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07.04.2016

09:22 Uhr

Ex Dividende

Minus fünf Prozent über Nacht? Keine Panik!

VonKatharina Schneider

Auf den ersten Blick ist der Schock groß: Von heute auf Morgen bricht ein Aktienkurs ein – trotz guter Geschäftszahlen und eines ruhigen Marktumfelds. Die Erklärung ist einfach und Anleger können davon sogar profitieren.

Wenn ein Aktienkurs einbricht, muss das kein Grund zur Panik sein. Imago

Verzweifelt vor dem Laptop

Wenn ein Aktienkurs einbricht, muss das kein Grund zur Panik sein.

FrankfurtRuhe bewahren! Diesen Tipp kann man Anlegern eigentlich immer geben. Panikartig sollten sie sich nie von ihren Aktien trennen oder neue dazu kaufen. Momentan ist überlegtes Handeln aber besonders wichtig, denn die Dividendensaison hat begonnen – und das kann die Aktienkurse ganz schön durcheinanderwirbeln. Dass Kurse über Nacht um mehrere Prozent einbrechen, kann jetzt völlig normal sein.

Am heutigen Donnerstag sollten Anleger die Daimler-Papiere genau beobachten, denn gestern auf der Hauptversammlung haben die Aktionäre über die Dividende abgestimmt. Pro Aktie sollen stolze 3,25 Euro an die Anteilseigner fließen, 80 Cent mehr als im Vorjahr. Insgesamt erhalten die Aktionäre 3,5 Milliarden Euro. Eine solch hohe Ausschüttung gab es bei dem Stuttgarter Autobauer noch nie.

Dividenden - Fragen und Antworten

Was ist eine Dividende?

Die Dividende ist der Anteil am Gewinn einer Aktiengesellschaft, den ein Konzern direkt an die Anleger ausschüttet. Einen Anspruch auf Dividende haben Aktionäre nicht. Unternehmen können das Geld auch nutzen, um Schulden zurückzuzahlen, Investitionen zu tätigen oder Übernahmen zu finanzieren. Manche Unternehmen wie die Deutsche Telekom zahlen Aktionären auch eine Mindest-Dividende.

Was ist die Dividendenrendite?

Die Dividendenrendite gibt den prozentualen Anteil der Dividende am Aktienkurs an.

Wer bekommt eine Dividende und wann?

Dividendenberechtigt ist jeder, der am Tag der Hauptversammlung mindestens eine Aktie des Unternehmens im Depot hat – egal, ob er sie bereits vor Jahren oder erst am Tag zuvor gekauft hat. Der vom Management vorgeschlagene Bonus wird mit den Stimmen der Aktionäre bei der Hauptversammlung beschlossen. Schon direkt am Folgetag oder kurz darauf landet die Dividende auf dem Konto des Anlegers. In Deutschland ist eine jährliche Dividendenzahlung üblich.

Lohnt es sich, eine Aktie nur zur Ausschüttung zu kaufen?

Von der verlockenden Strategie, kurz vor dem Stichtag zu kaufen, um einen Tag danach wieder zu verkaufen, raten Experten Normalanlegern ab. Denn schon vorher ist üblicherweise die vom Unternehmen angekündigte Dividende im Aktienwert „eingepreist“. Das heißt, der Kurs ist in den Wochen vor der Hauptversammlung um diesen Betrag gestiegen – und fällt danach meist wieder.

Was bekommt das Finanzamt?

Seit 2009 gilt die Abgeltungsteuer für Kapitaleinkünfte, die eine pauschale Besteuerung von 25 Prozent vorsieht. Für Aktionäre bedeutet dies, dass ein Viertel ihrer Dividenden an den Fiskus wandert. Die Banken, bei denen Aktionäre ihre Depots verwalten, führen die Steuer automatisch ab. Bei Wertpapierbeständen im Ausland müssen Anleger selbst aktiv werden und die Dividenden in der Steuererklärung angeben.

Ausgezahlt wird die Dividende in der Regel am Tag nach der Hauptversammlung – im Fall von Daimler also heute. An diesem Tag werden die Papiere „ex Dividende“ gehandelt. Um Anleger darauf aufmerksam zu machen, tragen die Kurse dann den Zusatz „xD“ oder „exDiv“. Das bedeutet, dass der Kurs um den Ausschüttungsbetrag reduziert wurde. Mathematisch betrachtet hieße das für Daimler: Da die Papiere am Mittwoch bei 62,50 Euro geschlossen haben, hätten sie heute 3,25 Euro weniger kosten müssen, also bei 59,25 Euro notieren sollen.

Tatsächlich gab die Daimler-Aktie zum Handelsauftakt etwas weniger nach: Das Papier notierte mit einem Minus von 2,56 Euro um 4,1 Prozent tiefer auf 59,40 Euro. „Die Kursentwicklung lässt sich nicht genau vorhersehen, weil am Morgen gleich schon neue Orders ausgeführt werden, die bereits vor Börsenöffnung abgegeben wurden“, erklärt Florian Weber Chef der Schnigge Wertpapierhandelsbank aus Düsseldorf. Dass die Kurstafel am Morgen exakt 59,25 Euro anzeigen würde, war also unwahrscheinlich. „An einem starken Handelstag kann es sein, dass die Aktie die Dividendenausschüttung schnell wieder aufholt“, so Weber.

Die Dividende bekommt jeder Anleger, der die Aktie am Tag der Hauptversammlung und in der folgenden Nacht gehalten hat – egal, ob er sie schon ein Jahr lang im Depot hatte oder gerade erst erworben hat. Das bietet Raum für Spekulanten: „Wer darauf setzt, dass die Aktie den Kursverlust schnell wieder aufholt, kann sie am Tag vor der Ausschüttung kaufen, die Dividende einstreichen und sich nach einer Kurserholung wieder davon trennen“, erklärt Weber das Prinzip.

Im deutschen Leitindex machen sich die Dividendenauszahlungen allerdings nicht bemerkbar – zumindest nicht in jenem „Dax“, der in Deutschland im Fokus der Betrachtung steht. Wer vom Dax spricht, meint den Performance-Index. In seine Berechnung fließen die ausgeschütteten Dividenden mit ein – der theoretische Kursabschlag wird also durch Hinzurechnung der Dividende sofort wieder ausgeglichen. Anders dagegen beim Dax-Kurs-Index. Sein Kurs fällt nach Ausschüttungen.

Kommentare (15)

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Herr Michael Hoffmann

07.04.2016, 10:23 Uhr

Wo steht denn heutzutage noch ggf. exD neben dem Kurs?
Das ist äußerst selten geworden.

Auch auf dem verlinkten Kursblatt zu Daimler auf Handelsblatt.com taucht ein solcher Zusatz nicht auf.

Account gelöscht!

07.04.2016, 10:23 Uhr

Zumeist wird der Dividendenabschlag ja schon am nächsten Tag zu einem Teil wieder aufgeholt. So auch heute bei der Daimler. Große Adressen geben aber zumeist am Tag der HV in der Xetra-Schlussauktion noch ihre Stücke " Cum ". So auch gestern in bei DAI um 17:30, als das Papier 31 Cents mit über 3 Mio. Aktien abgab.

Herr Josef Schmidt

07.04.2016, 10:33 Uhr

Tolle Erholung -3%.

1997 stand die Aktie auch bei 60. Auch so ein Dividendenkönig der die Dividende über den Aktienkurs zunichte macht. Und das bei 60 Milliarden Nettoschulden oder 55€ Nettoschulden pro Aktie. Was für eine Perle.

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