Handelsblatt

MenüZurück
Wird geladen.

22.11.2011

12:11 Uhr

DWS-Fondsmanager Schüssler

„Hohe Dividendenrenditen sind ein Warnsignal“

VonUlf Sommer

Üppige Dividenden sind nicht immer ein Erfolgsmodell, sagt Thomas Schüssler, der für die Fondsgesellschaft DWS den Dividendenfonds managt. Denn in schwachen Zeiten seien Kürzungen programmiert.

Thomas Schüssler ist Fondsmanager bei der DWS. Christof Mattes/WirtschaftsWoche

Thomas Schüssler ist Fondsmanager bei der DWS.

Herr Schüssler, gibt es Regeln, wie viel Dividende ein Unternehmen auszahlen sollte?

Gereifte Unternehmen, etwa große Tabakkonzerne, können durchaus 80 Prozent ihres Gewinns weitergeben. Konjunkturempfindliche Firmen hingegen sollten das nicht tun. Denn sonst sind in schwachen Zeiten Kürzungen programmiert. Diese Firmen sollten im Schnitt nicht mehr als 30 bis 40 Prozent ihres Nettogewinns ausschütten - in guten Zeiten unter 30 Prozent. Das schafft einen Puffer für schlechte Zeiten.

In den vergangenen Jahren waren dividendenstarke Aktien kein Erfolgsmodell, wie der Absturz der Bankaktien gezeigt hat.

Noch 2007 zählten Banken zum dividendenstärksten Sektor. Die Finanzinstitute zahlten fast 40 Prozent aller Dividenden. Der Absturz der durchaus nicht überbewerteten Bankaktien war ein extrem seltener Vorgang, weil normalerweise überbewertete Aktien mit geringen Dividenden in einer Krise einbrechen - so wie in der Technologieblase nach 2000.

Wie prüfen Sie, ob eine Firma künftig stabile Dividenden ausschütten wird?

Wir schauen zuerst auf die Dividendenkontinuität. Das allein reicht aber nicht, wie wir bei den Banken gesehen haben. Wichtig ist deshalb das gesamte Umfeld, also Fragen wie die Wettbewerbssituation, die Ertragsaussichten und das Geschäftsmodell.

Ist für Sie die Dividendenrendite eine gute Kennzahl, um dividendenstarke Aktien zu finden?

Nur in sehr beschränktem Maße. Es ist sogar eine schlechte Idee, Aktien mit besonders hohen Dividendenrenditen zu kaufen. Denn diese zeigen oft einen vorangegangenen Kursverfall an und deuten auf ein tiefes Misstrauen der Börse gegenüber der künftigen Dividende. Meistens behielten die Märkte mit ihrem Misstrauen recht. Dividendenrenditen von zehn Prozent und mehr sind ein Warnsignal, dass die Firmen ihre Dividenden kürzen müssen, wie zuletzt die beiden Versorger Eon und RWE gezeigt haben.

Würden Sie als Privatanleger Aktien von Unternehmen kaufen, die keine Dividende ausschütten?

Eher nicht. Dividenden sind ein wesentliches Qualitätsmerkmal. Ich habe kein Verständnis für Unternehmen, die lange am Markt sind, aber keine Dividende ausschütten. Nur sehr junge Unternehmen dürfen und sollen es sich leisten, keine Dividenden zu zahlen. Solche Aktien können trotzdem interessant sein.

Thomas Schüssler managt für Deutschlands größte Fondsgesellschaft DWS den 6,5 Milliarden Euro schweren Dividendenfonds.

Direkt vom Startbildschirm zu Handelsblatt.com

Auf tippen, dann auf „Zum Home-Bildschirm“ hinzufügen.

Auf tippen, dann „Zum Startbildschirm“ hinzufügen.

×