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14.07.2014

12:10 Uhr

Cynk-Aktie

Plus 36.000 Prozent – der neue „Wahnsinn“

Kein Umsatz, keine Mitglieder und nur ein Mitarbeiter – aber mehr als sechs Milliarden Dollar wert. Das ist das Phänomen Cynk. Die Aktie des sozialen Netzwerks stieg so schnell, dass sogar die Börsenaufsicht einschritt.

Noch Anfang Juni kostete die Cynk-Aktie wie monatelang davor lediglich 10 US-Cent. Dann kletterte der Kurs bis auf 20 Dollar. ap

Noch Anfang Juni kostete die Cynk-Aktie wie monatelang davor lediglich 10 US-Cent. Dann kletterte der Kurs bis auf 20 Dollar.

WashingtonDie Firma Cynk hat keinen Umsatz und weist nur einen Mitarbeiter aus. Und dennoch war der Betreiber des völlig unbekannten Online-Netzwerks an der Börse plötzlich sechs Milliarden Dollar wert – so viel wie die deutschen MDax-Unternehmen Fraport, Celesio oder Axel Springer.

Die US-Börsenaufsicht SEC schritt ein und setzte am Wochenende den Handel mit den Aktien zunächst für knapp zwei Wochen aus. So soll verhindert werden, dass bei einem eventuell künstlich aufgeblähten Kurs Anleger zu Schaden kommen.

Wem können Sie trauen, wem nicht? Die Tipps von Dirk Müller

Die Politik

Dirk Müller: „Dass sich die Politiker gerne mal die Hucke voll lügen, dürfte hinlänglich bekannt sein. [...] Ich darf daran erinnern, dass der damalige Finanzminister Steinbrück noch im Sommer 2008 eine deutsche Rezession für vollkommen ausgeschlossen hielt und diesbezügliche Meinungen als 'typisch deutsche Schwarzmalerei' abtat? Wohl dem, der seine Investitionen nicht darauf gebaut hat...“

Die Wirtschaftsweisen

Dirk Müller: „Die Wirtschaftsweisen müssen es doch wissen, sollte man meinen. Immerhin beraten sie die Regierung. [...] Weit gefehlt. Unsere führenden Wirtschaftsforschungsinstitute haben noch im Herbst 2008 eine Rezession für Deutschland und die USA für unwahrscheinlich erklärt. Wir wissen heute, dass die Rezession in den USA offiziell vom Dezember 2007 bis Juni 2009 dauerte. Das bedeutet: Unsere führenden Wirtschaftsforschungsinstitute erkennen eine Rezession noch nicht einmal dann, wenn sie bereits seit einem halben Jahr tobt.“

Finanzmedien

Dirk Müller: „Ja, es macht Sinn, sie zu lesen, aber bleiben Sie kritisch. Glauben Sie nichts, was nicht mit Ihrer Wahrnehmung der Dinge übereinstimmt, und hinterfragen Sie alles. Stellen Sie sich vor allem die Frage: Von wem kommt diese Information und wem nützt sie.“

Börsenbriefe

Dirk Müller: „Es gibt einige gute, fundierte und seriöse Börsenbriefe, aber die Mehrzahl ist reine Geldmacherei. Besonders vorsichtig sollten Sie sein, wenn Sie kostenlose Börsenbriefe im Briefkasten oder im Maileingang finden. Was glauben Sie, warum sich der Herausgeber diese Mühe macht? Er sucht Dumme.“

Bankberater

Dirk Müller: „Der Bankverkäufer ist keineswegs der neutrale Notar, oder gar ihr guter Freund, der nur Ihr Wohl vor Augen hat. [...] Warum das so ist, erkennen wir, wenn wir uns mit seinem Arbeitgeber, der Bank, beschäftigen. Welche Aufgabe hat diese Bank? Ihre einzige Aufgabe besteht darin, Gewinn zu erwirtschaften. Gewinn für ihre Eigentümer und Aktionäre. Sie hat weder die Aufgabe, Gutes für die Gesellschaft zu tun, noch ist sie eine neutrale und staatlich finanzierte Beratungsgesellschaft für Leute, die keinen Plan von Finanzen haben. [...] Begegnen Sie ihm [dem Bankverkäufer] genauso, wie sie einem Autoverkäufer begegnen würden. Freundlich, informiert und in dem Bewusstsein, dass der nette Kerle, der Ihnen einen Kaffee anbietet, Ihnen im nächsten Moment verkauft, was vom Hof muss.“

Der beste Ratgeber

„... sind Sie selbst und Ihr Bauchgefühl. Kaufen Sie nichts, was Sie nicht wirklich verstanden haben. Hinterfragen Sie stets alles, und vertrauen Sie auf Ihre Lebenserfahrung und Ihren gesunden Menschenverstand, dann sind Sie besser dran als mit allen Expertentipps.“

Literatur

Dirk Müller, „Cashkurs: So machen Sie das Beste aus Ihrem Geld: Aktien, Versicherungen, Immobilien“, erschienen am 12. September 2011 bei Droemer.

Noch Anfang Juni kostete die Cynk-Aktie wie monatelang davor lediglich zehn US-Cent. Dann setzte ein steiles Kurswachstum bei niedrigen Handelsumsätzen ein. Allein am 17. Juni legte die Aktie um 3.650 Prozent zu.

Als der Kurs dann binnen drei Tagen von fünf auf zeitweise über 20 Dollar hochsprang, hatte die SEC genug und zog die Notbremse. Innerhalb von zwei Monaten hatte die Aktie nämlich ein Kursplus von mehr als 36.000 Prozent und war zwischenzeitlich mehr als sechs Milliarden Dollar wert.

Auch zum letzten registrierten Preis von 13,90 Dollar wäre Cynk immer noch über vier Milliarden Dollar wert - ein Monatsplus von mehr als 23.000 Prozent.

Das „Phänomen Cynk“ wird in den US-Medien heiß diskutiert – manche bezeichnen es als „reinen Wahnsinn“. Der „Business Insider“ geht davon aus, dass das Netzwerk keine Mitglieder hat.

Kommentare (2)

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Herr Konstantin Lewe

14.07.2014, 19:44 Uhr

Ob diese Aktie auch auf dem Radar bei gevestor ist oder war?

Man dieser Pennystock erinnert ja total an den Film
"The Wolf of Wallstreet" oder auch "Assault on Wallstreet"

Ich finde ein Pennystock ist wie ein Junk-Bond :-)

Herr Edi Haas

15.07.2014, 09:57 Uhr

"Ob diese Aktie auch auf dem Radar bei gevestor ist oder war?

Man dieser Pennystock erinnert ja total an den Film
"The Wolf of Wallstreet" oder auch "Assault on Wallstreet"

Ich finde ein Pennystock ist wie ein Junk-Bond:-)"

Genau!

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