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06.10.2015

09:43 Uhr

Erstnotiz

Erfolgreicher Börsengang von Covestro

Im zweiten Anlauf hat die ehemalige Bayer-Kunststoffsparte ein gutes Debüt auf dem Börsenparkett hingelegt. Der erste Kurs, zu dem gehandelt werden kann, liegt über dem Emissionspreis.

Bayer-Kunststofftochter Covestro

Börsen-Experte: „Bayers Beteiligung sorgt für gute Anreize“

Bayer-Kunststofftochter Covestro: Börsen-Experte: „Bayers Beteiligung sorgt für gute Anreize“

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Der Bayer-Kunststofftochter Covestro gelingt ein erfreulicher Börsengang. Der Kurs liegt mit 26,50 Euro deutlich über dem Ausgabepreis von 24 Euro. Die Bookbulding-Spanne von Covestro lag bei 21,50 bis 24,50. Nach Angabe des Unternehmens hatten Anleger bis Freitag vergangener Woche deutlich mehr Aktien gezeichnet als überhaupt ausgegeben würden.

Es ist der größte Börsengang in Deutschland seit dem Boomjahr 2000. Covestro-Vorstandschef Patrick Thomas zeigte sich im Vorfeld zufrieden, „besonders vor dem Hintergrund der schwierigen Rahmenbedingungen am Kapitalmarkt“, sagte er. Der Bayer-Konzern nimmt damit 1,5 Milliarden Euro ein. Begleitet wurde der Börsengang von der Deutschen Bank und Morgan Stanley.

So läuft ein Börsengang ab

1. Auswahl einer Emissionsbank

Hat sich die Führungsebene eines Unternehmens zu einem Börsengang entschlossen, sind diverse Vorbereitungen zu treffen. Zunächst müssen Gespräche mit Banken geführt werden, um einen geeigneten Partner bei der Durchführung des IPO zu finden. Im weiteren Verlauf wird in der Regel eine der Banken zum Konsortialführer bestimmt, oftmals gehören dem Konsortium weitere Banken an, die an der Emission ebenfalls beteiligt werden.

2. Durchführung einer Unternehmensanalyse

Um die geplante Gesellschaft zu analysieren, wird eine Due Diligence-Prüfung durchgeführt. In deren Verlauf wird der Unternehmenswert ermittelt. Die Analyse mündet in der Formulierung eines rechtlich verbindlichen Börsenprospektes, der Voraussetzung für den Handel an der Börse ist.

3. Roadshow

Im Rahmen einer so genannten Roadshow wirbt das Unternehmen auf Basis des Börsenprospektes Investoren für den eigenen Börsengang. Dabei werden die Informationen der breiten Öffentlichkeit zugänglich gemacht. Ziel einer Roadshow ist es darüber hinaus, das potenzielle Interesse an den Aktien des eigenen Unternehmens auszuloten.

4. Festlegen eines Emissionspreises

Nach der Roadshow legen die Konsortialbanken eine ihrer Meinung nach angemessene Preisspanne fest, in deren Rahmen die Unternehmensaktien gezeichnet werden sollten. Der Emissionspreis liegt gemeinhin im Rahmen dieser so genannten Bookbuildingspanne und wird in Folge festgelegt. Alternativ kann die Gesellschaft auch einen Festpreis bestimmen.

5. Zuteilung der Aktien

Nach Festlegung des Emissionspreises können die Anteilsscheine den Investoren zugeteilt werden. Dabei werden die Aktien öffentlich zur Zeichnung angeboten. Während dieser vorher festgelegten Zeichnungsfrist legen sich potenzielle Anleger auf eine bestimmte Stückzahl fest. Ist die Nachfrage nach Aktien größer als das Angebot, spricht man davon, dass der Börsengang "überzeichnet" ist. Dann wird bestimmt, wie die Anteilsscheine zugeteilt werden.

6. Erstnotiz

Nach erfolgreicher Zuteilung der Aktien werden die Papiere erstmals an den Börsenparketts gehandelt. Dabei wird ein erster Kurs festgestellt, die so genannte Erstnotiz. Von diesem ersten Börsenkurs ist abhängig, ob die Investoren – in Abhängigkeit von dem gezahlten Emissionspreis – Zeichnungsgewinne oder -verluste einfahren.

7. Regulärer Handel an der Börse

Die Anteilsscheine können nun regulär am Kapitalmarkt gehandelt werden. Allgemeine Informationen zum Kauf und Verkauf von Wertpapieren können Sie zum Beispiel hier einsehen.

Quelle

Auch am Graumarkt, dem Handel vor dem Börsengang, lagen die Kurse über dem Emissionspreis. Auf der Plattform Schnigge notierte der Kurse zwischen 24,75/25,50 Euro, bei Tradegate lag der Preis für eine Covestro-Aktie vor der Erstnotiz bei 25,40 Euro.

Das Unternehmen wollte seine Aktien ursprünglich für einen Preis zwischen 26,50 bis 35,50 Euro platzieren. Wegen der eingetrübten Stimmung am Aktienmarkt senkte die Bayer-Kunststofftochter die Preisspanne aber auf 21,50 Euro bis 24,50 Euro. Der Börsengang ist Teil eines großangelegten Umbaus des Bayer-Konzerns. Covestro beschäftigt mehr als 16 000 Mitarbeiter und erzielt einen Umsatz von rund 12 Milliarden Euro.

Der in Leverkusen ansässige Konzern fertigt Vorprodukte für die Auto-, Möbel-, Haushaltsgeräte- und Bauindustrie. Covestro-Kunststoffe finden sich im Schaumstoff von Matratzen, Autositzen, aber auch in Blu-ray-Discs und dem Fußball-WM-Ball wieder. Mit dem Geld aus dem Börsengang will die Firma vor allem Schulden tilgen, die ihr der Mutterkonzern Bayer aufgebürdet hat.

Derzeit ist das Klima für Börsengänge nicht einfach. Der Autozulieferer Schaeffler musste seine Pläne abspecken und die Erstnotiz auf Freitag dieser Woche verschieben. Zumindest im Oktober wird sich nun wohl kein gewichtiger Kandidat mehr aufs Parkett trauen. Und selbst das erfolgreiche Börsendebüt des Online-Marktplatzes Scout24 verlief am Donnerstag nicht ungetrübt: Am gestrigen Mittwoch notierte die Aktie unter dem Ausgabepreis von 30 Euro.

Der Duisburger Baustoffhersteller Xella schiebt einem Insider zufolge seine Börsenpläne auf die lange Bank. Das vor allem für den Porenbeton „Ytong“ bekannte Unternehmen zolle damit dem Abwärtstrend an den Aktienmärkten Tribut, sagte eine mit den Plänen vertraute Person der Nachrichtenagentur Reuters am Montag.

Schon in den vergangenen Handelstagen zeichnete sich ab, dass die hohen Kursschwankungen an der Börse alle weiteren Pläne für neue IPO-Kandidaten durchkreuzen. „Im Moment ist das Börsenfenster nahezu geschlossen. Zyklische Unternehmen sind in diesen Wochen nur sehr schwer an die Börse zu bringen. Das kann aber im November schon wieder ganz anders ein“, meint Klaus Fröhlich, Leiter Kapitalmarktgeschäft für Deutschland bei Morgan Stanley. 

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