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16.08.2012

22:14 Uhr

Ende der Haltefrist

Weiteres Desaster für Facebook-Aktie

Die Facebook-Aktien geraten zum Handelsauftakt in New York kräftig unter Druck. Experten rechnen damit, dass der Kurs sogar noch weiter abrutscht. Wenn die Investoren die Nerven verlieren.

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Düstere Aussichten für Facebook

Weiter auf Talfahrt: Düstere Aussichten für Facebook

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New YorkEine Schwemme frisch handelbarer Facebook-Aktien hat den Kurs des weltgrößten Online-Netzwerks tief ins Minus gedrückt. Am Donnerstag sank der Wert des Papiers um über sechs Prozent. Am Morgen war eine erste Haltefrist ausgelaufen. Nach dem Börsengang im Mai dürfen nun zahlreiche Alteigentümer weitere Aktien unters Volk bringen.

Die Facebook-Aktie: Absturz mit Ansage

Video: Die Facebook-Aktie: Absturz mit Ansage

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Insgesamt könnten bis zu 271 Millionen zusätzliche Aktien auf den Markt drängen. Das ist eine beträchtliche Anzahl: Beim Börsengang selbst waren 421 Millionen Aktien zu 38 Dollar verkauft worden. Schon am zweiten Handelstag war der Kurs aber eingebrochen und markiert seitdem immer neue Tiefstände. Am Vortag hatte die Aktie vom niedrigen Niveau aus um vier Prozent zugelegt.
Interessant ist diese zweite Welle an Anteilsverkäufen vor allem deshalb, weil viele Alteigner im Verwaltungsrat von Facebook sitzen, dem höchsten Firmengremium. Sie haben damit Einblick in den Geschäftsverlauf und die Zukunftsplanungen des weltgrößten Sozialen Online-Netzwerks. Gründer und Firmenchef Mark Zuckerberg darf allerdings zunächst keine weiteren Aktien verkaufen.
Im Handelsverlauf fiel das Papier unter die markante Marke von 20 Dollar und nahm zwischenzeitlich sogar Kurs auf das bisherige Allzeittief von 19,69 Dollar. Das bedeutet, dass Anleger, die das Papier zum Ausgabekurs gekauft hatten, inzwischen fast die Hälfte ihres Einsatzes verloren haben.

Diese Stimmen hatten den Facebook-Börsengang begleitet

Warren Buffett

Warren Buffett (Star-Investor)

„Die Idee, dass eine frisch an den Markt gebrachte Firma unter tausenden und abertausenden Firmen weltweit die günstigste Gelegenheit ist, ist einfach dümmlich."

Michael Pachter

Michael Pachter (Analyst bei Wedbush)

„Die platzierenden Banken haben es völlig vergeigt.“

Phillip Goldberg

Phillip Goldberg (Investor)

"Orders von Investoren, die am ersten Handelstag Facebook- Aktien kaufen wollten, wurden häufig erst Stunden später ausgeführt. In der Zwischenzeit hatten die Investoren, die diese Aktien kaufen wollten, keine Ahnung, ob ihre Geschäfte ausgeführt worden waren und daher keine Ahnung, ob sie überhaupt Facebook-Aktien hielten."

Goldberg hat Klage gegen den Börsenbetreiber Nasdaq eingereicht.

Mary Schapiro

Mary Schapiro (SEC-Chefin)

„Es gibt einige Probleme, die wir uns anschauen müssen, vor allem im Zusammenhang mit Facebook.“

Robert Greifeld

Robert Greifeld (Nasdaq-Chef)

„Es hat ganz klar Fehler gegeben.“

Jim Cramer

Jim Cramer (Ex-Börsenhändler und TV-Moderator)

„Es ist unbestritten, dass (Facebook) ein schnell wachsendes und gut geführtes Unternehmen ist und es könnte ein guter Deal sein (…) Nur nicht am Eröffnungstag“.

Henry Blodget

Henry Blodget (Chef der Analyseplattform “Business Insider”)

“Wenn sich das Wachstum nicht wieder zulegt, ist es schwer zu sehen, wie die Aktie groß zulegen soll“

David Rolfe

David Rolfe (Investmentchef von Wedgewood Partners)

„Die Wall Street ist ein strenger Lehrmeister. Nun wird von Facebook erwartet, dass das Unternehmen regelmäßig seine Ziele anhebt, um sie dann zu übertreffen.“

Simon Lee

Simon Lee (Analyst bei der Navy Federal Credit Union)

„Für Facebook ist immer noch eine Menge mehr Platz, und es wird weiterhin mehr Nachfrage nach der Aktie als Angebot geben 

Yves Maillot

Yves Maillot (Head of Investments von Robeco Gestions)

„Facebooks Preisgestaltung erscheint recht teuer zu sein" Der Börsengang dränge darüber hinaus in ein „sehr schwieriges Umfeld für den US-Aktienmarkt."

Tom Taulli

Tom Taulli (IPO-Experte für Tech-Aktien)

„Banker werden das Beispiel als Erinnerung für Firmen nutzen, dass sie beim Preis nicht zu hoch greifen sollten. Die Devise 'der Himmel ist die Grenze' gilt nicht mehr.“

John Scandalios

John Scandalios (Leiter Franklin Templeton Technologiefonds)

„Bei den Geschäftsmodellen gibt es noch viele offene Fragen"

Nick Einhorn

Nick Einhorn (Analyst der Beratungsfirma Renaissance Capital)

"Es war nicht so aufregend, wie es hätte sein können. Aber ich denke nicht, dass wir den Börsengang als Misserfolg werten sollten."

Larry Page

Larry Page (Gründer und Konzernchef von Google)

„Wir haben versucht, mehr einfache Leute teilhaben zu lassen.

In einer Talkshow äußerte sich Page über die Unterschiede zwischen den Börsengängen von Google und Facebook.

Zuletzt hatte sich vor allem als Problem erwiesen, dass immer mehr Nutzer mit ihren Smartphones auf Facebook zugreifen - auf den kleinen Bildschirmen lässt sich aber kaum Werbung unterbringen. Anzeigen sind die Haupteinnahmequelle von Facebook. Von den 955 Millionen Nutzern kommunizieren inzwischen 543 Millionen mobil mit ihren Freunden und Bekannten auf Facebook.

Manche nennen sie die Geier der Finanzmärkte, weil sie bereits sieche Unternehmen dem Tod noch ein Stück näher bringen. Andere halten sie für unverzichtbar, da sie wie ein Korrektiv gegen Übertreibungen und Finanzblasen wirken: Leerverkäufer, die mit fallenden Kursen Geld verdienen.

Eine wachsende Zahl so genannter Short Seller kreist nun seit ein paar Wochen um ein prominentes Opfer: die Facebook-Aktie. Wenn am heutigen Donnerstag die erste Haltefrist für Früh-Investoren des Sozialen Netzwerks ausläuft, könnten Millionen Papiere auf den Markt geschwemmt werden. Und tatsächlich rutscht der Kurs der Facebook-Aktie zum Handelsauftakt an der Nasdaq um gut fünf Prozent auf 20 Dollar ab.

Der Kurs droht sogar weiter weiter abzurutschen, denn es könnte die große Stunde der Leerverkäufer schlagen. Ihr Prinzip: Sie leihen sich Aktien und verkaufen sie sofort. Am Rückgabetermin müssen sie die Papiere dann nachkaufen – und ist der Kurs wie erhofft gefallen, ist die Differenz der Gewinn. 

Die Short Seller haben sich zuletzt offenbar gut eingedeckt: 97 Millionen Facebook-Aktien sind betroffen, meldet das „Wall Street Journal“ unter Berufung auf den Datenanbieter Markit, mehr als bei anderen Unternehmen im Vergleichsindex S&P 500. Im Vormonat waren es noch 63 Millionen. „Eine gute Position“, sagte ein Portfolio-Manager des Hedgefonds Connective Capital Management dem Blatt, „wenn man die Bewertung mit anderen Unternehmen wie Google und Apple vergleicht“. 

Werden die Untergangs-Propheten Recht behalten, wird der Kurs der Facebook-Aktie noch weiter einbrechen? Immerhin hat das Papier seit dem verkorksten Börsengang im Mai zum Ausgabepreis von 38 Dollar inzwischen fast die Hälfte an Wert verloren.

Fragen & Antworten zum Börsengang von Facebook

Was ändert sich für Facebook-Nutzer?

Zunächst überhaupt nichts. Allerdings steht Facebook bei der künftigen Veröffentlichung von Quartalszahlen unter dem Druck, Umsatz und Gewinn kontinuierlich zu steigern. Deswegen erwarten Fachleute, dass die Werbung auf Facebook weiter ausgebaut und auch bei der mobilen Nutzung eingeführt wird. Die Werbung von Facebook könnte auch aggressiver werden, um die Klickrate zu erhöhen, die für den Preis der Werbung maßgeblich ist.

Wann wird die Facebook-Aktie zum ersten Mal an der Börse gehandelt?

Ein genauer Termin steht bislang ebenso wenig fest wie der Ausgabepreis. Experten rechnen für Mai oder Juni mit dem Börsengang. Derzeit steht aber noch nicht einmal fest, ob Facebook an der Technologie-Börse Nasdaq oder an der traditionelleren New York Stock Exchange (NYSE) gelistet wird. Einem Bericht der „New York Times“ zufolge soll es die Nasdaq werden.

Ist der Firmenwert von Facebook nicht viel zu hoch angesetzt?

Der Jahresgewinn von einer Milliarde Dollar im Jahr 2011 bei Facebook rechtfertigt eine Bewertung von 100 Milliarden Dollar eigentlich nicht. Zum Vergleich: Apple hat allein im jüngsten Quartal in jeder Woche eine Milliarde verdient und kommt dabei auf einen Börsenwert von 425 Milliarden Dollar. Google hat im gesamten Jahr 2011 rund zehn Milliarden erwirtschaftet und kommt „nur“ auf eine Bewertung von 188 Milliarden Dollar. Die Investoren orientieren sich aber vor allem an den Wachstumsaussichten. Und die werden für Facebook derzeit offenbar besser eingeschätzt als bei etablierten Unternehmen.

Wie kann man Facebook-Aktien kaufen?

Sobald die Details für den Börsengang - insbesondere Datum und Ausgabepreis - feststehen, können Interessenten zu ihrer Bank gehen und danach fragen. Die Bank wird dann die erforderlichen Unterlagen zur Zeichnung besorgen.

Was ist vor einer Kaufentscheidung zu beachten?

„Nur weil es hip ist, sollte niemand versuchen, Facebook-Aktien zu kaufen“, sagt Aktienmarktstratege Thilo Müller vom MB Fund Advisory. Entscheidungshilfen mit konkreten Daten sind der jetzt veröffentlichte Börsenprospekt und Einschätzungen in der Finanzfachpresse. In den Kaufpreis gehen voraussichtlich auch die Erwartungen zum weiteren Wachstum von Facebook ein. Erfüllen sich diese nicht, muss man als Anleger mit sinkenden Kursen rechnen. Dies war auch bei mehreren Börseneinführungen von Internet-Unternehmen im vergangenen Jahr der Fall, etwa beim Musik-Streaming-Dienst Pandora.

Verliert Mark Zuckerberg nun die Kontrolle über Facebook?

Nein, der Facebook-Gründer hat auch künftig das Sagen. Er hält Aktien der Klasse B, die mit jeweils zehn Stimmen verknüpft sind, während normale Anleger mit ihren Aktien der Klasse A nur einfaches Stimmrecht haben. Außerdem haben viele Anteilseigner ihre Stimmrechte an Zuckerberg übertragen, so dass er auf 57 Prozent aller Stimmrechte kommt.

Von

dpa

Kommentare (10)

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P17

16.08.2012, 09:25 Uhr

Der tatsächliche Wert von FB dürfte bei etwa 8 bis 13 USD liegen - denn was hat diese Firma zu bieten? Nichts - aber davon jede Menge.

Hinzu kommt: Wenn jemand daherkäme und würde behaupten, der Börsengang von Facebook wäre der größte Wertpapierbetrug aller Zeiten gewesen, würde ich nicht widersprechen wollen.Wer die Hütchenspieler in den Fußgängerzonen beobachtet, kann feststellen, dass oft ein Freund des Hütchenspieler-Ganoven inkognito mitspielt und sehr oft gewinnt. Damit sollen arglose Spieler angelockt werden, die durch die vielen Gewinne des Ganoven-Kompagnion ihre eigenen Chancen völlig falsch einschätzen. Es ist klar, dass sie dann nur noch verlieren werden.

Eine sehr bekannte und berüchtigte - sowie Gott nahestehende - Investmentbank hat in einem OTC-Geschäft einige Monate vor dem Börsengang Anteile von Facebook zu einem irrwitzigen Preis gekauft, der hochgerechnet, eben diese sagenhafte 100 Mrd. Firmenwert ergab. Üblicherweise werden solche Geschäfte eher diskret abgewickelt, aber in diesem Fall wurde kräftig die Werbetrommel geschlagen und die Zukunftsaussichten von FB bejubelt. Selbstverständlich ohne Hintergedanken, niemand sollte deswegen FB kaufen!?
DIE ÄHNLICHKEIT MIT DEM VORGEHEN DER HÜTCHENSPIELER IST NATÜRLICH REIN ZUFÄLLIG.

Gast

16.08.2012, 10:38 Uhr

Das war eine ganz groß angelegte Verharschung und die Medien haben schön mitgemacht.

Ab heute wird Facebook vollständig zur Zockeraktie.

Egon

16.08.2012, 10:48 Uhr

Alles Quark. Jeder der Facebook Aktien gekauft hat ist selbst Schuld. Natürlich werden die Medien und Banken Facebook vor dem Börsengang hochreden und loben.
Aber jeder Tollpatsch kann sich die fundamentalen Daten des Unternehmens anschauen und sehen das der 38$ Ausgabepreis viel zu hoch war.
Wer davon keine Ahnung hat sollte lieber die Finger davon lassen und lieber in 'langweilige' aber dafür simplere Produkte investieren.

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