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26.01.2010

10:08 Uhr

Drillisch

Übernahmegerüchte treiben den Kurs hoch

VonLaura de la Motte

Die Mobilfunkfirma Drillisch könnte von Freenet übernommen werden. Konkrete Verhandlungen wurden zwar dementiert – aber die Gerüchte reichen, um den Kurs nach oben zu treiben.

Grün ist die Hoffnung: Die Aussicht auf eine Übernahme durch Freenet lässt die Drillisch-Aktie steigen. Reuters

Grün ist die Hoffnung: Die Aussicht auf eine Übernahme durch Freenet lässt die Drillisch-Aktie steigen.

FRANKFURT. Die Übernahmegerüchte tun der Mobilfunkfirma Drillisch gut. Nach einem jüngst erschienenen Interview von Freenet-Chef Christoph Vilanek wird spekuliert, Freenet könnte den kleineren Konkurrenten übernehmen. Konkrete Verhandlungen wurden zwar vorerst dementiert, Analysten halten eine Übernahme trotzdem bald für möglich. Das gibt der Aktie Auftrieb.

Drillisch ist neben Freenet der einzige freie Mobilfunk-Anbieter. Die Firma vertreibt spezielle Tarife für die großen Netzbetreiber und bietet eigene Discount-Produkte auf Vertrags- und Prepaid-Basis – darunter etwa die Marken Simply, „Ja Mobil“ und „Penny Mobil“.

Mit der Übernahme würde Freenet den Spieß umdrehen: Vor gut zwei Jahren wollte Drillisch gemeinsam mit United Internet Freenet übernehmen und zerschlagen. Freenet rettete sich damals mit dem Kauf von Debitel.

Die Maintaler halten seitdem 15,9 Millionen Freenet-Aktien. 2008 belastete die Beteiligung die Konzernbilanz erheblich. Damals musste Drillisch über 200 Mio. Euro aus den Freenet-Aktien abschreiben und einen Jahresverlust von 184 Mio. Euro ausweisen. Die Drillisch-Aktie sank auf Rekordtief. 2009 dagegen profitierte Drillisch von seinen Freenet-Aktien – und von seinem stabilen operativen Geschäft. Die Drillisch-Papiere verfünffachten ihren Wert auf knapp 4,70 Euro.

Profiteur vom Discount-Boom

Während die Branche unter wachsendem Preisdruck und dem Rückgang der Neukunden leidet, erwartet Drillisch auch für 2009 einen Zuwachs beim Gewinn vor Steuern, Zinsen und Abschreibungen (Ebitda) und überrascht damit selbst Analysten. Nach 40,6 Mio. Euro im Vorjahr rechnet der Anbieter 2009 mit einem Ebitda von 43 Mio. Euro. Fast die Hälfte der Einnahmen kommt aus dem Discount-Geschäft. Hier verzeichnete Drillisch 14 Prozent mehr Vertragskunden – insbesondere für das mobile Internet. Weil Drillisch seine Produkte über Kooperationen und das Internet vertreibt, ist das Geschäft trotz niedrigster Preise profitabel.

Im Moment macht die Discount-Sparte in Deutschland elf Prozent des gesamten Mobilfunkmarktes aus. Jochen Reichert von SES Research rechnet damit, dass der Anteil in den kommenden Jahren auf 20 Prozent steigt. Davon werde Drillisch profitieren.

Auch eine Freenet-Übernahme hält Reichert weiterhin für möglich und lohnenswert. Beide Unternehmen kaufen bisher Mobilfunkminuten bei den Netzbetreibern ein. Die Synergieeffekte – etwa durch bessere Einkaufskonditionen – schätzt Reichert auf 20 Mio. Euro. Diese Aussichten dürften den Kurs beflügeln. „Mögliche Übernahme-Spekulationen sollten im zweiten Halbjahr 2010 als zusätzlicher Katalysator für die Aktie dienen“, schreibt Reichert in einer Studie. Er setzt das Kursziel auf 6,10 Euro und gibt eine Kaufempfehlung. Heike Pauls von der Commerzbank ist dagegen skeptischer. Bei einem Kursziel von 4,80 Euro empfiehlt sie „halten“.

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