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22.04.2016

14:59 Uhr

Daimler, VW, Mitsubishi

Daimler verliert fünf Milliarden Euro Börsenwert

An der Börse trennen sich die Anleger von Daimler-Aktien – vorsorglich, denn bewiesen sind mögliche Abgas-Manipulationen noch nicht. Der Mercedes-Bauer ist nicht der einzige Autokonzern, der unter die Räder kommt.

Dieselgate

Manipulierte Abgaswerte: Nach VW jetzt Daimler?

Dieselgate : Manipulierte Abgaswerte: Nach VW jetzt Daimler?

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DüsseldorfEine neue Skandalwelle unter den Automobilbauern erschüttert die Börsen: Am Mittwoch machte Mitsubishi Motors den Auftakt. Sein Konzern habe sich nicht an die Gesetze gehalten, gab der Chef des japanischen Automobilbauers, Tetsuro Aikawa, vor versammelter Presse zu. Mitarbeiter des Unternehmens haben offenbar Reifendruckwerte manipuliert, um den Benzinverbrauch geringer erscheinen zu lassen.

Am Freitag kamen dann die deutschen Autobauer an die Reihe. Die amerikanischen Justizbehörden haben nach mehreren Zivilklagen eine Überprüfung der Abgasmessungen bei Daimler angeordnet. Der Konzern kündigte daraufhin an, interne Untersuchungen zu beginnen. Vielen Anlegern stellt sich nun die bange Frage: Gibt es auch beim Mercedes-Bauer bald einen Abgasskandal wie bei VW?

Und am Mittag kam es noch schlimmer: Die Autohersteller Audi, Porsche, Mercedes, Volkswagen und Opel werden nach Angaben eines Vertreters der Bundesregierung insgesamt 630.000 Fahrzeuge zurückrufen. Der Grund: Eine Änderung der Abschaltvorrichtungen für die Abgasreinigung bei bestimmten Temperaturen.

Die Daimler-Aktie reagierte heftig auf beide Meldungen. Das Papier lag zwischenzeitlich mehr als sieben Prozent im Minus. Ein Anteilsschein kostete weniger als 62 Euro. Daimler war mit großem Abstand schlechtester Wert im Dax. Fünf Milliarden Börsenwert waren in wenigen Stunden verpufft, die Marktkapitalisierung fiel auf etwas mehr als 66 Milliarden Euro.

Und damit nicht genug: Aus dem Hause Volkswagen kamen am Freitag auch Neuigkeiten – wenn auch nicht offiziell. Das Unternehmen stelle wegen des Abgasskandals in seiner Bilanz für das abgelaufene Jahr offenbar eine Summe zwischen 16 und 17 Milliarden Euro zurück – wie das Handelsblatt in der Nacht auf Freitag aus informierten Kreisen erfuhr. Bereits im dritten Quartal 2015 hat der Konzern 6,7 Milliarden Euro für die Lasten durch die Abgasmanipulation zur Seite gelegt, zu denen kommen nun offenbar weitere zehn Milliarden dazu. Erst am Donnerstag hat sich der deutsche Autobauer mit US-Behörden über die Grundzüge eines Entschädigungsplans geeinigt. Am heutigen Freitag berät der VW-Aufsichtsrat über die vorläufigen Kennzahlen des abgelaufenen Jahres und gibt voraussichtlich bekannt, wie hoch die Belastungen durch „Dieselgate” ausfallen.

Für die Anleger enthalten diese Entwicklungen vor allem eine Nachricht: Finger weg von Auto-Aktien. Das spiegelt sich auch an ihren Kursen wieder, die allesamt auf Talfahrt gehen. Der Automobil-Index „Europe 600 Automobiles & Parts”, in dem 16 europäische Autowerte gelistet sind, verlor rund am Freitag 3,6 Prozent gegenüber dem Vortag. Deutlich weiter runter ging es bei den Einzelwerten.

Bei Daimler verkaufen die Anleger auch ohne dingfeste Beweise für mögliche Manipulationen – quasi vorsorglich. Angesichts der Abgas-Empörung gingen die Bilanzzahlen, die Daimler veröffentlichte, beinahe unter. Dabei sind sie durchaus einen Blick wert. Das Konzernergebnis mit 1,35 Milliarden US-Dollar ging im ersten Jahresquartal zwar um rund ein Drittel zurück. Doch beim Umsatz konnte sich Daimler behaupten. In seiner wichtigsten Sparte, Mercedes-Benz Cars, stieg dieser um rund acht Prozent. In China konnte die PKW-Sparte seinen Umsatz sogar um 24 Prozent steigern – was zeigt, dass die Marke Daimler relativ konstant durch Chinas schwache Konjunktur-Phase kommt.

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