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20.01.2005

11:13 Uhr

Experten ändern ihre Meinung über die Expansionsstrategie der spanischen Großbank

Santander punktet wieder bei Analysten

VonStefanie Müller (Handelsblatt)

Die Aktie der größten spanischen Bank Santander Central Hispano (SCH) kommt in der Analystenzunft wieder besser an. Viele Experten geben eine Kaufempfehlung ab oder erwarten zumindest, dass sich der Kurs durchschnittlich entwickelt.

MADRID. Im vergangenen Jahr hatten dagegen viele Analysten Zweifel, ob der Kauf der angeschlagenen britischen Hypothekenbank Abbey National tatsächlich eine gute Idee ist. Gerade viele ausländische Fachleute argumentierten, dass der sehr wettbewerbsorientierte britische Markt für die Spanier eine Nummer zu groß sei.

Der Kursverlauf belegt dieses Auf und ab. Zunächst legt die Großbank blendende Ergebnisse vor. Der Kurs steigt bis auf 9,60 Euro. Dann werden die Übernahmepläne publik. Die Notierungen sinken um mehr als 20 Prozent. Mittlerweile ist die Aktie wieder deutlich mehr als neun Euro wert. Und auch der Prozess gegen den Konzernpräsidenten Emilio Botín, der am kommenden Montag beginnt, wird dem Aktienkurs nach Analysteneinschätzung nichts anhaben können.

Der Madrider Broker Ibersecurities stuft die SCH-Aktie wieder als Kauf ein. Analyst Alvaro García sieht den Titel in den kommenden zwei Monaten bei 9,40 Euro: „Wir beurteilen den Kauf der Abbey National und den damit verbundenen massiven Einstieg in einen anderen europäischen Markt inzwischen als sehr positiv“ – auch wenn der britische Immobilienmarkt sich derzeit im Abschwung befinde und die Hypothekenbank darunter leiden werde: „Wir glauben, dass die SCH es mit ihrer Effizienzstrategie schaffen wird, das Finanzinstitut schnell wieder fit zu machen.“

Eine Art Effizienzstrategie erwarten die professionellen Börsenbeobachter offensichtlich auch im bevorstehenden Prozess gegen Botín. Der 70-jährige Mitinhaber der Großbank soll Topmanagern der Banco Central Hispano, die vor fünf Jahren mit Santander zur SCH fusioniert hatte, unangemessen hohe Abfindungen gezahlt haben. Ein Manager hatte zum Abschied 108 Millionen Euro erhalten. Gegen diesen goldenen Handschlag klagen nun Aktionäre.

Viele Analysten wie Reiner Osbild von Oppenheim Research sehen darin aber kaum Gefahren für den Aktienkurs: „Die Bank ist so solide im Markt etabliert und Botín hat über die Jahre ein so gutes Management aufgebaut, dass die SCH im Notfall auch eine Weile ohne ihren Chef auskommen könnte.“ Dass Botín ins Gefängnis komme, könne er sich nicht vorstellen, sagt Osbild.

In spanischen Internet-Diensten wurde bereits kolportiert, die sozialistische Regierung habe Einfluss auf die Auswahl der Richter genommen, um Botín Schützenhilfe zu leisten. Ähnlich wie sein Kollege Osbild argumentiert Analyst García. Der Prozess sei nicht kursbestimmend. Da sei die Strategie der SCH in Europa wesentlich wichtiger, und die sei überzeugender als die des ewigen Konkurrenten, der zweitgrößten spanischen Bank BBVA. Derzeit habe die SCH mit dem Kauf der Abbey National und ihrer starken Expansion in der Konsumfinanzierung dort jedoch eindeutig die Nase vorn.

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