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06.06.2017

12:42 Uhr

Essen-Lieferdienst

Delivery Hero beliefert die Börse

VonPeter Köhler

Nach dem Restaurant-Betreiber Vapiano will jetzt auch der Essen-Lieferdienst Delivery Hero den Kurszettel der Frankfurter Börse bereichern. Das Unternehmen verkauft eine Wachstums-Story, schreibt aber noch rote Zahlen.

Essens-Lieferdienste: Delivery Hero ist auf dem umkämpften deutschen Markt unter anderem mit Foodora aktiv. Reuters

Foodora-Kurier in Berlin

Essens-Lieferdienste: Delivery Hero ist auf dem umkämpften deutschen Markt unter anderem mit Foodora aktiv.

FrankfurtNiklas Östberg kommt dem Klischee des Start-up-Unternehmers ziemlich nah. Bei der Präsentation seines Essen-Lieferdienstes in Frankfurt trägt er ein weißes T-Shirt, Blue Jeans und löffelt sein Mittagessen aus einer Alu-Folie. Der Schwede ist im Umgang lässig, verfolgt aber ehrgeizig hoch gesteckte Ziele. „Wir haben wirklich große Ambitionen in den kommenden zehn bis 15 Jahren, unser Geschäftsmodell kann dann vielleicht 30 Mal so groß sein wie heute“, sagte der Chef von Delivery Hero.

Der Börsengang des Unternehmens soll dabei ein Meilenstein werden und noch vor der Sommerpause über die Bühne gehen. Über die Ausgabe neuer Aktien sollen 450 Millionen Euro erlöst werden, weitere Anteile werden an die Altaktionäre abgeben. Finanzkreise schätzen, dass der Börsengang am Ende zwischen 750 Millionen und einer Milliarde Euro in die Kasse spülen kann. Mit den frischen Mitteln sollen Verbindlichkeiten zurückgeführt und die Expansion finanziert werden, neben organischem Wachstum sind auch Akquisitionen nicht ausgeschlossen.

Wie Deutsche ihr Vermögen verteilen – und welche Folgen dies hat

Wo steckt das viele Geld?

Sparbuch und Co. werfen wegen der Zinsflaute kaum noch etwas ab, zugleich nagen die Niedrigzinsen an der Rendite von privaten Renten- und Lebensversicherungen. Dennoch liegt das Geld vor allem auf Girokonten, es steckt in Sparbüchern oder Lebensversicherung. Der größte Posten waren der Bundesbank zufolge Ende vergangenen Jahres Bargeld, Geld auf Girokonten oder Spareinlagen mit insgesamt 2.200 Milliarden Euro. Weitere 2.113 Milliarden Euro steckten in Versicherungen und Pensionseinrichtungen. 2016 hatten einer GfK-Umfrage zufolge 40 Prozent der Bundesbürger ihr Geld auf einem Sparbuch angelegt – wohlwissend, dass es sich um eine unattraktive Form der Geldanlage handelt.

Was ist mit Aktien?

Die meisten Menschen in Deutschland meiden Aktien nach wie vor. Die Zahl der Aktienbesitzer in Deutschland sank im vergangenen Jahr sogar wieder unter die Marke von neun Millionen. „Die Deutschen sind eben leider immer noch kein Volk der Anleger, sondern ein Volk der Sparer - daran hat selbst die anhaltende Niedrigzinsphase bis heute nichts ändern können“, meint der Hauptgeschäftsführer der Deutschen Schutzvereinigung für Wertpapierbesitz (DSW), Marc Tüngler.

Welche Folgen hat das?

Sparer verzichten nicht nur auf Gewinne durch steigende Börsenkurse, sondern auch auf Dividenden. Nach Berechnungen von Aktionärsvertretern schütten allein die 30 Börsenschwergewichte im Leitindex Dax in diesem Jahr die Rekordsumme von 31,6 Milliarden Euro an ihre Anteilseigner aus. Die Gewinnbeteiligung bei 640 untersuchten Aktiengesellschaften steigt im Vergleich zum Vorjahr um rund 9 Prozent auf die Bestmarke von insgesamt 46,3 Milliarden Euro.

Sind Aktien immer eine gute Wahl?

Nicht unbedingt. Zwar gelten die Anteilsscheine langfristig als lukrative Geldanlage. Wer beispielsweise Ende 1995 Aktien kaufte und bis Ende 2010 hielt, habe in diesem Zeitraum im Schnitt 7,8 Prozent Rendite pro Jahr erzielt, rechnet das Deutsche Aktieninstitut (DAI) vor. Doch nicht jede Aktie zahlt sich aus - wie die DSW-Liste der 50 „größten Kapitalvernichter“ zeigt. Wer dort investierte, musste herbe Kursverluste hinnehmen, „die durch die Dividendenzahlungen meist nicht ansatzweise kompensiert werden konnten“, wie Tüngler erläutert.

Wie ist der Reichtum verteilt?

Darüber gibt die Analyse der Bundesbank keine Auskunft. Der aktuelle Armut- und Reichtumsbericht der Bundesregierung kommt aber zu dem Ergebnis, dass die reichsten zehn Prozent der Haushalte mehr als die Hälfte des gesamten Netto-Vermögens besitzen. „Die untere Hälfte nur ein Prozent“, erläuterte Sozialministerin Andrea Nahles (SPD) jüngst. Von dem seit Jahren anhaltenden wirtschaftlichen Aufschwung in Deutschland profitieren danach vor allem die Reichen. „Die unteren 40 Prozent der Beschäftigten haben 2015 real weniger verdient als Mitte der 90er Jahre“, so die Ministerin.

Aktuell hält die Beteiligungsgesellschaft Rocket Internet rund 35 Prozent des Aktienkapitals, zehn Prozent der südafrikanische Investor Naspers, der vor kurzem für fast 350 Millionen Euro eingestiegen war.

Delivery Hero ist nach eigenen Angaben in 35 Ländern die Nummer Eins bei Essen-Lieferdiensten, im vergangenen Jahr wurden 197 Millionen Bestellungen abgewickelt – das entsprach einem Plus von 52 Prozent auf vergleichbarer Basis. Der bereinigte Umsatz stieg um 71 Prozent auf 347 Millionen Euro. Analysten vergleichen das Unternehmen mit den Konkurrenten Just Eat (Großbritannien/Dänemark), Grubhub (USA) sowie Takeaway.com (Niederlande), aber auch mit dem US-Fahrdienst Uber.

Eröffnet Vapiano einen IPO-Reigen?: Pizza fürs Parkett

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Premium Pizza fürs Parkett

Nach einer langen Flaute strebt jetzt eine ganze Reihe von Kandidaten an die Börse. Den Auftakt macht wohl die Restaurantkette Vapiano. Die deutsche Börsenlandschaft hat eine Blutzufuhr auch bitter nötig.

Die meisten Fragen der Investoren und Journalisten drehen sich um die Profitabilität des Geschäftsmodells: Bisher schreibt Delivery Hero rote Zahlen und CEO Östberg wollte auch am Dienstag in einer Telefonkonferenz keine konkrete Prognose für das Erreichen der Gewinnschwelle wagen. Der operative Verlust (Ebitda) ging 2016 auf 116 Millionen Euro zurück, im Jahr zuvor hatte er bei 175 Millionen Euro gelegen. Während das Unternehmen beispielsweise im Nahen Osten mit guten Gewinnmargen arbeiten kann, gilt der Markt in Deutschland als heiß umkämpft. Delivery Hero ist unter anderem mit den Marken Foodora und Pizza.de präsent, der Wettbewerber Takeaway mit Lieferando.

In der vergangenen Woche hatte bereits die Restaurant-Kette Vapiano ihr Initial Public Offering – abgekürzt IPO – angekündigt, das aber deutlich kleiner ausfallen wird als der Börsengang von Delivery Hero. Insgesamt erwarten Investmentbanker in Frankfurt für dieses Jahr etwa zehn bis zwölf Neulinge auf dem Parkett. Federführend begleitet wird der Börsenaspirant von Goldman Sachs, Citigroup und Morgan Stanley.

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