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22.09.2015

14:22 Uhr

Deezer

Streamingdienst will in Paris an die Börse

Deezer ist einer der Vorreiter beim Streaming. Um international expandieren und mit den Konkurrenten mithalten zu können, brauchen die Franzosen nun frisches Geld. Das Unternehmen plant den Gang aufs Parkett.

Experten schätzen den Wert von Deezer auf rund eine Milliarde Euro. AFP

Französischer Streamingdienst

Experten schätzen den Wert von Deezer auf rund eine Milliarde Euro.

Paris Der Musik-Streamingdienst Deezer setzt noch vor dem Marktführer Spotify zum Börsengang an. Deezer meldete sich am Montag bei der französischen Börsenaufsicht an, was ein erster Schritt für die Aktienplatzierung ist. Damit wolle Deezer „seine Position konsolidieren“. Deezer-Chef Hans-Holger Albrecht sprach von einer „wichtigen Etappe für Deezer zu einem entscheidenden Zeitpunkt für die Musikindustrie“. Streaming erlebe ein „beschleunigtes Wachstum“ und werde „der wichtigste Kanal bei der Verbreitung von Musik“. Weitere Details zu den Plänen gab es am Dienstag zunächst nicht. Deezer strebe eine Bewertung von rund einer Milliarde Euro an, berichtete jüngst der Finanzdienst Bloomberg.

Deezer hatte im Juni dieses Jahres 6,3 Millionen Kunden. Spotify aus Schweden kommt auf über 75 Millionen Nutzer, von denen rund 20 Millionen zahlende Abo-Kunden sind.

Der Deezer-Umsatz wuchs im vergangenen Jahr um 43 Prozent auf 143 Millionen Euro. Fast die Hälfte des Geschäfts - 47 Prozent - machte Deezer im ersten Halbjahr in Frankreich. Weitere 34 Prozent der Erlöse wurden in anderen europäischen Ländern erwirtschaftet. Zum Jahr 2018 will Deezer weltweit auf einen Umsatz von 750 Millionen Euro kommen und zumindest vor Zinsen, Steuern und Abschreibungen die Verlustzone verlassen.

So läuft ein Börsengang ab

1. Auswahl einer Emissionsbank

Hat sich die Führungsebene eines Unternehmens zu einem Börsengang entschlossen, sind diverse Vorbereitungen zu treffen. Zunächst müssen Gespräche mit Banken geführt werden, um einen geeigneten Partner bei der Durchführung des IPO zu finden. Im weiteren Verlauf wird in der Regel eine der Banken zum Konsortialführer bestimmt, oftmals gehören dem Konsortium weitere Banken an, die an der Emission ebenfalls beteiligt werden.

2. Durchführung einer Unternehmensanalyse

Um die geplante Gesellschaft zu analysieren, wird eine Due Diligence-Prüfung durchgeführt. In deren Verlauf wird der Unternehmenswert ermittelt. Die Analyse mündet in der Formulierung eines rechtlich verbindlichen Börsenprospektes, der Voraussetzung für den Handel an der Börse ist.

3. Roadshow

Im Rahmen einer so genannten Roadshow wirbt das Unternehmen auf Basis des Börsenprospektes Investoren für den eigenen Börsengang. Dabei werden die Informationen der breiten Öffentlichkeit zugänglich gemacht. Ziel einer Roadshow ist es darüber hinaus, das potenzielle Interesse an den Aktien des eigenen Unternehmens auszuloten.

4. Festlegen eines Emissionspreises

Nach der Roadshow legen die Konsortialbanken eine ihrer Meinung nach angemessene Preisspanne fest, in deren Rahmen die Unternehmensaktien gezeichnet werden sollten. Der Emissionspreis liegt gemeinhin im Rahmen dieser so genannten Bookbuildingspanne und wird in Folge festgelegt. Alternativ kann die Gesellschaft auch einen Festpreis bestimmen.

5. Zuteilung der Aktien

Nach Festlegung des Emissionspreises können die Anteilsscheine den Investoren zugeteilt werden. Dabei werden die Aktien öffentlich zur Zeichnung angeboten. Während dieser vorher festgelegten Zeichnungsfrist legen sich potenzielle Anleger auf eine bestimmte Stückzahl fest. Ist die Nachfrage nach Aktien größer als das Angebot, spricht man davon, dass der Börsengang "überzeichnet" ist. Dann wird bestimmt, wie die Anteilsscheine zugeteilt werden.

6. Erstnotiz

Nach erfolgreicher Zuteilung der Aktien werden die Papiere erstmals an den Börsenparketts gehandelt. Dabei wird ein erster Kurs festgestellt, die so genannte Erstnotiz. Von diesem ersten Börsenkurs ist abhängig, ob die Investoren – in Abhängigkeit von dem gezahlten Emissionspreis – Zeichnungsgewinne oder -verluste einfahren.

7. Regulärer Handel an der Börse

Die Anteilsscheine können nun regulär am Kapitalmarkt gehandelt werden. Allgemeine Informationen zum Kauf und Verkauf von Wertpapieren können Sie zum Beispiel hier einsehen.

Quelle

Der Wettbewerb im schnell wachsenden Streaming-Geschäft heizt sich gerade unter anderem mit dem Markteintritt von Apple auf. Der iPhone-Konzern, der bisher auf den Verkauf von Musik zum Herunterladen setzte, gewann in den ersten Wochen eines noch kostenlosen Test-Angebots rund elf Millionen Nutzer für seinen Service Apple Music.

Um international zu expandieren braucht Deezer nun frisches Geld. Das Startup habe inzwischen „eine gewisse Reife“ erreicht, sagte Deezer-Manager Simon Baldeyrou am Dienstag. Mit dem Gang an die Börse solle eine „diversifizierte“ und „internationale“ Finanzbasis geschaffen werden, außerdem solle die „Sichtbarkeit“ von Deezer verbessert werden. Experten schätzen den Wert von Deezer auf rund eine Milliarde Euro. Im vergangenen Jahr machte der Streamingdienst einen Umsatz von 142 Millionen Euro, das war ein Plus von 53 Prozent im Vergleich zum Vorjahr.

Beim Streaming haben Nutzer Zugriff auf eine riesige Musikpalette. Die Lieder werden aber nicht gekauft oder dauerhaft heruntergeladen, sondern über das Internet als Audiostream abgespielt.

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