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08.06.2015

10:07 Uhr

Deutsche Bank Aktie

Der Mann, der drei Milliarden Euro wert ist

VonLaura de la Motte

Er ist der Mann der Stunde: Der designierte Vorstandschef der Deutschen Bank, John Cryan. Anleger sind über den Machtwechsel so beglückt, dass sie bei der Aktie zugreifen. Cryan treibt den Wert des Unternehmens deutlich.

Der Neue bei der Deutschen Bank

Wer ist John Cryan?

Der Neue bei der Deutschen Bank: Wer ist John Cryan?

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FrankfurtBitter aber wahr, keine Meldung aus der Ära von Anshu Jain, hat die Investoren in so einen spontanen Freudentaumel versetzt wie die Nachricht, dass der Co-Chef der Deutschen Bank seinen Rücktritt erklärt hat. Im Parketthandel am Montagmorgen schoss die Aktie bereits sieben Prozent in die Höhe. Im elektronischen Handel, der um neun Uhr startete, setzt sich die Kursrally fort. Dort steht die Aktie nun bei 29,70 Euro, ein Plus von 7,62 Prozent. Damit stieg der Marktwert des größten deutschen Kreditinstituts in ein paar Minuten um satte drei Milliarden Euro.

Viele Investoren setzen darauf, dass der designierte Vorstand John Cryan bei der Senkungen von Kosten mehr Erfolg hat als seine Vorgänger. „Schon bei UBS hat Cryan einen starken Fokus auf Kosten gelegt“, betonten die Analysten von Morgan Stanley am Montag. „Wir glauben, dass die Deutsche Bank an einem Wendepunkt steht“, erklärten die Experten von Citi. Der neue Vorstandschef sei hoch angesehen und könne es schaffen, die eingeschlagene Strategie besser umzusetzen und höhere Gewinne zu erzielen.

„Meiner Meinung nach ist das eine sehr große Chance für die Deutsche Bank, mit einem einzigen Schlag alle Diskussionen und Probleme zu beenden“, bringt Martin Stürner von der PEH Wertpapier AG die Stimmung auf den Punkt. „Wir als Vermögensverwalter halten Aktien der Deutschen Bank. Die Bank hat Potenzial, und die Aktie ist unterbewertet, handelt unter Buchwert. Wir denken über Zukäufe am Montag nach“, so Stürner.

Jain und sein Co-Kapitän Jürgen Fitschen hatten am Sonntag ihren Rücktritt erklärt, nachdem das Vertrauen in die Führungsspitze in den letzten Wochen erheblich gelitten hat. Unter Druck geriet das Duo vor allem nach der jüngsten Hauptversammlung, als die Aktionäre das schlechteste Vertrauenszeugnis in der Geschichte der Bank ausstellten. Nur 61 Prozent hatten die beiden Vorstandsvorsitzenden entlastet.

Die internationale Presse zum Deutsche-Bank-Umbau

„Neue Zürcher Zeitung“ (Schweiz)

Will man einen Teich trockenlegen, sollte man besser nicht die Frösche um Rat fragen. Diese alte Weisheit scheint der Aufsichtsrat der Deutschen Bank befolgt zu haben, als er am Sonntag John Cryan zum neuen operativen Chef der Bank gewählt hat. Aufräumen muss ein Neuer, einer, der sowohl innerhalb der Bank wie auch außerhalb, bei Aktionären und in der Öffentlichkeit, glaubwürdig für frischen Wind sorgen kann. Cryan erfüllt dieses Kriterium zumindest insofern, als er nicht dem Investment-Banking-Sumpf der Deutschen Bank entstammt. Auf ihn kommt viel Arbeit zu, denn der Teich, der die „Deutsche“ in Verruf gebracht hat, ist noch nicht trockengelegt - die meisten Frösche sind noch da.

„Times“ (Großbritannien)

Mitten im Kampf der Deutschen Bank, eine Fülle von Skandalen zu bereinigen, sind ihre unter Druck stehenden Co-Vorstandschefs unerwartet von ihren Posten zurückgetreten. Nach Spekulationen an den Märkten könnte dieser plötzliche Führungswechsel bei der Bank, die zu den weltweit größten Investment-Häusern gehört, durch wachsenden Druck globaler Aufsichtsgremien und Investoren ausgelöst worden sein, die für eine neue Führung plädierten, um Vertrauen zurückzugewinnen.

„Jyllands-Posten“ (Dänemark)

Die Deutsche Bank war in den letzten Jahren von einer Reihe von äußerst unangenehmen Fällen geplagt. Einige davon hatten die Chefs Anshu Jain und Jürgen Fitschen bei ihrer Ernennung im Jahr 2012 übernommen, andere kamen seitdem hinzu, aber fast keiner von ihnen wurde gelöst. Zur gleichen Zeit ähnelte die Aktienentwicklung der Bank in den vergangenen drei Monaten der Fieberkurve eines schwer kranken Patienten.

„Svenska Dagbladet“ (Schweden)

Anshu Jain, der für den Investment-Banking-Bereich zuständig ist, wurde zum Sündenbock für große Einschnitte gemacht und in Deutschland heftig kritisiert. Gleichzeitig wurde Jürgen Fitschen in den Skandal um die Mediengruppe Kirch 2002 verwickelt.

„Corriere della Sera“ (Italien)

Zu viele Finanzskandale, zu viele bezahlte Strafen, schwaches Vertrauen der Investoren, stockende Kurse an der Börse: Am Ende haben sie bei der Deutschen Bank entschieden, dass ein kompletter Wandel nötig ist. Und dafür bezahlen müssen die beiden Chefs Anshu Jain und Jürgen Fitschen. (...) Vielleicht ist es kein Zufall, dass die Wahl des neuen Chefs auf John Cryan gefallen ist, der mehr Kontrolleur als Geschäftsmann ist.

„El País“ (Spanien)

Eine Serie von Skandalen beschleunigt die Wachablösung an der Spitze der Deutschen Bank. Die beiden Chefs des größten deutschen Geldinstituts kündigen überraschend ihr Adiós an.

„Hospodarske Noviny“ (Tschechien)

Zu dem Wechsel auf den höchsten Posten kommt es nur einen Monat, nachdem die Hauptversammlung eine neue Strategie gebilligt hatte. Deren Ziele sind es, den Gewinn und die Rendite des eingesetzten Kapitals zu erhöhen. Denn in den zurückliegenden Jahren sah es mau aus.

Der Aufsichtsrat unter Führung von Paul Achleitner kürte daraufhin John Cryan – den  mächtigsten Mann der Kapitalseite des Kontrollgremiums und Achleitner-Vertrauten – als Jains Nachfolger. Fitschen soll ihm noch ein Jahr zur Seite stehen, um einen geregelten Übergang zu gewährleisten. Jain erhält für denselben Zeitraum einen Beratervertrag.

Die Investoren reagieren erfreut auf den Personalwechsel. „Das zeigt, dass die Aktionärsdemokratie in solchen Extremfällen doch funktioniert“, sagte Hans Hirt, Manager der britischen Fondsgesellschaft Hermes EOS, dem Handelsblatt. Hermes, die auch als Aktionärsberater tätig sind, hatte der Vorstandsspitze auf der Hauptversammlung im vergangenen Monat das Vertrauen entzogen und damit entscheidend zu der Aktionärsrevolte beigetragen. Auch die Wahl von Cryan wird goutiert. „Da es schwierig wurde, jemanden von außen zu holen, könnte das die beste Lösung sein und gut bei den Investoren ankommen.“ Doch die Euphorie der Investoren könnte schon bald von der Realität eingeholt werden.

Kommentar zur Deutschen Bank: Kulturwandel, zweiter Versuch

Kommentar zur Deutschen Bank

Premium Kulturwandel, zweiter Versuch

Anshu Jain und Jürgen Fitschen erzeugten mehr Frust als Lust. Vor allem bei den Investoren, sagt Handelsblatt-Chefredakteur Hans-Jürgen Jakobs in seinem Kommentar zum Vorstandswechsel bei der Deutschen Bank.

Denn mit dem Personalwechsel an der Spitze ist die Bank noch lange nicht all ihre Probleme los. „Es geht weniger um Köpfe als um die Geschäftsmodelle“, sagt  Philipp Vorndran, Kapitalmarktstratege beim Vermögensverwalter Flossbach von Storch. Die aktuellen Geschäftsmodelle der meisten europäischen Großbanken seien langfristig nicht tragfähig. So kämpft auch die Deutsche Bank mit ihrer Profitabilität. 87 Cent musste sie 2014 aufwenden, um einen Euro zu verdienen. Als Ziel hat sie sich 65 Cent gesetzt.

Kommentare (6)

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Herr Martin Stuerner

08.06.2015, 09:08 Uhr

here we go

Herr Manfred Carter

08.06.2015, 09:22 Uhr

Solange Herr Achleitner weiter die Fäden zieht, wird sich am Desaster der DB nichts ändern. Er ist der Hauptschuldige am Niedergang der DB.

Account gelöscht!

08.06.2015, 09:55 Uhr

Erst muss dieser John Crayn mal seine Strategie vorlegen und dann erst kann man eine erste Einschätzung vornehmen. Das Urteil wird dann über den Erfolg seiner Strategie abhängig sein.
Momentan hat er weder eine Strategie für die DB offen dargelegt, noch kann er Erfolge im deutschen Banksektor nachweisen.

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