Handelsblatt

MenüZurück
Wird geladen.

23.05.2012

05:16 Uhr

Facebook-Fiasko

Technologiebörse Nasdaq verklagt

Die technischen Probleme beim Börsengang von Facebook haben für die Nasdaq ein juristisches Nachspiel: Ein erster Investor hat die Nasdaq verklagt. Unterdessen hat die Technologiebörse weitere Fehler eingeräumt.

Die Nasdaq-Anzeigentafel in New York begrüßt Facebook. dapd

Die Nasdaq-Anzeigentafel in New York begrüßt Facebook.

New YorkDas Facebook-Fiasko geht weiter. Ein Investor aus dem US-Bundesstaat Maryland verklagte am Dienstag den Börsenbetreiber wegen Nachlässigkeit. Phillip Goldberg beantragte in seiner Klageschrift vor dem Bundesbezirksgericht in Manhattan den Status einer Sammelklage im Namen aller Investoren, die wegen der technischen Schwierigkeiten am 18. Mai Geld verloren hatten. Die Nasdaq räumte noch am Dienstag ein, bei dem IPO Fehler gemacht zu haben.

Investoren und Broker waren am Freitag beim Börsengang des weltgrößten sozialen Online-Netzwerks stundenlang im Unklaren über den Stand ihrer Kauf- und Verkaufsaufträge geblieben. Die US-Börsenaufsicht leitete bereits eine Untersuchung der Vorgänge ein. Nach Einschätzung von Investoren trugen die Pannen dazu bei, dass das Interesse an den Anteilsscheinen nicht so überschäumend ausfiel wie zunächst erwartet.

Nach einem Bericht des Wall Street Journals hätte die Nasdaq den Börsengang des sozialen Netzwerks Facebook gestoppt, wenn sie das Ausmaß der technischen Probleme gekannt hätte. Das soll der Nasdaq-Manager Eric Noll am Dienstag gegenüber Kunden eingeräumt haben. "Die Börse hätte den Handel ausgesetzt, wenn wir uns darüber klar gewesen wären, wie groß die technischen Probleme tatsächlich sind." Unklar ist weiterhin wann und wie genau Nasdaq-Kunden für die Fehler der Handelsplattform entschädigt werden sollen.

Auch für die Konsortialführer bahnt sich Ungemach an. Neben der US-Börsenaufsicht SEC kündigte auch der Vorsitzende der Regulierungsbehörde Finra, Richard Ketchum, an, die Vorfälle um den IPO bei Morgan Stanley zu prüfen. Unmittelbar vor der Erstnotiz senkte Morgan Stanley Anlegern zufolge die Umsatzprognose für das weltgrößte Online-Netzwerk. Sollte dies zutreffen, wäre dies ein Fall für die Regulierungsbehörden, sagte Ketchum der Nachrichtenagentur Reuters. Wegen der Vorwürfe kündigte auch der Bundesstaat Massachusetts eine Untersuchung an. Eine entsprechende Vorladung sei zugestellt worden, teilte die zuständige Landesbehörde mit.

Morgan Stanley erklärte am Abend, man habe bei Facebook die gleichen Abläufe eingehalten wie bei jedem anderen Börsengang auch. Dabei seien auch alle Vorschriften eingehalten worden.

Nach Daten des Anbieters Dealogic, die das „Wall Street Journal“ veröffentlichte, ist kein anderer US-Börsengang im Milliardenbereich seit 2007 so schlecht gelaufen. Von insgesamt 24 Börsenstarts standen demzufolge nach drei Handelstagen 8 im Minus.

Die Negativliste führt klar Facebook an. Das nächst schlechtere Unternehmen, der Vermögensverwalter Och-Ziff, kam auf ein Minus von 13 Prozent. Unter den Verlierern findet sich auch der enge Facebook-Partner und Spieleentwickler Zynga mit minus 8 Prozent.

Vor allem die Investmentbank Morgan Stanley, die den Facebook-Börsengang federführend organisierte, steht nun unter Beschuss. Die sogenannten „Underwriter“ hätten sich bei der Nachfrage verschätzt und zu viele Papiere auf den Markt geworfen, lautet der zentrale Vorwurf.

Und es kommt ein neuer hinzu: Nach Informationen des „Wall Street Journal“ haben sich Analysten von Morgan Stanley und der ebenfalls am Börsengang beteiligten Goldman Sachs eine Woche vor dem Börsengang kritischer zum künftigen Facebook-Geschäft geäußert.

Nachdem sich die Facebook-Papiere am ersten Handelstag, dem Freitag, noch einigermaßen halten konnten, kannten sie in dieser Woche bislang nur eine Richtung: nach unten. Nachbörslich fielen sie am Dienstag auf einen neuen Tiefstand von 30,80 Dollar.

Damit liegt das Papier in der zuerst angepeilten Preisspanne von 28 bis 35 Dollar. Facebook stockte den Ausgabepreis und die Zahl der Aktien jedoch später auf - was sich nun als fataler Fehler herausstellt.

Börsengang: Wie Facebook sich selbst schadete

Video: Börsengang: Wie Facebook sich selbst schadete

Ihr Browser unterstützt leider die Anzeige dieses Videos nicht.

Direkt vom Startbildschirm zu Handelsblatt.com

Auf tippen, dann auf „Zum Home-Bildschirm“ hinzufügen.

Auf tippen, dann „Zum Startbildschirm“ hinzufügen.

×