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14.01.2004

07:00 Uhr

Die Chancen für Automobilzulieferer stehen nicht schlecht – Übernahmephantasie könnte die Kurse antreiben

Zulieferer versprechen weitere Gewinne

VonPatrick Mönnighoff

Die Automobilzulieferer stehen unter Druck. Fast schon traditionell zum Jahreswechsel fordern die Autohersteller Preisnachlässe bis zu 20 Prozent. Die Aktien der meisten Zulieferer konnte das jedoch kaum beeindrucken. Denn auch das neue Jahr verspricht für die Branche viel Gutes.

DÜSSELDORF. Die geforderten Rabatte sind alles andere als neu – zumindest seit der einstige Opel- und Volkswagen-Einkaufschefs José Ignacio López durch den starken Druck auf die Preise beiden Konzernen Qualitätsprobleme einhandelte. „Derart extreme Nachlässe werden aber nicht mehr gefordert, das Hickhack um die Preise gehört einfach zum Spiel“, sagt Jens Jung von Independent Research.

Er rät daher, solche Nachrichten nicht überzubewerten. Viel entscheidender sei, dass die Zulieferer immer vielschichtigere Aufgaben übernehmen werden. „Die Hersteller konzentrieren sich auf besonders wichtige Bauteile und das Kerngeschäft – die Markenpflege, Imagekampagnen und den Vertrieb“, sagt Stilian Boiadjiev von der Landesbank Baden-Württemberg. Unterdessen würden im Hintergrund Leoni, Continental und Co. für einen Großteil der Produktion zuständig sein.

Dass so die Arbeitsteilung der Zukunft aussehe, meint auch die Unternehmensberatung Mercer. Laut einer gemeinsam mit dem Fraunhofer-Institut durchgeführten Untersuchung sollen bis 2015 Zulieferer etwa 80 Prozent der Entwicklung und Produktion für die Hersteller übernehmen. Allein 1,2 Mill. neue Arbeitsplätze könnten dadurch in Europa entstehen. Denn die Gewinner dieser Entwicklung werden laut der Studie vor allem die deutschen Zuliefer-Unternehmen sein, die schon jetzt dank der hier ansässigen Premium-Hersteller wie BMW, Mercedes oder Porsche gut positioniert sind.

Das alles spricht für die Aktien der Konzerne. Allerdings würde die Unternehmen damit aber vor Aufgaben stehen, die viele von ihnen in ihrer derzeitigen Form kaum erfüllen könnten, gibt Boiadjiev zu bedenken. „Die Branche ist geprägt von kleinen, mittelständischen Firmen“, erklärt Jung. Die allein könnten aber nicht die Produktion größerer Komponenten oder ganzer Modellreihen stemmen. „Fusionen oder Übernahmen werden daher immer wahrscheinlicher“, sagt der Analyst. „Auch wenn jetzt noch niemand eine genau Prognose darüber abgeben kann, welche Unternehmen betroffen sein werden, wird das die Aktienkurse in den nächsten Jahren mit Sicherheit noch einmal kräftig durcheinander wirbeln“, bestätigt Boiadjiev.

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