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29.01.2004

07:40 Uhr

Aktien

Denn sie wissen nicht, was sie tun

VonMarcus Pfeil (Handelsblatt)

Keine Begrüßung, kein Pressesprecher und auch kein Mitarbeiter der Investor-Relations- Abteilung: Sanofi-Chef Jean-François Dehecq wartet nicht, bis die Analysten Platz genommen haben, ohne Floskeln kommt er zur Sache: „Dieser Schritt ist die einzige Chance für beide Firmen, ein starkes europäisches Unternehmen zu schaffen. Wenn wir es jetzt nicht machen, werden wir später bedauern, dass wir nichts für Europa getan haben.“

DÜSSELDORF. Die Aventis-Spitze sieht das vollkommen anders. Der Aufsichtsrat lehnte gestern nach langer Sitzung in der Nacht das Übernahmeangebot von Sanofi ab. Das Kontrollgremium empfehle den Aktionären von Aventis, das feindliche Übernahmeangebot zurückzuweisen, da die Offerte nicht im besten Interesse der Aktionäre und Mitarbeiter von Aventis sei, teilte der Konzern mit.

Über die Abwehrstrategie kann indes nur spekuliert werden. Lanciert Aventis ein Gegenangebot, taucht ein „weißer Ritter“ auf, bessert Sanofi nach, oder einigen sich die Streithähne doch noch auf ein freundliches Miteinander? Die Analysten sind sich uneinig: Alexander Groschke von der Landesbank Rheinland-Pfalz glaubt nicht, dass das Übernahmeangebot in seiner jetzigen Form zu Stande kommt. „Das Problem von Sanofi ist, dass die Aktie in den vergangenen Tagen schon 15 Prozent gefallen ist und das Angebot derzeit einen Abschlag von vier Prozent für die Aventis-Aktionäre bedeutet.“ Und bei einer Nachbesserung würde der Kurs weiter fallen – der Aufschlag damit verpuffen. Sanofi mutiere so zum Juniorpartner. Zudem fehle Sanofi das Geld – schon für die aktuelle Offerte müsse das Unternehmen sich mit rund 7 Mrd. Euro bzw. mit rund 50 Prozent der Bilanzsumme verschulden.

Auch an einen „weißen Ritter“ – aus welchem Land auch immer – glaubt Groschke nicht, schließlich sei Aventis nicht das Ziel, sondern eigentlich Sanofi. Zwar hätte Glaxo- Smithkline Probleme mit seiner Produktpalette, Aventis könne diese aber nicht lösen. Anleger sollten deshalb Aventis-Aktien verkaufen, bei „60 Euro sind die Papiere ausgereizt“.

Analyst Groschke hält eine friedliche Einigung für die beste Lösung, allerdings nur zu den Bedingungen von Aventis: „Wenn sich Aventis mit den Großaktionären Sanofis einigt, wäre eine Fusion möglich. Sollte die Übernahme scheitern, dann ist früher oder später Sanofi das Ziel.“ Und verliert Sanofi den Malus des Räubers oder wird selbst zum Gejagten, dann macht ein Kauf der Aktien Sinn.

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