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01.06.2011

09:04 Uhr

Computerhersteller

Medion-Aktionäre fiebern Übernahme entgegen

VonAnnika Williamson

Medion wird bald dem viertgrößten Computerhersteller Lenovo gehören - die Anleger der wechselhaften Aktie können so mit einem Aufschlag einen Strich unter das Verlustpapier setzen.

Der chinesische Konzern Lenovo hat den Aldi-Lieferanten Medion im Visier. Quelle: dpa

Der chinesische Konzern Lenovo hat den Aldi-Lieferanten Medion im Visier.

DüsseldorfFür die Aktionäre von Medion ist heute schon Weihnachten. Seit der chinesische Computerproduzent Lenovo ein Übernahmeangebot für den Aldi-Lieferanten vorgelegt hat, geht die Aktie auf einen Höhenflug, wie er sonst nur zur besten Konsumlaune im Dezember passt. Über 20 Prozent legte das Papier gleich nach Börsenstart zu und erreichte einen Kurs von 13,30 Euro.

Lenovo, weltweit der viertgrößte Hersteller von Computern, will für das Essener Unternehmen 629 Millionen Euro springen lassen. Den Aktionären bieten die Chinesen damit 13 Euro je Aktie in bar. Auf den Kurs vom Dienstagabend war das ein ansehnlicher Aufschlag - mittlerweile hat die Aktie diesen Preis allerdings schon überholt. Lenovo will mindestens 51 Prozent der Aktien übernehmen, am liebsten jedoch alle.

Großaktionär und Vorstandschefs Gerd Brachmann hat bereits 17,75 Millionen Aktien im Wert von rund 230,7 Millionen Euro an die Chinesen übertragen. Das entspricht 37 Prozent der Aktien. 80 Prozent vom Wert seiner verkauften Aktien davon erhält Brachmann in bar, 20 Prozent in Form von Lenovo-Aktien.

Schon bevor die Übernahmepläne bekannt wurden, stimmten Analysten einhellig dem Urteil "kaufen" zu, zurecht schätzten sie das Kurspotential auf 13,30 Euro. Die Geschäftsentwicklung sei überzeugend, meint Ingbert Faust von Equinet Institutional. Um sich besser aufzustellen, hat das Unternehmen einen Umbau angestoßen, und der komme gut voran, sagt West-LB-Analyst Wolfgang Fickus. Außerdem könne Medion von Trends wie 3D-Fernsehen und der Verschmelzung von TV und Internet profitieren, schreibt Bankhaus Lampe-Analyst Christoph Schlienkamp.

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Wer schon seit den Zeiten des Dotcom-Hypes an Medion beteiligt ist, den tröstet der heutige Kurssprung allerdings nur wenig: Im Jahr 2000 war die Aktie einmal 64 Euro wert. Wer sie heute für 13 Euro noch im Depot hat, kann zumindest mit einem kleinen Aufschlag einen Strich unter die Verlustrechnung ziehen.

Medion war bereits 1998 an die Börse gegangen und lebte erst einmal von der Internet-Begeisterung. Doch 2004 ging es plötzlich steil abwärts: Nicht zuletzt die Abhängigkeit von seinem größten Kunden, dem Discounter Aldi, stürzte den Computerhersteller in eine tiefe Krise, aus der er sich bis heute nicht erholt hat. Etwa 50 Prozent seines Umsatzes soll Medion nur über Aldi gemacht haben. Als Gerüchte laut wurden, die Geschäftsbeziehungen könnten abgebrochen werden, wurde das Medion-Papier zum Spielball der Spekulanten. Als das Management auch noch zweimal innerhalb weniger Monate seine Jahresziele zurücknahm, verlor die Aktie die Hälfte ihres Wertes und fiel auf gut 13 Euro. Auf diesem Niveau hat sich das Papier seitdem festgefahren.

Vor der den Problemen im Jahr 2004 betrug der Erlös noch knapp drei Milliarden Euro, der Gewinn vor Zinsen und Steuern lag bei 179,9 Millionen Euro. Im Jahr 2010 setzte Medion dagegen nur noch 1,64 Milliarden Euro um und verdiente vor Zinsen und Steuern 28,1 Millionen Euro.

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