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17.10.2012

11:51 Uhr

Die „Contrarian“-Strategie

Kaufen Sie Aktien, die keiner haben will

VonJörg Hackhausen

Sind Aktien derzeit teuer oder nicht? Diese Frage ist alles andere als leicht zu beantworten, so viel steht fest. Zum Glück gibt es aber die Analysten - den vermutlich besten Kontraindikator an der Börse.

Börsenhändler: Von überbordender Euphorie kann noch keine Rede sein. dpa

Börsenhändler: Von überbordender Euphorie kann noch keine Rede sein.

DüsseldorfDie größte Gefahr an der Börse ist, wenn alle sich einig sind, dass die Kurse steigen. Meistens kommt es dann anders. Umgekehrt ist oft die beste Zeit, zu kaufen, wenn niemand sonst Aktien haben will. Warren Buffett ist mit diesem Prinzip zum Milliardär geworden. Er ist ein klassischer „Contrarian“, der bewusst das Gegenteil dessen tut, was die Masse macht.

Die Logik dahinter: Wenn alle gekauft haben, dann gehen dem Markt die Käufer aus. Und wo keine Käufer sind, da gibt auch keine steigenden Kurse mehr. In diesem Moment – meist ist die Euphorie gerade am größten - kippt der Markt. Auf einmal kann es den Anlegern nicht schnell genug gehen, Aktien wieder loszuwerden. Sie verkaufen auf Teufel komm raus. Ein klassischer Schweinzyklus. Erst wenn die Kurse soweit gefallen sind, dass keiner mehr verkaufen will, endet der Kursrutsch. Das Spielchen beginnt von neuem – es ist so alt wie die Börse.

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Die Krise als Chance: Wer mutig ist und Verluste aushalten kann, kann einen Blick auf Aktien werfen, die in Ungnade gefallen sind. Nicht alle sind so schlecht, wie die Börsianer denken. Eine Übersicht.

Die Ursachen liegen in der menschlichen Psyche. Der Mensch ist ein Herdentier, er folgt gerne seinen Artgenossen. Der Weg des geringsten Widerstandes – so scheint es. Sich bewusst dagegen zu stellen, erfordert Mut und Willensstärke; erst recht, wenn die Entwicklung zunächst noch gegen einen läuft.

In der Theorie klingt das alles ganz einfach, ein Blick auf die aktuelle Lage ergibt dagegen eher ein diffuses Bild. Der Deutsche Aktienindex hat in diesem Jahr um 20 Prozent zugelegt. Das allein macht manchen misstrauisch. Hat der Dax nach diesem Anstieg noch Luft? Gemessen an den Gewinnen der Unternehmen ist der Markt fair bewertet.

Diese "Turnaorund"-Wetten haben funktioniert

Wette 1

Pro Sieben Sat 1. galt Anfang 2009 als sicherer Pleitekandidat. Zu hoch verschuldet, keine Wachstumsperspektiven. Die Aktie rutschte auf 0,90 Euro ab. Mittlerweile, rund drei Jahre später, kosten die Papiere wieder mehr als 18 Euro. Zeitweise notierte die Aktie sogar bei mehr als 25 Euro.

Aktien-Tiefstkurs (5 Jahre): 0,90 Euro

Aktienkurs heute: 18 Euro

Wette 2

Hugo Boss hat eine ganz ähnliche Geschichte wie Pro Sieben Sat 1. Bei beiden Unternehmen stieg einst Finanzinvestor Permira ein. Den Kaufpreis durften die MDax-Konzerne freundlicherweise selbst bezahlen, die Schuldenquote stieg. Während der Finanzkrise mieden Investoren Aktien von Unternehmen, die hoch verschuldet waren, auch Hugo Boss. Doch der Modekonzern zahlt seine Schulden pünktlich zurück. Mehr noch: er verdient prächtig.

Aktien-Tiefstkurs (5 Jahre): 8,82 Euro

Aktienkurs heute: 74 Euro

Wette 3

SAF Holland galt lange Zeit als sicherer Pleitekandidat. Die Banken wollten keine Kredite mehr locker machen, der Schuldenstand wuchs. Doch der LKW-Zulieferer hat die Krise überstanden, die Produkte von SAF sind gefragt.

Aktien-Tiefstkurs (5 Jahre): 0,35 Euro

Aktienkurs heute: 4,60 Euro

Wette 4

Infineon galt einst als die heißeste Wette im Dax. Monatelang bangten die Anleger 2008 und 2009 um den Chiphersteller. Wegen der Finanz- Und Wirtschaftskrise verbrannte Infineon das Geld in Windeseile. Wer damals an das Unternehmen glaubte, wurde reich belohnt.

Aktien-Tiefstkurs (5 Jahre): 0,39 Euro

Aktienkurs heute: 5,50 Euro

Wette 5

Continental wurde voll von der Finanzkrise, die zu einer Krise der Autoindustrie wurde, erwischt. Banken taten sich bei der Finanzierung schwer, der Aktienkurs rutschte. Schnäppchenjäger griffen zu.

Aktien-Tiefstkurs (5 Jahre): 10,99 Euro

Aktienkurs heute: 80 Euro

Wette 6

Villeroy & Boch ist in den vergangenen Jahren in die Schlagzeilen geraten. Der Hersteller von Badezimmer-Ausstattungen musste eine Millionenstrafe wegen Preisabsprachen bezahlen, der Aktienkurs rutschte in der Folge ab. Wer einstieg, hat alles richtig gemacht

Aktien-Tiefstkurs (5 Jahre): 3,10 Euro

Aktienkurs heute: 7,50 Euro

Und von überbordender Euphorie kann noch keine Rede sein. Die Investoren sind auf der Hut. Sie fürchten, dass die Schuldenkrise in Europa und den USA wieder zuschlagen wird. Die großen Versicherer etwa, die oft die Letzten sind, die noch einsteigen, interessieren sich bis jetzt kaum für Aktien. Das könnte sich ändern, wenn sie feststellen, dass festverzinsliche Papiere nicht mehr ausreichen, um auf Rendite zu kommen. Unter dem Strich spricht vieles dafür, dass der Dax seine Höchststände noch nicht gesehen hat, auch wenn ein guter Teil der Rally schon gelaufen ist.

Kommentare (13)

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FJunge

17.10.2012, 12:24 Uhr

Ich soll also Aktien kaufen, von denen die Analysten nichts halten. Wieso werden diese sogenannten "Profies" dann so teuer bezahlt, wenn es doch richtiger ist, genau das Gegenteil zu machen? Die einfachsten Strategien sind immer noch die besten. Höre nie auf die "Profies", die den todsicheren Tipp haben oder gar Sicherheit, Rendite und jederzeitige Verfügbarkeit auf einmal garantieren!!!

Zockertraene

17.10.2012, 12:57 Uhr

Noch ne Aktie die keiner haben will; Alcatel-Lucent!
Wenn Sie mal richtig Angst spüren wollen; hier bitte sehr!!!

Omaha

17.10.2012, 14:29 Uhr

"Die Buffett-Strategie".

Einen großen Namen hingeworfen, dazu ein paar flache Zeilen, die offenbaren, dass der Autor sich noch nicht einmal oberflächlich mit Buffetts Strategie beschäftigt hat, dann noch ein paar Platitüden, und fertig ist der Handelsblatt-Artikel.

Einfach peinlich.

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