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20.09.2011

09:06 Uhr

Düstere Aussichten

Solaraktien im freien Fall

VonJörg Hackhausen

Nach der Atom-Katastrophe in Fukushima galt als ausgemacht: Solarfirmen gehört die Zukunft. Ein halbes Jahr später ist die Enttäuschung groß. Für Anleger sind Solaraktien der reinste Horror. Was ist nur schief gelaufen?

Gute Nacht, Solarbranche. Viele Firmen kämpfen um's Überleben. dapd

Gute Nacht, Solarbranche. Viele Firmen kämpfen um's Überleben.

DüsseldorfAls am 12. März 2011 ein Reaktor im japanischen AKW Fukushima explodiert, reagiert die Börse schnell: Die Anleger werfen Aktien der Atomkonzerne aus den Depots. Stattdessen stürzen sie sich auf Solarfirmen. Der Energie aus der Sonne gehöre die Zukunft. Die Atomkraft sei ein Auslaufmodell, heißt es.

Ein halbes Jahr ist seitdem vergangen. Von der lautstark geforderten Energiewende spricht kaum noch einer. Griechenland-Pleite und drohender Euro-Crash bestimmen die Schlagzeilen. Und für Solaraktien geht es seit Wochen nur noch abwärts.

Gekniffen sind die Anleger, die damals wirklich geglaubt haben, die Solarbranche stehe vor einer glänzenden Zukunft. Für Aktien von Solarworld haben sie Ende März noch knapp zwölf Euro bezahlt, jetzt sind die Papiere gerade mal vier Euro wert – ein Verlust von fast 70 Prozent. Ähnlich erging es den Anteilseignern von SMA Solar, Phoenix Solar oder Centrotherm. Dagegen sieht der Kursrutsch im Dax fast noch erträglich aus – der deutsche Leitindex hat im selben Zeitraum 25 Prozent verloren.

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Dabei sind die Probleme der deutschen Solarbranche nicht neu. Zu lange haben sich die Konzerne darauf verlassen, dass die Geschäfte dank üppiger Subventionen von selbst laufen. Das hat sie träge werden lassen. Investitionen in Forschung und Entwicklung blieben aus – eine Einladung für chinesische Firmen wie Yingli Solar oder Suntech. Die Konkurrenz aus Fernost hat ihre Marktanteile nach und nach ausgebaut.

Weltweit geht fast die Hälfte des Umsatzes auf das Konto von Chinesen, die deutschen Unternehmen kommen auf etwa 20 Prozent. Vor wenigen Jahren war es noch genau umgekehrt. Die Qualität, wegen derer die Chinesen anfangs noch belächelt wurden, kann sich mittlerweile sehen lassen. Auch auf deutschen Dächern werden immer mehr Solarmodule aus China verbaut. So hilft die staatliche Förderung für Solaranlagen mehr und mehr den Chinesen.

Inzwischen hat die Branche erkannt, was die Stunde geschlagen hat. „Einige Unternehmen haben vielleicht verkannt, dass es internationalen Wettbewerb gibt. Sie haben sich nur auf staatliche Anreize verlassen“, sagte Frank Asbeck, Chef von Solarworld, in einem Interview mit der Zeitschrift Capital. Gleichzeitig kritisiert er die Konkurrenz aus Fernost. „In unserer Branche gibt es keinen fairen Wettbewerb. Die Chinesen haben einen Industriekrieg begonnen. Zentralstaat und Provinzen haben Solarunternehmen allein 2011 Kreditzusagen über 21 Milliarden Euro gegeben, zu Zinsen von unter zwei Prozent“. Mit diesem Geld würden die Konzerne in China „massiv Kapazitäten ausbauen und ihre Produkte zu Dumping-Preisen von teilweise bis zu 30 Prozent unter den Herstellungskosten anbieten“.

Natürlich ist es ein ungleicher Wettbewerb. Die chinesischen Firmen können spottbillig produzieren, auch weil sie sich wenig Gedanken über Umweltauflagen machen müssen. Eine Solarfirma im Osten Chinas ist aktuell in die Kritik geraten. Sie soll giftige Chemikalien in einen Fluss entsorgt und damit einen ganzen Landstrich verpestet haben. Weil die Behörden zunächst nicht eingriffen, setzten sich wütende Dorfbewohner selbst zur Wehr, wie die Nachrichtenagentur AP berichtet. Einige von ihnen stürmten das Fabrikgelände, stürzten Fahrzeuge um und verwüsteten Büros. Die Fabrik wird jetzt erst einmal dicht gemacht.

Kommentare (8)

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Account gelöscht!

20.09.2011, 09:19 Uhr

Auch chinesische Solarplayer wie Jingli mit einem KGV von 2 für 2011, und einem erwarteten KGV von 4,25 werden zur Zeit
verkauft und vor allem geshortet. China hat gerade erst die Einführung von Subventionen in ihrem aktuellen 5 Jahresplan verabschiedet. Der Niedergang der Aktienkurse im Solarbereich hat was mit Manipulation zu tun.

Hans

20.09.2011, 10:33 Uhr

In China wird Standesgemäß lustig drauf los Produktionskapazität aufgebaut. Ob es für die Kapazitäten auch Nachfrage gibt, interessiert den Chinesen erst, wenn die Anlagen stehen. In Ostdeutschland hat das auch keinen Interessiert. Die Baukosten hat der Staat praktisch bezahlt. Obwohl hier Kapazität still steht, investieren Deutsche Solarunternehmen Millionen in Malaysia, um Produktionskapazität für den Deutschen Markt dort aufzubauen. Wenn der € mal auf Dollarparität zusteuert, wird sich die Produktion dummerweise in Malaysia und China mächtig verteuern. Ob sich das hinterher noch Rechnet???

SteuerKlasseEins

20.09.2011, 14:15 Uhr

Nach der sogenannten "Atom-Katastrophe" - was unglaublich schwerwiegend und unglaublich schlimm klingt - ist in Fukushima absolut niemand an Strahlung gestorben oder erkrankt, während in Deutschland Hunderte von ihren Dächern gefallen sind beim Versuch die Solaranlage zu reinigen. Einziges Problem: Im neuen "grünen Gleichschritt" aller großen Volksparteien, inklusive der (damit jetzt inakzeptablen) FDP, geht das alles unter und wir marschieren in die totale Abhängigkeit vom Erdgas, das wir selber doch auch garnicht haben. Und wer soll das alles bezahlen? Na der deutsche Steuerzahler, denn der hat ja nach Krankenkassen-Beiträgen, Lohnsteuer, Sozialabgaben, dem sog. "Arbeitgeber-Anteil am Sozialversicherungsbeitrag" (wird wirklich längst vom Arbeitnehmer getragen), der Benzinsteuer, der Ökosteuer, der Mehrwertsteuer... nach all diesen Steuern hat der Deutsche ja immer noch c.a. 30% seines Gehaltes übrig, und das darf nicht sein, das muß "ob er will oder nicht" in Solaranlagen "investiert" werden, weil Frau Merkel und Herr Schäuble es so wollen. Das ist Demokratie!

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