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10.06.2011

13:33 Uhr

Drohende Pleite

Pfleiderer-Anleger rüsten für die Entscheidungsschlacht

VonRalf Drescher, Jörg Hackhausen

Dem Holzkonzern Pfleiderer droht die Pleite. Nur wenn die Gläubiger auf ihre Forderungen verzichten, scheint eine Rettung möglich. Doch die Beteiligten sind heillos zerstritten. Es kommt zum Showdown.

Mitarbeiter bei Pfleiderer: Auf der Gläubigerversammlung geht es heiß her. Quelle: dpa

Mitarbeiter bei Pfleiderer: Auf der Gläubigerversammlung geht es heiß her.

DüsseldorfFür Pfleiderer geht es um alles: Am 20. Juni sollen die Anleihegläubiger des Holzverarbeiters die Restrukturierungspläne abnicken. Andernfalls droht die Pleite. Doch Anlegerschützer machen mobil, sie werfen Pfleiderer und den Hedge-Fonds, die künftig die Macht übernehmen wollen, ein falsches Spiel vor. Die Aktie fällt derweil immer weiter. Am Donnerstag stürzte sie in der Spitze um 20 Prozent auf 40 Cent ab. Und damit ist sie immer noch viel zu teuer, sagen Analysten.

Das Unternehmen aus dem bayerischen Neumarkt verlangt seinen Anlegern viel ab. Das Unternehmen plant einen drastischen Kapitalschnitt und eine anschließende Kapitalerhöhung. Altaktionäre werden dadurch den Großteil ihres Geldes verlieren. Auch Gläubiger müssen einen schmerzhaften Beitrag leisten: Kreditgeber sollen auf Forderungen von 380 Millionen Euro verzichten, die Inhaber von Hybridanleihen im Wert von weiteren 340 Millionen Euro sollen ihre Papiere mit deutlichen Einbußen in neue Aktien tauschen. Für Pfleiderer hat das den Charme, dass die erdrückende Zinsbelastung deutlich sinkt.

Pfleiderer war in den vergangenen Jahren durch eine überehrgeizige Expansion die Schieflage geraten. Vorstandschef Hans Overdiek hatte vor Ausbruch der Wirtschafts- und Finanzkrise mehrere Spanplattenfabriken sowie den Laminathersteller Pergo gekauft und dafür die Verschuldung massiv ausgedehnt. Doch der Einbruch der Weltkonjunktur, insbesondere die Turbulenzen am amerikanischen Immobilienmarkt, durchkreuzten Overdieks Pläne. Statt zur blühenden Welt-AG entwickelte sich das Unternehmen zu einem Schuldenkoloss, der jahrelang Verluste einfuhr.

Für 2010 hat das Unternehmen am heutigen Freitag Zahlen vorgelegt, die allerdings noch nicht endgültig durch einen Wirtschaftsprüfer abgesegnet worden sind. In der Mitteilung hieß es, die Nettoverschuldung sei zum Stichtag 31.Dezember 2010 stieg auf 960 Millionen Euro gestiegen.

Nach eigenen Angaben erwirtschaftete das Unternehmen 2010 vor Zinsen, Steuern und Abschreibungen ein Ergebnis von 92 Millionen Euro. Aber aufgrund von Wertberichtigungen und Restrukturierungskosten steht unter dem Strich ein Minus von 583 Millionen Euro.

„Pfleiderer muss die Finanzverbindlichkeiten und damit die Zinszahlungen drastisch reduzieren, eine Alternative gibt es nicht. Ohne Schuldenschnitt und Kapitalerhöhung ist das Unternehmen faktisch insolvent“, sagt Stefan Röhle, Analyst bei Independent Research.

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