheimlicht. Die haben uns an der Nase herumgeführt. Mein Vertrauen in diese Aktie habe ich restlos verloren.

Kommentare (40)

Selber kommentieren? Hier zur klassischen Webseite wechseln.  Selber kommentieren? Hier zur klassischen Webseite wechseln.

Mr.Mister

09.05.2012, 11:22 Uhr

Ich war auch einmal DAX-Aktionär und habe insgesamt EUR 10.000,- Miese gemacht. Seitdem gibt es für mich nur noch Tagesgeld mit derzeit 2,50% pro Jahr und ich lebe seitdem sehr zufrieden. Ich bin froh die tägliche Angst bei Aktien losgeworden zu sein, lieber habe ich viel weniger Rendite, das ist es allemal Wert wenn man dadurch sorgenfrei leben kann.

Account gelöscht!

09.05.2012, 11:40 Uhr

TOP. Das Emotionale Problem und das mangelnde Money Management auf den Punkt gebracht. Tausend Dank an den Autor! Ich fühle mich mit anderen Aktien hier herrlich gespiegelt und zum Nachdenken gebracht!!!

Account gelöscht!

09.05.2012, 11:42 Uhr

TOP. Super Widerspiegelung der emotionalen Hölle durch die man gehen muß - ohne gutes MoneyManagement! Tausend Dank an den Autor.

Direkt vom Startbildschirm zu Handelsblatt.com

Auf tippen, dann auf „Zum Home-Bildschirm“ hinzufügen.

Auf tippen, dann „Zum Startbildschirm“ hinzufügen.

×