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03.11.2012

10:10 Uhr

Deutsches Aktieninstitut

Institut will gegen schlechten Ruf der Aktien kämpfen

Viele Deutsche lassen von Aktien lieber die Finger. Mehr Information soll nach dem Willen der Politik das Vertrauen stärken. Die Chefin des Deutschen Aktieninstituts jedoch meint, das schieße bisweilen übers Ziel hinaus.

Christine Bortenlänger will gegen das schlechte Image der Aktie kämpfen. dpa

Christine Bortenlänger will gegen das schlechte Image der Aktie kämpfen.

Frankfurt/BerlinDie Chefin des Deutschen Aktieninstituts, Christine Bortenlänger, führt das schlechte Image der Aktie in Deutschland auch auf falsche politische Weichenstellungen zurück. Bei Verbraucherministerin Ilse Aigner (CSU) will sich Bortenlänger für ein Umdenken stark machen. „Wir wollen uns gemeinsam mit den Sparkassen bei Frau Aigner dafür einsetzen, dass der Wahnsinn mit den Produktinformationsblättern zurückgeführt wird“, sagte Bortenlänger der Nachrichtenagentur dpa in Frankfurt.

„Berater sollen wieder in die Lage versetzt werden, über die Aktie zu beraten. Das geht nicht, wenn für jede einzelne Aktie ein Produktinformationsblatt gefordert wird. Sinnvoller wäre ein Infoblatt für das Produkt Aktie“, sagte die langjährige Chefin der Münchner Börse, die seit 1. September geschäftsführendes Vorstandsmitglied des Aktieninstituts (DAI) in Frankfurt ist. Sparkassen-Präsident Georg Fahrenschon hatte erklärt, er wolle sich für eine „gesunde, kluge Aktienkultur“ in Deutschland einsetzen.

Ein Sprecher des Ministeriums entgegnete: „Es ist ein Irrtum zu glauben, weniger Information führe zu mehr Vertrauen. Die Verbraucher haben einen Anspruch auf volle Transparenz. Deshalb ist es wichtig und richtig, dass es die Produktinformationen gibt.“

Seit gut einem Jahr sind die Beipackzettel Pflicht, die Funktionsweise, Risiken und Kosten von Finanzprodukten kompakt zusammenfassen. Nachbesserungsbedarf sieht auch Ministerium: Zu viele der Infoblätter seien nicht so verständlich und vergleichbar wie verlangt. In einem gemeinsamen Arbeitskreis wird nun nachgebessert.

Dass Aktien für viele Deutsche ein rotes Tuch und Börsen als Zockermärkte verschrien sind, erklärt Bortenlänger zudem mit fehlender Aufklärung über Finanzthemen: „Wir haben das in Deutschland nie richtig gelernt. Oft fehlt schon die Basis, wie man mit Geld umgeht. Ökonomische Bildung sollte in der Grundschule beginnen.“

Die 45-Jährige, die sich schon als Jugendliche für das Geschehen auf dem Börsenparkett begeistern ließ, wirbt: „Wer einen Siemens-Kühlschrank kauft, Apple-Produkte mag oder gerne BMW fährt, kann guten Gewissens auch Geld in solche Unternehmen investieren.“ Langfristig gesehen schlage die Aktie die meisten anderen Anlageformen: „Die Aktie ist in einer Niedrigzinsphase, wie wir sie aktuell erleben, das einzige Papier, das mindestens Vermögenserhalt und zusätzlich Rendite verspricht.“

Die Euro-Schuldenkrise trieb viele Anleger in Deutschland zurück in Aktien als Sachwerte: Im ersten Halbjahr 2012 steckten nach Zahlen des DAI durchschnittlich 10,2 Millionen Anleger Geld in Aktien und/ oder Aktienfonds. Das waren 1,9 Millionen mehr als ein Jahr zuvor und 1,5 Millionen mehr als Ende 2011. Ein stärkeres Plus gab es zuletzt im Jahr 2000, als die vermeintliche „Volksaktie“ Telekom die Massen lockte. Weit entfernt sind jedoch weiterhin sowohl die deutschen Aktionärszahlen zu Zeiten des Börsenbooms 2001 (fast 13 Millionen) als auch die Aktionärsquoten angelsächsischer Länder.

Von

dpa

Kommentare (10)

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Stula

03.11.2012, 11:02 Uhr

" Oft fehlt schon die Basis, wie man mit Geld umgeht. Ökonomische Bildung sollte in der Grundschule beginnen.“

Das ist doch anscheidend so gewollt. Haben die Leute kein Geld, sich unnütze Dinge zu holen, sollen sie doch dafür einen Kredit aufnehmen.

„Wer einen Siemens-Kühlschrank kauft, Apple-Produkte mag oder gerne BMW fährt, kann guten Gewissens auch Geld in solche Unternehmen investieren.“ Da macht man es sich aber wieder ganz einfach. Das Thema Aktien lernt man nicht mal beiläufig in 2 Wochen in der Schule, sondern erst wenn man mit eigenem Geld investiert ist und der Kurs mal um 10% absackt. Das nennt man in Fachkreisen auch Erfahrung. Diese kann kein Informationsblatt und kein Ein-Stunden-Gespräch bei der Bank ersetzen. Bei manchen von den Analysten anvisierten Mondkursen frage ich mich ohnehin, ob man bewusst auf Dummfang gehen will.

Account gelöscht!

03.11.2012, 11:28 Uhr

Mir wurde in der Schule erzählt, dass die Geldschöpfung beim Staat liegt - doch das gilt nur für das Umlaufgeld. Die eigentliche Geldschöpfung liegt bei den privaten Banken durch Vergabe von Krediten.
Mir wurde in der Schule auch nichts von den Lobbyisten-Büro um den Bundestag oder die lukrativen Nebenjobs der Politiker erzählt.

Eigentlich müsste bei jeder Politikerrede "Werbesendung" eingeblendet werden, denn sie bekommen Geld von Unternehmen um für diese zu werben.

Auch Zeitungsartikel im Sinne der Lobby sind nichts anderes als Werbung und müssen als solche gekennzeichnet werden.

Account gelöscht!

03.11.2012, 11:53 Uhr

Jedes Finanzprodukt, auch eine Aktie, ist eine Kombination aus Wert und Risiko. Ich habe mich immer gefragt, warum wir uns auf den Anteil "Wert" geeinigt haben und stets von "Wertpapier" sprechen. Genausogut könnte man auch von "Risikopapier" sprechen. Oder noch besser: Die Finanzindustrie gibt uns exakt für jedes "Wertpapier" an, wie es sich mit den beiden Anteilen Wert und Risiko verhält - und Frau Bortenlänger haftet für die Angaben.

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