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30.09.2015

13:02 Uhr

Covestro

Käufer verzweifelt gesucht

Der geplante Börsengang bei Covestro läuft äußerst holprig: Das Ordnerbuch ist noch immer nicht gefüllt und Großanleger bleiben wegen unsicherer Märkte in Deckung. Banken loten jetzt aus, wie es weitergehen soll.

Die Zentrale der Bayer-Kunststoffsparte in Leverkusen. Noch sind die Orderbücher nicht gefüllt. dpa

Covestro

Die Zentrale der Bayer-Kunststoffsparte in Leverkusen. Noch sind die Orderbücher nicht gefüllt.

FrankfurtDer milliardenschwere Börsengang der Bayer-Kunststoffsparte Covestro kommt Finanzkreisen nicht in Fahrt. Die begleitenden Banken loten deshalb aus, wie es weitergehen soll, wie mehrere Insider der Nachrichtenagentur Reuters am Mittwoch sagten. „Es werden derzeit verschiedene Möglichkeiten diskutiert, Entscheidungen sind noch nicht gefallen“, sagte einer der Insider. Die Erstnotiz war eigentlich für diesen Freitag geplant – doch das Orderbuch ist den Angaben zufolge noch immer nicht gefüllt, geschweige denn mehrfach überzeichnet.

Mit einem Volumen von exakt 2,5 Milliarden Euro sollte Covestro der größte Börsengang in Deutschland seit dem Boom-Jahr 2000 werden. Die Zahl der Aktien sollte davon abhängen, wie der Preis innerhalb der Spanne von 26,50 bis 35,50 Euro am Ende ausfällt. Je nachdem würde Covesto an der Börse mit 6,2 bis 7,5 Milliarden Euro bewertet.

So läuft ein Börsengang ab

1. Auswahl einer Emissionsbank

Hat sich die Führungsebene eines Unternehmens zu einem Börsengang entschlossen, sind diverse Vorbereitungen zu treffen. Zunächst müssen Gespräche mit Banken geführt werden, um einen geeigneten Partner bei der Durchführung des IPO zu finden. Im weiteren Verlauf wird in der Regel eine der Banken zum Konsortialführer bestimmt, oftmals gehören dem Konsortium weitere Banken an, die an der Emission ebenfalls beteiligt werden.

2. Durchführung einer Unternehmensanalyse

Um die geplante Gesellschaft zu analysieren, wird eine Due Diligence-Prüfung durchgeführt. In deren Verlauf wird der Unternehmenswert ermittelt. Die Analyse mündet in der Formulierung eines rechtlich verbindlichen Börsenprospektes, der Voraussetzung für den Handel an der Börse ist.

3. Roadshow

Im Rahmen einer so genannten Roadshow wirbt das Unternehmen auf Basis des Börsenprospektes Investoren für den eigenen Börsengang. Dabei werden die Informationen der breiten Öffentlichkeit zugänglich gemacht. Ziel einer Roadshow ist es darüber hinaus, das potenzielle Interesse an den Aktien des eigenen Unternehmens auszuloten.

4. Festlegen eines Emissionspreises

Nach der Roadshow legen die Konsortialbanken eine ihrer Meinung nach angemessene Preisspanne fest, in deren Rahmen die Unternehmensaktien gezeichnet werden sollten. Der Emissionspreis liegt gemeinhin im Rahmen dieser so genannten Bookbuildingspanne und wird in Folge festgelegt. Alternativ kann die Gesellschaft auch einen Festpreis bestimmen.

5. Zuteilung der Aktien

Nach Festlegung des Emissionspreises können die Anteilsscheine den Investoren zugeteilt werden. Dabei werden die Aktien öffentlich zur Zeichnung angeboten. Während dieser vorher festgelegten Zeichnungsfrist legen sich potenzielle Anleger auf eine bestimmte Stückzahl fest. Ist die Nachfrage nach Aktien größer als das Angebot, spricht man davon, dass der Börsengang "überzeichnet" ist. Dann wird bestimmt, wie die Anteilsscheine zugeteilt werden.

6. Erstnotiz

Nach erfolgreicher Zuteilung der Aktien werden die Papiere erstmals an den Börsenparketts gehandelt. Dabei wird ein erster Kurs festgestellt, die so genannte Erstnotiz. Von diesem ersten Börsenkurs ist abhängig, ob die Investoren – in Abhängigkeit von dem gezahlten Emissionspreis – Zeichnungsgewinne oder -verluste einfahren.

7. Regulärer Handel an der Börse

Die Anteilsscheine können nun regulär am Kapitalmarkt gehandelt werden. Allgemeine Informationen zum Kauf und Verkauf von Wertpapieren können Sie zum Beispiel hier einsehen.

Quelle

Mit dem Emissionserlös wollte die Bayer-Kunststoffsparte Schulden tilgen, die das Unternehmen beim Mutterkonzern hat. Nun gibt es theoretisch vier Möglichkeiten: eine Verlängerung der Angebotsfrist, eine Reduzierung des Volumens, Zugeständnisse beim Preis oder eine Verschiebung des Vorhabens.
Auch andere Börsenkandidaten tun sich derzeit schwer. Hauptgrund sind die stark schwankenden Märkte, die viele Investoren verunsichern. Allein der Dax verlor im Zuge der VW-Abgasaffäre in der vergangenen Woche mehr als zwei Prozent – es ist fraglich, ob die Erholung am Mittwoch wirklich nachhaltig ist. Der Volatilitätsindex VDax, der das Auf und Ab misst, liegt derzeit bei über 30 Punkten. Schon Werte über 20 bereiten Investmentbankern Kopfzerbrechen.

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