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19.03.2012

14:51 Uhr

Erstmals Dividende

Apple bricht mit Steve Jobs' Prinzipien

Die Aktie auf Allzeit-Hoch, das neue iPad in den Startlöchern: Davon profitieren auch die Aktionäre. Der neue Chef, Tim Cook, zahlt zum ersten Mal seit 1995 eine Dividende. Das hätte es unter Jobs wohl nicht gegeben.

Apple will wieder Dividende zahlen

Video: Apple will wieder Dividende zahlen

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DüsseldorfDas Geschäft läuft für Apple so gut wie noch nie, die Stückzahlen bei iPhone und iPad sind in den vergangenen Quartalen rasant in die Höhe geschnellt. Dadurch hat Apple eine unglaubliche Barreserve von fast 100 Milliarden Dollar angehäuft. Ein Teil dieser Summe soll jetzt als Dividende an die Aktionäre ausgeschüttet werden. Die Auszahlung beläuft sich auf 2,65 Dollar pro Aktie im Quartal.

Die Ausschüttung soll erstmals im vierten Quartal des Finanzjahres 2012 erfolgen, das am 1. Juli beginnt. Zugleich gab der iPhone- und iPad-Hersteller vor US-Börsenstart bekannt, in den kommenden Jahren Aktien im Wert von insgesamt zehn Milliarden Dollar zurückzukaufen. Apple versicherte, trotz der Investitionen über „eine Kriegskasse für strategische Gelegenheiten“ zu verfügen.

Apple an der Börse

Kursrally

Apple hat allein in den vergangenen drei Monaten 55 Prozent zugelegt und erstmals die Marke von 600 Dollar durchbrochen.

Marktkapitalisierung

Der Wert aller Apple-Anteile liegt nach dieser Kursrally bei 550 Milliarden Dollar, mehr als eine halbe Billion. Damit ist der Tech-Gigant größer als die Rivalen Microsoft und Google zusammengenommen, die jeweils rund 260 Milliarden und 200 Milliarden Dollar wert sind.

Langfristige Entwicklung

Seit 2007 hat sich der Kurs der Apple-Aktie mehr als verfünffacht. Der S&P-500-Index, in dem auch Apple gelistet ist, hat im selben Zeitraum leicht verloren.

Unschlagbare Gewinne

Die 500 Unternehmen im S&P-Index haben auf Jahressicht ihre Gewinne um 6,6 Prozent gesteigert. Rechnet man Apple heraus, schaffen die restlichen 499 Unternehmen nur noch ein durchschnittliches Gewinnwachstum von 2,8 Prozent.

Solide Margen

Genauso sticht der Anstieg der Gewinnmargen heraus. Mit Apple konnten sich die S&P-500-Unternehmen im Durchschnitt um 0,05 Prozentpunkte steigern, ohne Apple fielen sie mehr als 0,2 Prozentpunkte zurück.

Mit dem Geldregen kommt Apple den Forderungen seiner Anteilseigner nach, die in den vergangenen Monaten immer stärker auf eine Verteilung der riesigen Bargeld- und Wertpapierbestände gedrungen haben. In der
Apple-Schatzkiste lagen zuletzt fast 100 Milliarden Dollar - das entspricht in etwa dem Bruttoinlandsprodukt von Marokko oder der Slowakei.

Apple bricht damit mit der Politik des Ex-Chefs Steve Jobs. Er galt als unverrückbarer Gegner einer Dividende. Sein Nachfolger Tim Cook stellte jedoch klar, dass die Aktionäre nicht zu viel erwarten sollten. „Wir geben unser Geld aus als wären es unsere letzten Pennies. Ich denke, die Aktionäre erwarten das auch von uns“, sagte Cook im Februar vor Investoren. Das Geld brenne Apple kein Loch in die Tasche, es werde also keine „Toga-Partys“ geben.

An der Börse löste die Ankündigung gemischte Reaktionen aus: In Frankfurt grenzte das Apple-Papier seine Gewinne vom Vormittag wieder ein. An der Wall Street zeigte sich der Anteilsschein richtungslos. In einem volatilen Handel drehte die Aktie kurz vor Börsenstart wieder ins Plus.

Ausschüttung: Welche Tech-Giganten eine Dividende zahlen

Ausschüttung

Welche Tech-Giganten eine Dividende zahlen

Erstmals seit 1995 will Apple wieder eine Dividende zahlen. Nun könnte das Thema auch für andere IT-Vertreter wieder in den Fokus treten. Doch Ausschüttungen sind in der Technologie-Branche eher verpönt. Ein Überblick.

Insgesamt beziffert der Konzern die Ausgaben in den kommenden drei Jahren auf etwa 45 Milliarden Dollar. Cook kündigte an, die Dividendenpolitik regelmäßig zu überprüfen.

Aufs Gesamtjahr hochgerechnet liegt Apples Dividendenrendite bei 1,8 Prozent. Zum Vergleich: Die Deutsche Telekom bietet ihren Aktionären 7,89 Prozent. John Strand von Strand Consulting begrüßte die Neuankündigung trotzdem: „Apple ist ein überkapitalisiertes Unternehmen und es ist wahrscheinlich besser, das Geld in die Taschen der Aktionäre zu stecken als es in Apples Taschen zu belassen.“

Kommentare (5)

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btw

19.03.2012, 17:30 Uhr

nach 17 Jahren Dividende.

Sowas sollte man mal einem deutschen Kleinaktionär vertickern wollen:
Das sind ja keine gierigen Leute.
Gierig sind ja nur die Großen.
Die Kleinen halten dabei gleich den Schnabel mit auf...

Account gelöscht!

19.03.2012, 17:54 Uhr

habe kurz nach 9/11 aus Solidarität (als wir alle Amerikaner waren) 1.000 Apples gekauft und bin somit nicht auf die Dividende angewiesen. Meinen Einsatz habe ich realisiert und kann jetzt nicht mehr verlieren. Außerdem habe ich fast 20 Jahre lang in meinem Beruf mit Apple-Produkten gearbeitet und bin daher überzeugt von dem, was diese Firma Geniales auf den Markt bringt. Jetzt in Apple in aller Munde, kein gutes Zeichen. Einer hat mal gesagt: »Wenn beim Friseur über Aktien gesprochen wird, ist es Zeit aus zu steigen«

Kritiker

19.03.2012, 18:28 Uhr

Tja wenn es bloß so einfach wäre, den richtigen Zeitpunkt zum Aussteigen zu finden...als Apple kurz davor stand, die 500 Dollar Marke zu knacken, sahen alle nicht-Apple-Fans voraus, dass die Firmenaktie am Scheitelpunkt stehen würde. Drei Wochen später legt Apple noch einen drauf, indem sie die 600 Dollar Marke knackten.

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