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16.09.2016

16:34 Uhr

Deutsche Bank

Drohende Milliardenstrafe belastet auch Schweizer Aktien

Nachdem bekannt wurde, dass der Deutschen Bank in den USA ein Milliardenbuße droht, haben auch die Aktien von UBS und Credit Suisse nachgegeben. Gegen die Schweizer Großbanken laufen dort ähnliche Verfahren.

Eine drohende Milliardenstrafe für die Deutsche Bank in den USA belastet Schweizer Bankaktien. dpa

Gedrückte Stimmung

Eine drohende Milliardenstrafe für die Deutsche Bank in den USA belastet Schweizer Bankaktien.

ZürichEine drohende Milliardenbuße für die Deutsche Bank wegen Tricksereien am US-Immobilienmarkt hat am Freitag auch die Aktien der Schweizer Großbanken belastet. Gegen Credit Suisse und UBS laufen in Amerika ähnliche Verfahren wie gegen den deutschen Branchenprimus, dem vom amerikanischen Justizministerium (DOJ) eine 14 Milliarden Dollar schwere Strafe droht.

Weil Investoren deshalb auch eine hohe Zahlung für andere Institute fürchten, büßten die Credit-Suisse-Papiere in der Spitze bis zu fünf Prozent ein. UBS-Aktien fielen um bis zu 2,7 Prozent. „Das ist normal, dass die Aktien verlieren, wenn so ein Fall in die Medien kommt“, sagte Vontobel-Analyst Andreas Venditti. Der europäische Branchenindex verlor 1,4 Prozent an Wert.

Allerdings rechne er auch bei der Deutschen Bank letztlich nicht mit einer Zahlung von 14 Milliarden Dollar. „Es ist das übliche Spiel, dass das DOJ spielt – nicht nur in diesem Fall. Das DOJ kommt mit einer sehr hohen Forderung, die Gegenpartei schlägt eine wesentlich tiefere Zahl vor und man einigt sich am Schluss irgendwo dazwischen“, sagte er.

Der Vorstand der Deutschen Bank

Fakten zum Vorstand

Im Oktober 2015 hatte Vorstandschef John Cryan einen Großumbau des Vorstands angekündigt. Viele Änderungen traten zum 1. Januar 2016 in Kraft, im Laufe der Jahre 2016 und 2017 gab es einige Umbesetzungen. Zwei Frauen gehören zum Zirkel, vier Manager sind Deutsche.

John Cryan - Vorstandschef

Der Brite führt seit Juli 2015 die Deutsche Bank. An seiner Seite agierte bis Mai 2016 noch Jürgen Fitschen als Co-Vorstandschef.

Cryan war zuvor unter anderem Finanzvorstand der Schweizer Großbank UBS.

Marcus Schenck

Bis 2014 arbeitete Schenck für den Energiekonzern Eon und die Investmentbank Goldman Sachs, bevor er als Finanzvorstand zur Deutschen Bank wechselte. Er behielt beim großen Umbau im Herbst 2015 seinen Posten und wurde im März zum Stellvertreter Cryans gewählt. Er leitet nun das Unternehmens- und Investmentbanking.

Christian Sewing

Zweiter stellvertretender Vorstandsvorsitzender ist Christian Sewing. Er sitzt seit Jahresbeginn 2015 im Vorstand. Nachdem er sich zunächst um die zahlreichen Rechtsstreitigkeiten der Bank kümmerte, übernahm er im Sommer 2015 die Leitung des Privatkundengeschäfts und damit auch die Verantwortung für die Postbank. Die Position Sewings wurde weiter gestärkt, weil sein Bereich auch die Betreuung von sehr reichen Kunden übernahm.

James von Moltke

James von Moltke, früher Treasury-Chef der US-Bank Citigroup, ist neuer Chief Financial Officer.

Kim Hammonds

Die langjährige Boeing-Managerin bringt als Technologiechefin die Informationssysteme der Bank auf Vordermann. Sie hatte zunächst als Generalbevollmächtigte begonnen und rückte im August 2016 in den Vorstand.

Stuart Lewis

Der Brite war bereits vor dem großen Umbau im Jahr 2015 Risikovorstand – und ist es geblieben.

Sylvie Matherat

Die Französin war seit gut einem Jahr bei der Bank, bevor sie im Oktober 2015 in den Vorstand einzog. Sie kümmert sich um die Bereiche Regulierung, gute Unternehmensführung und Kampf gegen Finanzkriminalität.

Nicolas Moreau

Der Franzose blickt auf eine mehr als 25-jährige Karriere beim französischen Versicherungskonzern Axa zurück, wo er zuletzt das Frankreich-Geschäft leitete. Zum 1. Oktober 2016: Wechsel in den Vorstand der Deutschen Bank mit der Zuständigkeit für die Vermögensverwaltung (Deutsche Asset Management). Sein Sitz: London.

Garth Ritchie

Der britische Manager leitete vor seiner Bestellung in den Vorstand 2016 das Aktiengeschäft in London. Gemeinsam mit Marcus Schenck verantwortet er den Unternehmensbereich Unternehmens- und Investmentbank.

Karl von Rohr

Der Deutsche übernahm ab Oktober 2015 die Verantwortung für die Rechtsstreitigkeiten und das Personal. Vorher war er für das Management der globalen Regionen der Bank zuständig.

Werner Steinmüller

Der Banker arbeitet seit 1991 für das Institut und führte seit 2004 die Transaktionsbank, die etwa Zahlungsdienstleistungen und Handelsfinanzierungen anbietet.

1. August 2016: Aufstieg zum Vorstand für das Asien-Geschäft mit Sitz in Hongkong.

Die Experten von JP Morgan hatten am Donnerstag für UBS und Credit Suisse jeweils eine Strafe von rund zwei Milliarden Dollar erwartet. Für beide Institute zählen die Fälle am US-Hypothekenmarkt zu den größten noch offenen Rechtsstreitigkeiten. Viele Großbanken hatten dort Hypotheken an mittellose Familien vergeben. Die Risiken wurden anschließend an Investoren weitergereicht – in Form von hochkomplexen Anleihen, die den Banken hohe Gebühren in die Kasse spülten. Als der Markt 2007 kollabierte, erwiesen sich diese Bonds als wertlos. Viele der Käufer fühlten sich über den Tisch gezogen und klagten erfolgreich gegen die Banken.

Sollte auf die beiden Schweizer Großbanken tatsächlich eine Strafe von zwei Milliarden Dollar zukommen, dürften die derzeitigen Rückstellungen nach Einschätzung von Vontobel-Analyst Venditti nicht ausreichen: UBS hatte zum Halbjahr für Hypotheken-Streitigkeiten 988 Millionen Dollar zurückgestellt; konzernweit lagen die Vorsorgen für Rechtsrisiken bei 2,7 Milliarden Franken. Bei Credit Suisse betrugen die Rückstellungen Ende 2015 rund 1,6 Milliarden Franken. Am Freitag wollten sich beide Banken nicht zu den offenen Rechtsfällen äußern.

Von

rtr

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