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08.12.2015

13:12 Uhr

EDF-Aktie

Frankreichs Stromgigant nur noch zweitklassig

VonThomas Hanke

Harte Zeiten für Europas größtes Energieversorgungsunternehmen: Seit Jahresanfang verlor EDF mehr als 40 Prozent an Börsenwert, nun fliegt das Unternehmen aus dem französischen Leitindex CAC 40.

Hat genug zu tun mit immens gestiegenen Kosten für einen Reaktorneubau an der Kanalküste. Reuters

EDF-Vorstandschef Jean-Bernard Lévy

Hat genug zu tun mit immens gestiegenen Kosten für einen Reaktorneubau an der Kanalküste.

ParisEine Blamage für den größten Versorger Europas: Frankreichs Börse wirft EDF aus dem Leitindex CAC 40. Der wissenschaftliche Ausschuss von Euronext, der regelmäßig  jedes Vierteljahr die Zusammensetzung der wichtigsten Indizes überprüft, traf am Montagabend die Entscheidung. Sie ergibt sich aus der Anwendung der regulären Kriterien, deren wichtigste die Börsenkapitalisierung und das Handelsvolumen sind. EDF wird zum Verhängnis, dass der free float nur sehr gering ist, 84,5 Prozent der Aktien sind in den Händen des Staates. Da der Aktienkurs von EDF seit Anfang des Jahres um mehr als 41 Prozent gefallen ist, musste sich irgendwann die Falle schließen: Der Stromgigant wurde börsentechnisch zum Leichtgewicht – und muss nun zum 21. Dezember der auf Einkaufszentren spezialisierten Investmentgesellschaft Klépierre weichen.

Unangenehm für EDF ist, dass die Entscheidung mitten während der Klimakonferenz COP21 in Paris fällt. Denn die wollte der Versorger nutzen, um sich vor der Weltöffentlichkeit als Unternehmen dazustellen, das sich stark für erneuerbare Energien engagiert. Am vergangenen Donnerstag wurde der Bau eines neuen Windparks in den USA bekannt gegeben, am heutigen Dienstag teilte der Konzern mit, dass er einen dritten Windpark in Südafrika aufbaut. Damit wird die Kapazität seiner Windanlagen dort auf 100 Megawatt steigen, das ist immerhin ungefähr ein Zehntel eines modernen Atomkraftwerks.

Die größten Energieversorger der Welt

Platz 10

Den zehnten Platz belegt ein Energieversorger aus Südkorea: Korea Electric Power kam im April 2016 auf einen Marktwert von 33,1 Milliarden US-Dollar.

Quellen: Bloomberg; Factset; Forbes

Platz 9

Den neunten Platz belegt GDF Suez. Das französische Unternehmen hatte im April 2016 einen Marktwert von 39 Milliarden US-Dollar. Ein Jahr zuvor waren es noch 49,5 Milliarden Dollar gewesen.

Platz 8

hiAuf dem achten Platz befindet sich chinesische Energieversorger China Yangtze Power. Im April 2016 war der Konzern 41,8 Milliarden US-Dollar wert.

Platz 7

Dominion Resources auf dem siebten Platz der weltgrößten Energieversorger stammt aus den USA und hat einen Markt von 43,2 Milliarden US-Dollar.

Platz 6

Den sechsten Platz belegt ein Versorger aus Spanien: Iberdrola hat einen Marktwert von 44,1 Milliarden US-Dollar.

Platz 5

Der fünftgrößte Energieversorger stammt aus Spanien. Enel kam im April 2016 auf einen Marktwert von 44,6 Milliarden US-Dollar.

Platz 4

Auf dem vierten Platz befindet sich ein Unternehmen aus den USA: Southern Co. Der Versorger hatte im April 2016 einen Marktwert von 45,3 Milliarden US-Dollar.

Platz 3

Der drittgrößte Energieversorger der Welt kommt aus dem Vereinigten Königreich. National Grid hatte im April 2016 einen Marktwert von 51,4 Milliarden US-Dollar.

Platz 2

Auf dem zweiten Platz befindet sich ein amerikanisches Unternehmen: Nextra Energy. Der Wert des Energieversorgers beträgt 52,8 Milliarden US-Dollar.

Platz 1

Das US-amerikanische Unternehmen Duke Energy ist nach Marktwert wie schon 2015 der weltweit größte Energieversorger. Im April 2016 betrug sein Wert 53,1 Milliarden US-Dollar. 2,3 Milliarden Dollar weniger als im Vorjahr.

Die Atomkraft und ihre komplexen Verästelungen in Frankreich aber sind es, die letzten Endes zum Rauswurf von EDF aus dem CAC 40 geführt haben. Seit dem Frühjahr drängte der Staat darauf, dass EDF einen großen Teil der Aktivitäten des faktisch von der Pleite bedrohten AKW- und Brennstoffherstellers Areva übernehmen solle.

EDF-Chef Jean-Bernard Lévy aber wollte sich dieses Problem nicht auch noch ans Bein binden, er hat bereits genug zu tun mit dem Desaster eines Reaktorneubaus in Flamanville an der Kanalküste. Der Staat aber ließ nicht nach, und so wurde im Juli eine erste Einigung erzielt. Im Oktober bestätigte Lévy, dass EDF „gegen Ende nächsten Jahres“ die Areva-Aktivitäten für den Reaktorbau für 2,7 Milliarden Euro übernehmen würde – Geld, das EDF dringend braucht für die anstehende Generalüberholung seines alternden Kraftwerksparks. Der wenig sanfte Druck des Staates auf EDF und die damit einhergehenden finanziellen Belastungen sind die wichtigste Erklärung für die Flucht vieler Anleger aus der Aktie und den sackenden Börsenkurs.

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EDF reagierte am Dienstagvormittag mit einer Stellungnahme: Der relativ geringe Freefloat erkläre die Entscheidung von Euronext. „EDF bleibt aber ein Trumpf für die französische Volkswirtschaft.“ Ein Sprecher hob hervor, dass das Unternehmen im „Next 20“-Index sei, einer Art Pool, aus dem man wieder in den CAC 40 zurückkehren kann. Es gebe außerdem keine Zweifel an den finanziellen Zielen des Unternehmens.

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