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04.09.2015

12:59 Uhr

Covestro-Börsengang

Ein Schnäppchen für die Anleger?

Mit Covestro könnte das größte deutsche Börsendebüt der vergangenen 16 Jahre bevorstehen. Lohnt es sich für die Anleger zuzugreifen? Viele Details sind noch offen. Und der Konzern muss an einigen Baustellen arbeiten.

Wie viele Aktien ausgegeben werden, steht noch nicht fest. Klar aber ist: Der Emissionserlös soll zur Tilgung von Schulden gegenüber Bayer genutzt werden. dpa

Kunststoffkonzern Covestro soll an dei Börse

Wie viele Aktien ausgegeben werden, steht noch nicht fest. Klar aber ist: Der Emissionserlös soll zur Tilgung von Schulden gegenüber Bayer genutzt werden.

FrankfurtWenn alles nach Plan läuft, wird Bayer in einigen Wochen einen neuen eigenständigen Chemiekonzern am Kapitalmarkt platzieren. Noch im 4. Quartal will der künftige Life-Science-konzern Bayer seine Kunststofftochter Covestro im Wege eines IPO an die Börse bringen.
Lohnt es sich für Investoren, sofort zuzugreifen? Diese Frage lässt sich aus aktueller Sicht noch überhaupt nicht beantworten. Denn Bayer hat außer dem Plan an sich praktisch noch kaum Details offengelegt. Weder ist bekannt, wie Bilanz und Grundkapital von Covestro strukturiert sind, noch wie viele Aktien zu welchem Preis der Kunststoffhersteller bei seinem IPO platzieren will.
Nur soviel gab Bayer bisher bekannt: Die Aktien sollen von Covestro selbst angeboten und der Erlös aus der Emission zur Tilgung von Schulden gegenüber Bayer genutzt werden. Das heißt: Bayer selbst verkauft keine Aktien. Der Anteil von Bayer wird aber, je nach Menge der platzierten Aktien, deutlich sinken.

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Covestro? Bis heute kennen die Bayer-Tochter nur Eingeweihte – doch das soll sich ändern. Der Kunststoff- und Matratzenschaumhersteller will mit einem Paukenschlag an die Börse. Eine Chance für Anleger?

Nach der Rückzahlung dieser Schulden soll Covestro noch eine Nettofinanzverschuldung inklusives Pensionsverpflichtungen von etwa dem 2,5- bis dreifachen des bereinigten Betriebsgewinns vor Abschreibungen haben, das heißt Finanzrelationen, die ein Investmentgrade-Rating erlauben. Das wiederum dürfte auf eine Verschuldung in der Größenordnung von 3,7 bis 4,5 Milliarden Euro hinauslaufen.

Aus der jüngeren Geschäftsentwicklung von Covestro bzw Bayer Material Science lassen sich folgende Schätzungen für eine Bewertung ableiten: Der Bayer-Teilkonzern konnte – nach einer längeren Schwächephase - im ersten Halbjahr 2015 seinen Betriebsgewinn (Ebit) um die Hälfte auf knapp 500 Millionen Euro, und seinen Betriebsgewinn vor Abschreibungen (Ebitda) um 46 Prozent auf 930 Millionen Euro. Auch im Gesamtjahr dürfte sich das Ergebnis deutlich verbessern. BMS profitiert vom starken Dollar, niedrigen Rohstoffkosten und einer stärkeren Nachfrage nach Polycarbonat, einem der Hauptprodukte der Sparte. Ihre Kapitalkosten soll die Sparte erstmals seit einigen Jahren wieder verdienen. Analysten erwarten das Ebitda bei Werten von 1,4 bis 1,5 Milliarden Euro, und damit etwa 30 Prozent über dem Vorjahreswert.

Geschichte von Bayer

Von einer Farbenfabrik zum Chemie- und Pharmariesen

Der Bayer-Konzern kann auf eine lange Geschichte zurückblicken: Sie beginnt in Wuppertal Barmen vor 150 Jahren. Es war die Geburtsstunde der deutschen Chemieindustrie.

1863

Friedrich Bayer und Johann Weskott gründen am 1. August die Farbenfabrik Fried. Bayer & Co.

1899

Das Schmerzmittel Aspirin wird zum Patent angemeldet. Noch heute gehört das Medikament zu den umsatzstärksten Bayer-Präparaten.

1925

Nach gut 60 Jahren verliert Bayer seine Selbstständigkeit; das Unternehmen geht in die IG Farben auf. Aus Bayer wurde die IG Betriebsgemeinschaft Niederrhein.

1933

In Leverkusen leuchtet erstmals das Bayer-Kreuz auf. Es hatte eine Durchmesser von 72 Metern und war mit 2200 Glühbirnen bestückt. Es ist bis heute das Wahrzeichen der Stadt geblieben.

1939

Mit dem Ausbruch des Zweiten Weltkrieges wird die Produktion der Chemieindustrie den Zielen der Kriegsführung untergeordnet. Zwangsarbeiter vor allem aus Osteuropa wurden in vielen Betrieben eingesetzt, auch in Leverkusen.

1951

Bayer wird nach der Zerschlagung der IG Farben neu gegründet und Ulrich Haberland der erste Vorstandsvorsitzende.

1978

Bayer übernimmt das US-Unternehmen Miles, das nach dem Rückerwerb der Markenrechte in den USA 1995 in Bayer Corporation umbenannt wird.

2001

Bayer nimmt den Blutfettsenker Lipobay vom Markt, was den Konzern in eine tief Krise stürzt. Im gleichen Jahr erfolgt der Erwerb des Pflanzenschutzgeschäftes Aventis CropScience.

2005

Bayer löst das Chemie- und Teile des Kunststoffgeschäftes aus dem Konzern und bringt ihn als Lanxess AG an die Börse.

2006

Der Erwerb des Berliner Pharmaunternehmens Schering für rund 17 Milliarden Euro ist der teuerste Zukauf der Firmengeschichte.

2010

Marijn Dekkers wird Vorstandsvorsitzender. Der Niederländer mit amerikanischem Pass ist der erste externe Manager an der Spitze des Konzerns.

Geht man von aktuellen Bewertungen von Konkurrenzunternehmen wie BASF, Evonik oder Huntsman aus, könnte Bayer auf einen Unternehmenswert, das heißt einem Wert auf schuldenfreier Basis („enterprise value“), von etwa dem Achtfachen Ebitda hoffen. Das würde auf einen Wert von um die zwölf Milliarden Euro hinauslaufen. Zieht man davon die anvisierte Verschuldung von 3,7 bis 4,5 Milliarden Euro ab, würde sich ein Eigenkapitalwert bzw künftiger Börsenwert von etwa 7,5 bis acht Milliarden Euro nach dem IPO errechnen.

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