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22.05.2012

09:54 Uhr

Facebook-Börsengang

Erst der Hype, dann der Spott

VonNils Rüdel

Für Facebook geht es am Dienstag weiter abwärts. Der vermurkste Börsengang verärgert Börsianer und sorgt im Netz für Hohn und Spott. Wer den Hype nicht erträgt, spielt Bingo – oder lenkt sich beim Facebook-Saufspiel ab.

Facebook-Aktien auf Talfahrt

Video: Facebook-Aktien auf Talfahrt

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Washington„Schadenfreude“ ist eines jener deutschen Wörter, die es in die englische Sprache geschafft haben, weil es keine treffende Übersetzung gibt. Zuletzt tauchte der Begriff in amerikanischen Zeitungen, Blogs und im Fernsehen häufiger auf als sonst, und der Anlass könnte kaum treffender sein: der verkorkste Börsengang von Facebook. 

So sieht etwa die „Los Angeles Times“ eine „ordentliche Portion Schadenfreude am Werk“. Der Technologieblog Slashgear schrieb von „wohligen Schauern der Schadenfreude auf dem Rücken“ bei jenen, die immer schon gewusst haben, dass der Mega-IPO nach dem beispiellosen Hype nur ein Reinfall werden kann. 

Das war noch vor dem gestrigen Montag, dem Tag, an dem für Facebook alles nur noch schlimmer kommen sollte. Nachdem sich die Aktie beim von Technik-Pannen begleiteten Börsengang am Freitag nur durch Stützungskäufe hauchdünn über dem Ausgabekurs von 38 Dollar gehalten hatte, rauschte sie gestern in die Tiefe. Mit einem Minus von rund elf Prozent ging sie schließlich aus dem Handel. Am Dienstag rutschten die in Frankfurt gelisteten Aktien um weitere knapp fünf Prozent ab. Damit lagen die Titel umgerechnet etwa 50 US-Cent unter dem US-Vortagesschluss von 34,03 Dollar.

Die Reaktionen der Börsianer waren verheerend. „Anleger stehen Schlange am Tor – sie wollen raus“, kommentierte ein Händler. Ein anderer sprach von einem „regelrechten Albtraum“. Wiederum ein anderer bemängelte, der Ausgabepreis sei „vollkommen unrealistisch gewesen“. Außer sich war auch der Ex-Trader und TV-Moderator Jim Cramer, der von einem „Fiasko“ sprach. Der Facebook-Börsengang, schimpfte er, sei „eines der am schlechtesten gehandhabten Dinge, die ich je gesehen habe“. 

Während die Finanzwelt schäumte, gab es im Internet viel Hohn und Spott über den vermurksten Börsengang. „Wo sind Facebooks Freunde?“, fragten die „New York Daily News“ über Twitter. „Uns wurde versprochen, Facebook würde wie eine Rakete abgehen“, twitterte Late-Night-Talker Jay Leno. „Offensichtlich handelt es sich um eine nordkoreanische Rakete“. Und Nutzer Todd Schnitt witzelte: „Ich hoffe, Zuckerbergs Ehe hält länger als der Hype um den Facebook-IPO“. Facebook-Gründer Mark Zuckerberg hatte am Samstag seine Freundin Priscilla Chan geheiratet.

Fakten aus dem Facebook Börsenprospekt

Volumen des Börsengangs

Zunächst 5 Milliarden US-Dollar, könnte aber noch erhöht werden

Betreuung

Begleitet wird der Börsengang unter der Leitung von Morgan Stanley. Mit im Team sind JPMorgan, Goldman Sachs und Bank of America/Merril Lynch.

Der „Zuckerberg-Faktor“

Unter den Risikofaktoren für Investoren nennt Facebook unter anderem den Weggang von Mark Zuckerberg.

Kürzel

Das Börsenkürzel für Facebook soll „FB“ werden. Das wird aber erst feststehen, wenn klar ist wo das Papier gehandelt wird.

Umsätze

3,7 Milliarden Dollar im vergangenen Jahr

Anteilsverhältnisse

Mark Zuckerberg hält an Facebook 28 Prozent. Das Management insgesamt 70 Prozent. Der Rest ist in den Händen von Finanzinvestoren.

Monatlich aktive Nutzer

845 Millionen beträgt die Zahl vom 31. Dezember 2011. Genau ein Jahr zuvor waren es noch 608 Millionen User.

Likes und Kommentare

Durchschnittlich 2,7 Milliarden pro Tag im letzten Quartal 2011

Foto-Uploads pro Tag

250 Millionen

Geschlossene Freundschaften

100 Milliarden

Gebändigter Zuckerberg

Auf Seite 28 des Prospekts werden die Aktionäre beruhigt, denen das Naturell Zuckerbergs - „Ich bin der Chef, Arschloch“ - aufstoßen könnte: „Als Verwaltungsratsmitglied steht Mr. Zuckerberg in der treuhänderischen Pflicht gegenüber unseren Aktionäre [und wird] nach gutem Gewissen und in einer Art und Weise handeln, (...) wie es im besten Sinne der Aktionäre ist.“

 

Kommentare (8)

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FrankFracht

22.05.2012, 10:40 Uhr

Wenn man sich an den Start der Aktie der Berliner Synchron vor sechs Jahren erinnert...stellt man Parallelen fest..
Natürllich gestaltete sich dieser Fehlstart in viel kleinerem Rahmen ..die Vollmundigkeit war die Gleiche...Der damalige CEO fand 6 Euro als Ausgabe viel zu niedrig...
" Wir sind uns mehr wert "Zitatende so orakelte er im besten Biedermeierstil.. 11 Euro hatte er angepeilt um sich schon nach einer Woche um 25 Prozent unter dem Ausgabewert wiederzufinden..bis heute hat dieses Papier 83 Prozent des Wertes verloren..
FF

guru

22.05.2012, 10:59 Uhr

Warum Schadenfreude? Facebook hat doch 16 Mrd kassiert - reicht das nicht? Es haben doch viele die Mondpreise der Aktie akzeptiert und gekauft. Dass auch die Banken, die für Facebook den Börsengang organisierten, nicht sonderlich glücklich sind, ist natürlich klar. Klar ist auch, dass sich einige Brokerhäuser und Investmentbanken kräftig die Finger verbrannt haben. Aber was ist das daran so tragisch?

Account gelöscht!

22.05.2012, 11:16 Uhr

In der 1. geblockten IPO-Stunde haben Zuckerberg und Freunde sofort meistbietend verkauft. Da bin ich mir ziemlich sicher. Die haben alle offenen Kauforders > 38 Dollar abgegrast im NASDAQ-System und alle Aktien verkauft.

In der Zeit konnte kein Investor "cancel" oder "change" seiner Order ausführen. 1 Stunde insider-Geld-Abräumen.

Und jetzt interessiert sich niemand mehr für die Aktien und Herr Zuckerberg bald auch nicht mehr für facebook, glaube ich. Das Geld hat er längst abgezeweigt.

Mal sehen, was der SEC-Bericht ergibt. Viel viel später natürlich. Die haben schon angekündigt, dass die Untersuchung sehr lange dauern wird.

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