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11.07.2011

12:39 Uhr

Euro-Krise

Anleger scheuen Allianz-Aktie

Unsicherheiten um eine mögliche Aufstockung des Euro-Rettungsschirm haben die Finanzwerte am Montag belastet - unter ihnen auch die Allianz. Das Analystenlob scheint derzeit nicht zu interessieren.

Für die meisten Analysten ein klarer Kauf: Die Allianz Quelle: dpa

Für die meisten Analysten ein klarer Kauf: Die Allianz

Der Versicherungskonzern gehörte am Montag mit einem Minus von 3,3 Prozent bei 92,49 Euro zu den größten Verlierern im Dax. Einzig die Commerzbank, deren zweitgrößter Anteilseigner die Allianz ist, verlor noch mehr. Innerhalb einer Woche haben die Papiere damit mehr als sechs Euro verloren. Marktteilnehmer machten dafür die erneute Unsicherheit um die Euro-Schuldenkrise verantwortlich, die Gift für die Finanzwerte sei. „Da wäre schon ein großer Befreiungsschlag vonnöten, um diese Spekulationen zu beenden. Aber wo soll das herkommen?“, fragte ein weiterer Börsianer in Frankfurt.

Einem Pressebericht zufolge fordert die EZB zum Schutz von Italien eine deutliche Aufstockung des Euro-Rettungsschirms. Daneben schwele noch die Krise in den USA, wo die Verhandlungen der Demokraten von Präsident Barack Obama und den Republikanern, die im Repräsentantenhaus das Sagen haben, bislang keine Einigung über eine Anhebung der Schuldengrenze brachten. „Das könnte die Investoren in den nächsten Tagen noch zusätzlich irritieren“, gaben die Analysten von Close Brothers Seydler zu bedenken. „Im Moment herrscht am Markt noch der Konsens, dass sich die Kontrahenten bei allen Streitereien am Ende doch auf eine Lösung einigen werden.“

Die Allianz selbst hatte zuletzt durch die angekündigte Ausgabe einer Wandelanleihe von sich reden gemacht. Hinter der Spezialanleihe Coco-Bond verbirgt sich eine Wandelanleihe, die automatisch in Aktien gewandelt wird, wenn zum Beispiel das Eigenkapital der Allianz unter eine bestimmte Schwelle sinkt. Die Anleihe hat ein Volumen von 500 Millionen Euro und eine Laufzeit von 30 Jahren. Die Allianz verkaufte sie im Rahmen einer Privatplatzierung an den japanischen Lebensversicherer Nippon Life. Die Gewinnverwässerung aus der Transaktion dürfte nur gering ausfallen, schrieb Analyst Thomas Jacquet von französischen Investmentbank Exane BNP Paribas in einer Studie. Sie ermögliche die Verbesserung der Kapitalquoten gemäß den Eigenkapitalregeln "Solvency II" zu begrenzten Kosten. Er bekräftigte daher seine Kaufempfehlung.

Matthias Engelmayer von Independent Research sah durch den Verkauf keine Vorteile für die Allianz. Weder habe sie Kapitalbedarf, noch sei der wettbewerbsintensive japanische Markt ein Ziel. Auch bräuchten die Münchener keine Unterstützung bei der Bearbeitung der asiatischen Wachstumsregionen. Er stufte die Aktie bei "Halten" ein.

Analyst Andy Broadfield von Barclays Capital hält den Versicherer allgemein für strukturell attraktiv, wenngleich das Engagement in den von Finanzkrisen geplagten europäischen Ländern etwas hoch erscheine. Insgesamt sei das Risiko für den Sektor handhabbar, wenngleich es die Stimmung des Marktes kurzfristig belasten könne. Er bleibe bei seiner Kaufempfehlung für die Titel.

Die Allianz-Aktie befindet sich momentan zwischen dem Jahrestief von 80,53 Euro und dem Jahreshoch bei 108,05 Euro. Die Mehrheit der Analysten gibt sich optimistisch, dass der Kurs bald wieder deutlich nach oben verläuft. Das durchschnittliche Kursziel sehen sie bei rund 115 Euro. Von 34 Experten geben 26 eine Kaufempfehlung ab, während acht den Titel neutral einstufen. Eine Verkaufsempfehlung gab es indes nicht.

Allianz-Chef Michael Diekmann hält an seinem Gewinnziel von acht Milliarden Euro fest Quelle: dpa

Allianz-Chef Michael Diekmann hält an seinem Gewinnziel von acht Milliarden Euro fest

Auf der letzten Hauptversammlung Anfang Mai hielt Allianz-Chef Michael Diekmann an seinem Gewinnziel von acht Milliarden Euro fest, obwohl Schuldenkrise und Naturkatastrophen den Konzern belasten. Dennoch sieht es danach aus, als wenn er nach zwei Jahren mit steigenden Gewinnen für 2011 wahrscheinlich nur Stagnation präsentieren kann. In der Schadens- und Unfallversicherung ist es fraglich, ob die Versicherer das Preisniveau halten können; im Geschäft mit Lebensversicherungen werfen strengere Kapitalvorschriften ("Solvency II") ihre Schatten voraus; und in der Vermögensverwaltung wird es schwer, angesichts wackliger Märkte das gute Jahr 2010 zu toppen. Zudem belasten Naturkatastrophen die Zahlen - allein die Japan-Katastrophe bisher mit 320 Millionen Euro. Unterm Strich dürfte die Allianz in diesem Jahr ähnlich wie 2010 aus rund 105 Milliarden Euro Geschäftsvolumen gut fünf Milliarden Euro Reingewinn holen. Das reicht für eine moderate Bewertung der Aktie und für weiterhin 4,50 Euro Dividende. Zum aktuellen Kurs könnte das für Einsteiger interessant sein.

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