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29.01.2007

14:10 Uhr

Emissionserlös fließt zum Teil in den Bau eines neuen Stadions

Französischer Club Olympique Lyonnais strebt an die Börse

VonHolger Alich

Frankreichs Seriensieger der Ligue 1, Olympique Lyonnais, will auch an der Börse überzeugen. Seit Freitag läuft die Zeichnungsfrist für den ersten französischen Fußball-Club, der Geld am Kapitalmarkt aufnehmen will. Die Ol Groupe, Eigentümer des fünffachen Gewinners der französischen Meisterschaft, will an der Börse rund 84 Mill. Euro einsammeln.

PARIS. Dazu sollen per Kapitalerhöhung rund 28 Prozent der Aktien verkauft werden. Die Papiere sollen zwischen 21 und 24,40 Euro kosten. Die Erstnotiz ist für den 9. Februar geplant. Mit dem Geld von der Börse will OL-Chef Jean-Michel Aulas zum Teil den Bau eines neuen Stadions finanzieren, der rund 250 Mill. Euro kosten wird. Der neue Komplex mit Hotels und Restaurants soll die Einnahmen des Clubs um zehn bis 15 Prozent steigern. Desweiteren will OL mit dem Projekt seine Abhängigkeit von den sportlichen Erfolgen verringern: Derzeit stammen rund 20 Prozent des Umsatzes von 166 Mill. Euro nicht aus dem Fußballbetrieb. Diese Quote will Aulas auf 50 Prozent anheben.

„Im Vergleich zu anderen Fußball-Aktien ist OL attraktiv“, meint Samir Essafri, Analyst der Fondsgesellschaft Richelieu Finance. Das Geschäftsmodell sei bereits recht diversifiziert, und die Finanzzahlen des Clubs seien solide, da OL so gut wie keine Schulden habe.

Insgesamt bewerten Analysten das Unternehmen OL Groupe mit rund 305 Mill. Euro, was Essafri für „attraktiv“ hält. „Die Preisspanne für die Aktie ist vernünftig gewählt, damit der Börsengang ein Publikumserfolg wird. Denn trotz der sportlichen Erfolge fehlt OL noch ein bedeutendes Markenimage“, fügt Essafri hinzu. Ein Börsenwert von rund 305 Mill. Euro entspricht dem 19fachen des Gewinns der Periode 2005/2006 von knapp 16 Mill. Euro bzw. dem 1,8fachen des Umsatzes. Vergleiche des Kurs-Gewinn-Verhältnisses mit anderen Clubs sind schwer, da andere Vereine wie die Borussia Dortmund rote Zahlen schreiben. Zieht man als Bewertungsstandard das Verhältnis von Umsatz zu Marktkapitalisierung zu Rate, so erscheint OL sich im europäischen Schnitt zu bewegen: Der niederländische Club Ajax wird mit dem zweifachen des Umsatzes gehandelt, Dortmund mit dem 1,7fachen und Juventus Turin mit dem einfachen des Umsatzes.

Fußball-Aktien werden indes nur selten nach reinen Finanzkennziffern bewertet, deshalb machen die meisten Anlageprofis einen Bogen um diese Werte. Hauptproblem ist, dass die Wertentwicklung der Aktien stark an den sportlichen Erfolgen hängt. So bezieht auch OL 43 Prozent seiner Einnahmen aus dem Verkauf der TV-Rechte, deren Wert direkt mit den sportlichen Erfolgen verknüpft ist. Dennoch können Anleger mit Fußball-Aktien auch Geld verdienen, etwa bei Übernahmen, wie sie derzeit in Großbritannien sich häufen. Im August stimmte der englische Erst-Ligist Aston Villa der Übernahme durch den US-Milliardär Randy Lerner zu. Die Aktie machte damals einen Sprung von umgerechnet 5,5 Euro auf knapp acht Euro.

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