Handelsblatt

MenüZurück
Wird geladen.

26.09.2013

14:38 Uhr

Energiewende

Stromaktien, nein Danke!

Die Energieriesen RWE und Eon haben kein Konzept für die Energiewende. Von der nächsten Bundesregierung dürfen sie keine Unterstützung erwarten. Die meisten Analysten raten zum Verkauf der Aktien.

Die Energiebranche muss sich nach der Bundestagswahl auf einen Verteilungskampf einstellen. dpa

Die Energiebranche muss sich nach der Bundestagswahl auf einen Verteilungskampf einstellen.

DüsseldorfSelbst gestalten, statt gestaltet werden. Das sollte das Motto eines jeden guten Unternehmenslenkers sein. Die Stromkonzerne RWE und Eon haben den Zeitpunkt verpasst, den eigenen Umbau selbst zu gestalten in die Hand zu nehmen. Sie haben bis heute keine Antwort auf die Energiewende gefunden. Den Preis dafür bezahlen Aktionäre und Mitarbeiter.

„Es gibt keinen Zweifel daran, dass uns schwere Zeiten bevorstehen“, räumte RWE-Vorstandschef Peter Terium am vergangenen Donnerstag ein. Damit dürfte er Recht behalten.

Eine letzte Hoffnung ist mit der Bundestagswahl am vergangenen Sonntag gestorben: Von der nächsten Regierung, wie auch immer diese aussehen wird, wird es keine Unterstützung geben. Mit dem Ausscheiden der FDP aus dem Bundestag haben die großen Stromkonzerne einen wichtigen Verbündeten verloren. Die Liberalen hatten sich lange gegen die Energiewende gewehrt. Nach der Katastrophe im japanischen Atomkraftwerk Fukushima im März 2011 stimmte die FDP dem Atomausstieg nur widerwillig zu.

Ganz anders dürfte es in einer Großen Koalition aus Union und SPD laufen, erst Recht in einer schwarz-grünen Koalition. SPD und Grüne sind die Erfinder des Erneuerbare-Energien-Gesetzes (EEG), mit dem die Ökoenergie seit 2000 subventioniert wird. Es ist zwar sehr wahrscheinlich, dass das EEG künftig reformiert wird; allerdings nicht so, wie von den Großen in der Branche erhofft. Eine Regierung unter Beteiligung von SPD oder Grünen wird die Privilegien der erneuerbaren Energien kaum beschneiden.

Versorgeraktien im Vergleich

Marktkapitalisierung

RWE: 15,14 Milliarden Euro

Eon: 27,04 Milliarden Euro

Streubesitz

RWE: 78,47 Prozent

Eon: 96,04 Prozent

Kursentwicklung (1 Jahr)

RWE: - 29,4 Prozent

Eon: - 29,5 Prozent

Analystenempfehlungen

RWE
Kaufen:5

Halten:10
Verkaufen:21

Eon
Kaufen:8
Halten:15
Verkaufen:13

Nettoergebnis (2012)

RWE: 1,402 Milliarden Euro

Eon: 2,217 Milliarden Euro

Umsatz (2012)

RWE: 53,22 Milliarden Euro

Eon: 133,99 Milliarden Euro

Ergebnis je Aktie (2012)

RWE: 2,13 Euro

Eon: 1,16 Euro

Kurs-Gewinn-Verhältnis (2013)

RWE: 6,25

Eon: 10,8

Kurs-Buchwert-Verhältnis (2013)

RWE: 0,97

Eon: 0,69

Dividende je Aktie

RWE: 1,00 Euro

Eon: 1,10 Euro

Dividendenrendite (2014, Schätzung)

RWE: 3,9 Prozent

Eon: 4,8 Prozent

Quelle

Bloomberg, Thomson Reuters, Unternehmensangaben, IBES

Das EEG hat den Strommarkt in den vergangenen Jahren massiv verändert. Durch den Ausbau der erneuerbaren Energien wird inzwischen mehr als genug Strom erzeugt, gleichzeitig geht die Nachfrage der Industrie zurück. Dadurch sind die Großhandelspreise erheblich gesunken. Die Verbraucher merken davon zwar nichts, da die Differenz zwischen Börsenpreis und den garantierten Abnahmepreisen für Ökostrom durch die Ökostrom-Umlage ausgeglichen wird. Die Stromkonzerne merken die sinkenden Preise aber sehr wohl. Die Kernkraft- und Kohlekraftwerke müssen sie im Zuge der Energiewende entweder vom Netz nehmen oder sie sind kaum noch profitabel zu betreiben. Allein RWE hat Schulden in Höhe von 35 Milliarden Euro angehäuft.

Der Niedergang der Energieriesen lässt sich unverkennbar am Börsenkurs ablesen. Auf dem Höhepunkt, im Sommer 2007, kostete eine Aktie von RWE fast 100 Euro, ein Anteilsschein von Eon rund 50 Euro. Dann kam der Absturz. Den vorläufigen Tiefpunkt erreichte RWE in diesem Jahr bei einem Kurs von rund 20 Euro, Eon fiel bis auf 13,50 Euro.

„Wir machen uns große Sorgen angesichts des Kurses und der Dividende“, sagte der Geschäftsführer der Deutschen Schutzgemeinschaft für Wertpapierbesitz (DSW), Thomas Hechtfischer. Früher seien Versorgeraktien wie RWE ein wahres „Witwen- und Waisenpapier“ gewesen. Es galt das Motto: „Wenn etwas sicher ist, dann sind es die Renditen der Versorger.“

Kommentare (11)

Selber kommentieren? Hier zur klassischen Webseite wechseln.  Selber kommentieren? Hier zur klassischen Webseite wechseln.

zarakthuul

26.09.2013, 15:22 Uhr

Die BRD hat kein Konzept für eine "Energiewende"! Statt dessen wird unkoordiniert vor sich hin gebaut. Wer betreibt die notwendigen Kraftwerke wenn RWE und eon pleite sind? Frank Asbeck vielleicht? Wer sichert die Netzstabilität und garantiert die Versorgungssicherheit? Das EEG muss radikal geändert werden! Garantiepreise an EE nur noch für grundlastfähig garantierte Strommengen und den volatilen Anteil an die Börse. Dann hat der Spuk ein Ende! Die Versorger können auskömmliche Preise erzielen und die weitere Verspargelung der Landschaft ist (vorerst) beendet. Die EEG-Umlage sinkt wieder und die Umverteilung von unten nach oben ist etwas gebremst.
Wenn geeignete, wirtschaftliche Speichertechniken vorhanden sind, dann muss die Energiewende mit einem gesamtstaatlichen Plan vorgeführt werden.
Denn eine Abkehr von Kohle, Öl und Gas ist zweifellos notwendig. Der Weg in eine neue Versorgungsstruktur muss aber vorher festgelegt werden. Dazu zählen eben auch Netze , Speicher und Backup-Kraftwerke.
So könnte die Errichtung eines großen Windparks an den Bau eines Gaskraftwerks gekoppelt werden um die Leistungsbereitstellung zu sichern. Nach dem gegenwärtigen Stand werfen Windräder Profit ab, Gaskraftwerke schreiben Verluste. Aber die Gaskraftwerke sichern die Versorgung, die Windmühlen nicht. E.on und RWE haben u.a. Gaskraftwerke und sichern damit die Versogung auch in Dunkelheit und Flaute. Konzern-Bashing ist ja in Mode, aber überhaupt nicht(oder nur hin und wieder) gerechtfertigt. Die zuverlässigen Versorger werden beschimpft und die flatterhafte Profiteure gefeiert, voll schizo!

GrotheU

26.09.2013, 15:49 Uhr

Da erschallt das Hallali einer Privatbank mit dem Interesse eines Investors, der für alle nur das Beste will.
Seine eigenen Interessen wahren. Wo soll der Kurs von EON noch hin? Der innere Bilanzwert nach Niederstwertprinzip von EON liegt über 18 euro, der Marktkurs bei 13. Was sagt uns das? Da wird die Bank wie das Credo angepriesen und letztendlich gehts ihnen wohl nur um ein paar eigene Optionsscheinschen. EON ist kaufenswert. Die Entwicklung der Firma mit ca. 60tsd Mitarbeitern könnte besser sein, aber dann unterhielten wir uns auch nicht über den niedrigen Kurs. Und dennoch werden hohe Gewinne gefahren. Ich sage EON eine goldene Zeit vorraus, wenn der Konzernumbau mit dem Ziel "Weg aus dem Biotop für Bekloppte in der BRD - Hinaus in die WElt". Die staatsfinanzierte, auf unrealistischen Daten fussende Betreibung per EEG knallt voll an die Wand.

ringo

26.09.2013, 15:55 Uhr

Sie haben es richtig erkannt, nur die Lobbyisten werden darüber lachen, der Asbeck wird den Trittin einstellen und
weiter für den Unfüg kämpfen lassen. Frau Merkel sollte endlich den Schwachsinn begreifen und gegensteuern, Wirtschaft uns Volk
würden es ihr danken.
Gruß Ringo

Direkt vom Startbildschirm zu Handelsblatt.com

Auf tippen, dann auf „Zum Home-Bildschirm“ hinzufügen.

Auf tippen, dann „Zum Startbildschirm“ hinzufügen.

×