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08.10.2015

14:41 Uhr

Deutsche Bank

Aktie wieder auf Talfahrt

Der neue Deutsche-Bank-Chef John Cryan macht klar Schiff. Die Dividende für 2015 könnte ganz oder teilweise ausfallen. An der Börse kam Cryans Kahlschlag vorerst gut an. Am Nachmittag rutscht die Aktie wieder ins Minus.

Aktionäre müssen wahrscheinlich auf einen Teil ihrer Dividende verzichten. dpa

Deutsche Bank

Aktionäre müssen wahrscheinlich auf einen Teil ihrer Dividende verzichten.

DüsseldorfEin emotionaler Tag für die Aktionäre der Deutschen Bank. Die Aktie schwankt stark hin und her. Auslöser war der Rekordverlust von rund sechs Milliarden Euro vor und nach Steuern für das dritte Quartal angekündigt, den der neue Deutsche-Bank-Chef John Cryan am Abend überraschend angekündigt hatte. Nachdem die Aktie von Deutschlands größtem Geldhaus zum Handelsstart am Donnerstag um fast vier Prozent eingebrochen war, hatte sie sich im Laufe des Tages erholt und notierte zwischenzeitlich rund drei Prozent im Plus. Doch am Nachmittag rutscht die Aktie wieder mit rund 0,4 Prozent ins Minus. Vorbörslich hatte es nach einem massiven Verlust ausgesehen, die Aktie war bis zu sieben Prozent eingebrochen.

Weil die Bank unbelastet mit ihrer „Strategie 2020“ starten können soll und räumt der Brite John Cryan radikal in der Bilanz auf. Grund für den Rekordverlust sind nicht nur massive Abschreibungen auf das Investmentbanking und das Privatkundengeschäft – beide Sparten stehen vor tiefen Einschnitten. Die Bank muss zudem erneut viel Geld für Rechtsstreitigkeiten zur Seite legen. Die Dividende für 2015 könnte deshalb ganz oder teilweise ausfallen.
„Die Dividendenkürzung haben wir nicht erwartet“, sagte Amit Goel von Expane BNP. Die wichtigste Ankündigung wäre aber diejenige, die nicht gemacht worden wäre. „Der Konzern hat keine Kapitalerhöhung angekündigt“, so der Analyst. „Die Aktien werden sich wohl kaum positiv entwickeln, bis am 29. Oktober die vollständigen Ergebnisse und Details zur Geschäftsstrategie veröffentlicht werden.“

Gehaltsmillionäre bei deutschen Banken (nach Funktionen)

Quelle

Die European Banking Authority in London veröffentlicht jährlich eine Übersicht über Einkommensmillionäre bei europäischen Banken. Die Zahlen hier beziehen sich auf das Jahr 2013 und wurden im September 2015 von der Behörde veröffentlicht.

Management-Aufsicht

Zahl der Einkommensmillionäre:
1
Fix-Gehalt:
1,38 Millionen Euro

(Kein Vergleichsdaten für das Vorjahr)

Allgemeine Management-Funktionen

Zahl der Einkommensmillionäre:
111

Durchschnittlicher Jahresverdienst:
1,83 Millionen Euro

Verhältnis von variabler zu fester Vergütung:
185 Prozent

(Kein Vergleichsdaten für das Vorjahr)

Investmentbanking

Zahl der Einkommensmillionäre:
196 (2012: 100)

Durchschnittlicher Jahresverdienst:
1,49 Millionen Euro (2012: 1,54 Millionen Euro)

Verhältnis von variabler zu fester Vergütung:
185 Prozent (2012: 325 Prozent)

Privatkundengeschäft

Zahl der Einkommensmillionäre:
11 (2012: 17)

Durchschnittlicher Jahresverdienst:
1,36 Millionen Euro (2012: 1,17 Millionen Euro)

Verhältnis von variabler zu fester Vergütung:
177 Prozent (Vorjahr: 120 Prozent)

Vermögensverwaltung

Zahl der Einkommensmillionäre:
15 (2012: 17)

Durchschnittlicher Jahresverdienst:
1,5 Millionen Euro (2012: 1,53 Millionen Euro)

Verhältnis von variabler zu fester Vergütung:
419 Prozent (Vorjahr: 169 Prozent)

Zentralfunktionen („Corporate functions“)

Zahl der Einkommensmillionäre:
27

Durchschnittlicher Jahresverdienst:
1,59 Millionen Euro

Verhältnis von variabler zu fester Vergütung:
303 Prozent

(keine Vergleichsdaten für das Vorjahr)

Unabhängige Kontrollfunktionen

Zahl der Einkommensmillionäre:
12

Durchschnittlicher Jahresverdienst:
1,42 Millionen Euro

Verhältnis von variabler zu fester Vergütung:
227 Prozent

(keine Vergleichsdaten für das Vorjahr)

Alle übrigen

Zahl der Einkommensmillionäre:
24

Durchschnittlicher Jahresverdienst:
1,33 Millionen Euro

Verhältnis von variabler zu fester Vergütung:
219 Prozent

(keine Vergleichsdaten für das Vorjahr)

Anleger reagieren zunächst verschreckt auf die neuen Hiobsbotschaften, dann goutierten sie Cryans Maßnahmen. Nun scheint der Schreck zurück. Langjährige Aktionäre der Bank sind Kummer gewöhnt: In den vergangenen fünf Jahren ging es mit der Aktie um mehr als 30 Prozent abwärts. Allein in den letzten sechs Monaten büßte das Papier mehr als 20 Prozent ein – und machte damit eine zwischenzeitliche Erholung zunichte. Ein schwacher Trost für die Aktionäre war lange Zeit die Dividende, doch auch die steht nun zur Disposition.
Ihnen bleibt die Hoffnung, dass Cryan das Ruder rumreißt und der Aktienkurs wieder nachhaltig steigt. Der Brite hatte im Juli die Nachfolge des glücklosen Anshu Jain angetreten, der das Vertrauen der großen Investoren verloren hatte. Sie waren unzufrieden, weil die Rendite schwach und kein Ende der unzähligen Skandale absehbar ist. Viele internationale Konkurrenten sind längst davongezogen.

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Lieber sanieren als Luftschlösser bauen: Der neue Vorstandschef der Deutschen Bank, John Cryan, schafft Fakten. Und die sind schmerzhaft für das deutsche Geldhaus. Doch der Härtetest kommt erst Ende des Monats.

Jain hatte die neue Strategie noch auf den Weg gebracht. Im Kern sieht sie eine deutliche Schrumpfkur für das Geldhaus vor, weil es sich seine riesige Bilanz in Zeiten strengerer Regulierung nicht mehr leisten kann: Die Postbank wird verkauft, das übrige Privatkundengeschäft mit den sogenannten „blauen“ Filialen zurückgefahren und auch die Investmentbank soll schlanker und dafür schlagkräftiger werden.

Finanzkreisen zufolge werden Tausende Jobs wegfallen. Viele Details sind aber noch offen. Cryan, der in den vergangenen drei Monaten eine intensive Problemanalyse betrieb und sich viele Manager persönlich vorknöpfte, muss nun den Feinschliff machen. Er will seine Entscheidungen am 29. Oktober präsentieren – zusammen mit der ausführlichen Quartalsbilanz, wie die Bank mitteilte. Das ist einen Tag später als zuletzt geplant.

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