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22.08.2012

16:25 Uhr

Facebook

Selbst Mitgründer Moskovitz verkauft Aktien

Dustin Moskovitz hat sich eine Studentenbude mit Mark Zuckerberg geteilt. Was die Zukunft der Facebook-Aktie betrifft, ist der Mitgründer offenbar skeptisch. Er verkauft einen Teil seiner Aktien.

Für den Verkauf von Facebook-Aktien soll Dustin Moskovitz 8,8 Millionen Dollar kassiert haben. dapd

Für den Verkauf von Facebook-Aktien soll Dustin Moskovitz 8,8 Millionen Dollar kassiert haben.

New YorkDie Verkäufe von Facebook-Alteigentümern gehen weiter. Nun hat ein ehemaliger Zimmergenosse von Mark Zuckerberg und Mitstreiter aus der studentischen Anfangszeit des Sozialen Netzwerks einige seiner Anteile versilbert. Dustin Moskovitz kassierte dabei gut 8,8 Millionen Dollar (7,1 Mio Euro), wie aus einer Börsenmitteilung vom späten Dienstag (Ortszeit) hervorgeht.

Anders als beim deutschstämmigen Silicon-Valley-Investor Peter Thiel, der den Großteil seiner Facebook-Aktien abgestoßen hat, kann bei Moskovitz allerdings keine Rede von einem Ausstieg sein. Er trennte sich lediglich von 450.000 seiner insgesamt 133,7 Millionen Aktien - vielleicht, weil er Bares brauchte. Sein verbleibendes Facebook-Paket ist nach aktuellem Stand 2,6 Milliarden Dollar schwer.

Die größten Sorgen von Facebook

Die Nutzer bleiben aus

Facebook ist seit seinen Anfängen im Februar 2004 rasend schnell gewachsen. Das Soziale Netzwerk hat mehr als eine Milliarde aktive Nutzer, knapp 600 Millionen schauen sogar täglich vorbei. „Die Größe unserer Nutzerbasis und ihre Bindung an uns ist entscheidend für unseren Erfolg“, erklärt Facebook. Es gebe aber keine Garantie dafür, dass neue Funktionen gut ankämen und die Mitglieder bei Laune hielten. „Auch eine ganze Reihe anderer sozialer Netzwerke hat schnell an Popularität gewonnen, seitdem ist die Zahl der aktiven Nutzer aber zurückgegangen, in manchen Fällen sogar jäh.“ Facebook spielt damit auf den einst großen Rivalen MySpace an; auch die deutschen Konkurrenten SchülerVZ und StudiVZ bekommen den Facebook-Hype drastisch zu spüren.

Die Werbung bleibt aus

Emsige Nutzer sind gut und schön, aber das Geld bringen erst die Werbekunden. Knapp 90 Prozent der Einnahmen stammten im vergangenen Jahr aus Anzeigen. Bislang tut sich die Werbebranche aber noch schwer damit, den Wert von Facebook-Anzeigen zu erkennen, in vielen Unternehmen gelten sie eher als Experiment denn als fester Bestandteil der Kampagnen. Überdies besuchen immer mehr Nutzer Facebook mit dem Smartphone oder Tablet-Computer. Auf den kleinen Bildschirmen der mobilen Geräte lässt sich Werbung jedoch schlechter platzieren. Immerhin konnte das US-Unternehmen bei den mobilen Anzeigen zuletzt deutlich zulegen – ein Hoffnungszeichen für die Investoren.

Die Konkurrenz schläft nicht

Facebook ist zwar die unumstrittene Nummer eins unter den Sozialen Netzwerken, doch das Internet ist groß. „Wir sehen uns in nahezu jedem Bereich unseres Geschäfts Konkurrenz gegenüber, darunter von Firmen wie Google, Microsoft und Twitter“, erklärt Facebook in einem Bericht an die Börsenaufsicht SEC. So hat Google mit Google+ ein eigenes Soziales Netzwerk aufgezogen, das allerdings noch deutlich kleiner ist als der blaue Riese. Es gibt auch starke regionale Netzwerke, Facebook führt namentlich Cyworld in Korea, Mixi in Japan, die Google-Tochter Orkut in Brasilien und Indien sowie vKontakte in Russland auf. Auf dem chinesischen Markt, wo Facebook noch gar nicht vertreten ist, warten die Platzhirsche Renren, Sina und Tencent. „Einige unserer aktuellen und künftigen Rivalen haben deutlich mehr Ressourcen und eine bessere Stellung in bestimmten Märkten als wir.“

Die Staatsmacht greift durch

Die Regierungen haben Facebook im Blick: „Es ist möglich, dass die Regierungen in einem oder mehreren Ländern die Inhalte von Facebook zensieren oder den Zugang zu Facebook einschränken“, weiß das Unternehmen. Denn das Soziale Netzwerk kann ungeahnte Kräfte entfalten – wie der arabische Frühling zeigte. Die jungen Menschen, die auf die Straße gingen, hatten sich nicht zuletzt über Facebook organisiert. Es habe bereits Zensur unter anderem in Iran, Nordkorea und Syrien gegeben, zählt Facebook auf. Alles große Märkte. In anderen Ländern wie Deutschland musste sich Facebook wiederum Kritik an einem laschen Umgang mit dem Datenschutz vorhalten lassen.

Die Nerds untergraben das Geschäft

Facebook-Chef Mark Zuckerberg sagt, ihm gehe es nicht in erster Linie ums Geldverdienen. Er wolle das Netzwerk vorantreiben. Auf diese Linie hat er auch seine mehr als 3000 Mitarbeiter eingeschworen. „Wir haben eine Kultur, die die Mitarbeiter dazu ermuntert, schnell neue Produkte zu entwickeln und sie rasch einzuführen.“ Diese Firmenkultur vertrage sich aber nicht immer mit dem Geschäftlichen, räumt Facebook ein. „Wir treffen regelmäßig Produktentscheidungen, die unseren Umsatz und unsere Profitabilität kurzfristig schmälern können.“

Moskovitz hatte sich mit Zuckerberg ein Zimmer im Studentenwohnheim an der Eliteuni Harvard geteilt und Facebook im Jahr 2004 mit aus der Taufe gehoben. 2008 verließ er das Unternehmen, behielt aber seinen Anteil. Anders als Ex-Kommilitone Zuckerberg trennte sich Moskovitz auch beim Börsengang von keiner einzigen Aktie.

Angesichts des sinkenden Kurses könnte der Mitgründer seine Zurückhaltung aber aufgeben und schon bald weitere Anteile unters Volk bringen. Er hatte in der vergangenen Woche 7,5 Millionen seiner stimmrechtsstarken B-Aktien in die frei handelbaren A-Aktien umgewandelt. Abzüglich des ersten Verkaufs könnte er also von jetzt auf gleich weitere 7,05 Millionen Anteile zu Geld machen.

Die Börsianer schauen derzeit mit Argusaugen darauf, wer noch alles bei Facebook verkauft. Die Aktie lag im vorbörslichen Handel am Mittwoch ein halbes Prozent im Plus bei 19,28 Dollar. Gegenüber dem Ausgabekurs vom Börsengang im Mai hat sie damit rund die Hälfte ihres Wertes verloren.

Die größten Börsengänge der Welt

General Motors

General Motors: 23,1 Mrd. Dollar (2010, USA)

Agricultural Bank of China

Agricultural Bank of China: 22,1 Mrd. Dollar (2010, China)

ICBC

ICBC: 21,97 Mrd. Dollar (2006, China)

Visa Inc

Visa Inc: 19,65 Mrd. Dollar (2008, USA)

NTT Mobile Communications

NTT Mobile Communications: 18,05 Mrd. Dollar (1998, Japan)

Enel SpA

Enel SpA: 16,59 Mrd. Dollar (1999, Italien)

Nippon Telegraph and Telephone

Nippon Telegraph and Telephone: 13,75 Mrd. Dollar (1986, Japan)

Deutsche Telekom

Deutsche Telekom: 12,49 Mrd. Dollar (1996, Deutschland)

Bank of China

Bank of China: 11,19 Mrd. Dollar (2006, China)

Dai-ichi Life Insurance

Dai-ichi Life Insurance: 11,16 Mrd. Dollar (2010, Japan)

In der vergangenen Woche war eine erste sogenannte Haltefrist abgelaufen, die Alteigentümer bislang davon abgehalten hatte, sich von weiteren Papieren zu trennen. Durch derartige Haltefristen soll das Vertrauen in einen Börsenneuling gestärkt werden. Bis zum Jahresende fallen bei Facebook fast alle Beschränkungen. So dürfen vom 15. Oktober an auch einfache Mitarbeiter ihre Anteilsscheine verkaufen, die sie als Teil ihres Gehalts bekommen haben.

Der Börsengang im Mai hatte 16 Milliarden Dollar in die Kasse des Unternehmens und der Alteigentümer gespült. Facebook insgesamt war damals rund 104 Milliarden Dollar schwer. Der Jubel verstummte aber schnell. Sorgen um die Entwicklung der überlebenswichtigen Werbeeinnahmen haben das Vertrauen der Anleger schwinden lassen. Die Verkäufe von Facebook-Insidern taten ihr Übriges.

Von

dpa

Kommentare (3)

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Geldmaschine_Facebook

22.08.2012, 17:43 Uhr

Der Bewertung von Facebbok wurde ganz bewußt von verbündeten Unternehmen nach oben getrieben obwohl bekannt war das dieses "Geschäftsmodell" auf Dauer nicht funktionieren kann. Somit haben die Gründer bereits von Anfang an geplant dann möglichst schnell Pakete zu verkaufen um Geld zu bekommen , bevor die Aktien weiter sniken und man den wahren Wert erkennt... da alle die Möglichkeit hatten sich vorab zu informieren kann man es nicht Betrug nennen... man darf es in Deutschland nicht mehr erwähnen, aber wer Interesse hat sollte sich einmal ansehen WER die Gründer sind und wer noch hinter Facebook steht... vielleicht wird manch einem dann einiges klar...

Account gelöscht!

22.08.2012, 20:58 Uhr

unsinn, werbung auf fb funktioniert, sie haben also ein tragfähiges geschäftsmodell. ob das allerdings richtig bewertet wurde steht auf einem anderen blatt....

Annonym

23.08.2012, 10:09 Uhr

Zu gut Herr Anonym :-)

Abgeleitet vom Zuckerberg weiss ich natürlich von "Wem" Sie sprechen....

Können Sie aber weitere Namen nennen, deren "Zugehörigkeit" nachvollziehbar ist?

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