Handelsblatt

MenüZurück
Wird geladen.

10.09.2015

13:45 Uhr

Energiekonzern

Anleger werfen Eon-Aktien aus den Depots

Der Leidensweg der Eon-Aktionäre nimmt kein Ende. Nach der Ankündigung, die Atomreaktoren zu behalten, fällt das Papier auf ein neues 20-Jahrestief. Analysten reagieren unterschiedlich.

Große Verluste an der Börse

Atomkraftwerke bleiben bei Eon

Große Verluste an der Börse: Atomkraftwerke bleiben bei Eon

Ihr Browser unterstützt leider die Anzeige dieses Videos nicht.

DüsseldorfMehrmals hofften Anleger in den vergangenen Jahren, dass der lang anhaltende Kursverfall der Eon-Aktie zum Stillstand kommt. Schließlich hat das Wertpapier einen massiven Kursverfall hinter sich – von 51 Euro im Jahr 2008 bis auf neue Tief von 9,07 Euro am heutigen Handelstag – ein Minus von mehr als vier Prozent allein heute. So tief wie heute notierte das Wertpapier vor mehr als 20 Jahren.

Es ist ein neuer Tiefschlag für die leidgeprüften Eon-Aktionäre, für die das Wort Hausse in den vergangenen Jahren nur ein Fremdwort war. In den vergangenen fünf Jahr hat der deutsche Leitindex mehr als 60 Prozent zugelegt, die Energieaktie hat hingegen 58 Prozent an Wert verloren.

Energiekonzerne im Umbruch

Zwei Wege, ein Ziel

Der Strom- und Gasversorger Eon, der einst seine Stärke aus Kohle, Gas und Atomkraft bezog, mutiert nach seinem eigenen Bestreben zu einem lupenreinen „grünen Versorger“. Und verheißen die Pläne zur Abspaltung des konventionellen Kraftwerksgeschäfts in den Eon-Mutanten Uniper einen Ausweg aus der Krise? Oder führt am Ende doch der Weg, den die Essener Konkurrenten RWE einschlagen wollen, indem sie den Konzern radikal vereinfachen und mehr Macht in der Zentrale konzentrieren, am schnellsten raus aus der Krise?

Was ist der Grund für die Zerschlagung von Eon?

Der Branchenprimus auf dem deutschen Strom- und Gasmarkt war wie alle großen Mitspieler durch die Energiewende in die Bredouille geraten. Zuvor waren Eon & Co durch die Ausweitung des Wettbewerbs auf den Märkten bereits Macht genommen worden. Unter anderem trennten sie sich von den Höchstspannungsnetzen. Mit der Entscheidung zum Ausstieg aus der Atomenergie aber erfolgte der entscheidende Schnitt – das Ende für die herkömmlichen Kohle- und Atomriesen war eingeläutet. Strom aus Wind und Sonne erhielt Vorfahrt.

Was erhofft sich Eon von der Abspaltung?

Jahrelang hatte der Konzern enorme Gewinne aus dem Strom- und Gasgeschäft gescheffelt und Aktionäre mit steigenden Dividenden verwöhnt. Das ist seit ein paar Jahren vorbei. Dabei steht der Konzern unter einem hohen Druck durch die Kapitalmärkte. Durch die Abtrennung erhofft sich die neue Eon, die sich künftig ganz auf Ökostrom, Energienetze und Kundenlösungen konzentriert, Rückenwind: Das Unternehmen ist frei von Altlasten - nur noch der Name erinnert an seine Herkunft.

Warum entschied sich RWE gegen die Aufspaltung?

Bei dem Konkurrenten aus Essen sind die Eigentümerverhältnisse anders gelagert. Während Eon eine börsennotierte Publikumsgesellschaft mit zahlreichen Anlegern ist, haben bei RWE die Kommunen noch ein entscheidendes Wörtchen mitzureden. Auch die waren jahrelang durch üppige Dividenden verwöhnt worden. Eine Zerschlagung des Konzerns in zwei Teile wäre vor dem Hintergrund kaum durchsetzbar gewesen. RWE-Chef Peter Terium bezeichnete einen solchen Schritt auch als nicht „wünschenswert“. Hinzu kommt, dass bei RWE das Geschäft mit regenerativen Energien noch nicht so weit entwickelt ist wie bei Eon.

Was bedeutet die Abspaltung bei Eon für die Atomrückstellungen?

Darüber ist in den vergangenen Monaten viel berichtet und spekuliert worden. Eon-Chef Johannes Teyssen nannte diese Rückstellungen, die für den Rückbau der Atomanlagen vorgesehen sind und in der Eon-Bilanz 2014 eine Summe von mehr als 16 Milliarden Euro ausmachten, bei der Vorlage der Halbjahreszahlen als „sicher“. Die Summe wird vollständig Uniper zugeschlagen. Und Teyssen beteuert, dass das Unternehmen seinen Verpflichtungen voll und ganz nachkommen werde. Kritik kommt von Tobias Riedl von der Umweltschutzorganisation Greenpeace: „Die geplante Aufspaltung von Eon in eine „Good“ und eine „Bad Bank“ ist der dreiste Versuch des Konzerns, sich der Haftung für den selbst produzierten Atommüll zu entziehen.“ Eon strebe an, dass künftige Milliardenkosten für die Entsorgung des verstrahlten Abfalls möglichst die Bürger tragen sollten, sagt Riedl.

Welche Perspektiven hat Uniper?

Auf dem deutschen Strom- und Gasmarkt wird es Uniper schwer haben. Auch wenn Eon den Bereich heute als einen für Jahrzehnte wichtigen Baustein beim Umbau des Energiesystems sieht - nämlich durch seine absichernde Funktion für die erneuerbaren Energien - wird das Unternehmen nach Ansicht von Branchenbeobachtern noch lange an seinem Image als Auslaufmodell zu tragen haben.

Welche Lichtblicke sind beim Umbau der Konzerne zu erkennen?

Mit dem massiven Ausbau der Erzeugung von Windkraft und Solarenergien und dem Anschluss der Parks an die Stromnetze ernten die Unternehmen allmählich die ersten Früchte ihrer Investitionen. Mittlerweile ist Eon an 10 Windparks auf See in Europa beteiligt und kommt weltweit auf eine Kapazität von 4000 Megawatt. Der Anteil der erneuerbaren Energien an der gesamten Stromerzeugung liegt derzeit bei rund 14 Prozent, bei RWE sind es mit 5 Prozent deutlich weniger.

Quelle: dpa

Der Grund für das neue Tief am heutigen Donnerstag: Der Eon wird seine Kernernergie behalten und nicht wie geplant in die neue Gesellschaft Uniper einbringen. Als Reaktion hat die Investmentbank Equinet das Kursziel für Eon nach Details zur Aufspaltung von 14 auf 10 Euro gesenkt, die Einstufung aber auf „Neutral“ belassen. Dadurch sinke die Attraktivität von Eon, während der Ausblick für Uniper schwach bleibe, schrieb Analyst Michael Schäfer in einer Studie vom heutigen Donnerstag. Sein reduziertes Kursziel berücksichtige die vom Konzern gemeldeten hohen Abschreibungen.

Ganz anders reagiert das US-Analysehaus Bernstein Research auf diese Ankündigung. Analyst Deepa Venkateswaran hat die Einstufung für Eon nach jüngsten Details zur Aufspaltung auf „Outperform“ mit einem Kursziel von 16,40 Euro belassen. Da die Kernernergie nun doch bei Eon verbleibe, sinke das Risiko für die Anleger, schrieb Venkateswaran in einer Studie.

Auch nehme die Gefahr ab, dass die Abspaltung der neuen Gesellschaft Uniper nicht vollzogen werde. Denn durch diesen Schritt komme Eon möglichen politischen Bedenken zuvor, dass sich der Versorger aus der Verantwortung für seine Kernenergieaktivitäten stehlen wolle.

Atomkraftwerke bleiben bei Eon: Nicht schön, aber vernünftig

Atomkraftwerke bleiben bei Eon

Nicht schön, aber vernünftig

Schon wieder muss Eon-Chef Johannes Teyssen seine Strategie anpassen – dieses mal aber nicht freiwillig. Die Atomkraftwerke bleiben im Konzern. Die Politik lässt ihm keine andere Wahl. Ein Kommentar.

Das Unternehmen will die konventionelle Erzeugung (Gas, Kohle), den Energiehandel sowie das Öl- und Gasfördergeschäft unter dem Dach von Uniper (14 000 Beschäftigte) in Düsseldorf sammeln. Die neue Gesellschaft soll Anfang 2016 an den Start gehen. Dazu gehörte ursprünglich auch die Atomenergie, die nun aber der neuen Eon zugeschlagen wird. Kritiker hatten Eon vorgeworfen, mit Uniper eine Art „Bad Bank“ zu schaffen und sich aus der Verantwortung für die Altlasten des Kernenergiegeschäfts zu stehlen.

Von

jr

Direkt vom Startbildschirm zu Handelsblatt.com

Auf tippen, dann auf „Zum Home-Bildschirm“ hinzufügen.

Auf tippen, dann „Zum Startbildschirm“ hinzufügen.

×