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18.05.2012

22:36 Uhr

Facebooks Börsengang

Krimi ohne Happy End

VonNils Rüdel

Die Erwartungen waren riesig – doch Facebook hat sie enttäuscht. Der Kurs der Facebook-Aktie hielt sich zeitweise nur durch Hilfe von Banken im Plus. Firmengründer Mark Zuckerberg ist trotzdem zufrieden.

Facebook-Aktien eröffnen mit 42 Dollar

Video: Facebook-Aktien eröffnen mit 43 Dollar

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Washington„Was machst Du gerade?“, fragt Facebook seine Nutzer auf ihrem Profil und fordert sie auf zu schreiben, was ihnen so durch den Kopf geht. Auf Mark Zuckerbergs Seite finden sich dazu viele Einträge, über seinen Hund etwa oder auch die Meldung, er sei jetzt Organspender. Am Freitagmorgen änderte der 28-Jährige seinen Staus erneut. Er schrieb: „Mark hat ein Unternehmen an die Nasdaq gebracht“. Binnen einer Stunde hatte der Eintrag 200 „Gefällt mir“-Klicks. „Wow, gratuliere“, kommentierten die Nutzer, oder auch einfach nur „Wahnsinn!“.

So klingt es in der Facebook-Welt, wenn das soziale Netzwerk einen der größten Börsengänge aller Zeiten hingelegt und seinen Gründer und Chef Zuckerberg zum Multimilliardär macht. Gleichzeitig fieberte am Freitag die gesamte Finanzwelt und die Wirtschaftspresse rund um den Globus mit, wie sich das Papiere des Neulings an der Technologiebörse Nasdaq in New York entwickelte. Was sie erlebten, war ein wahrer Krimi, allerdings vorläufig ohne Happy End.

Diese Stimmen hatten den Facebook-Börsengang begleitet

Warren Buffett

Warren Buffett (Star-Investor)

„Die Idee, dass eine frisch an den Markt gebrachte Firma unter tausenden und abertausenden Firmen weltweit die günstigste Gelegenheit ist, ist einfach dümmlich."

Michael Pachter

Michael Pachter (Analyst bei Wedbush)

„Die platzierenden Banken haben es völlig vergeigt.“

Phillip Goldberg

Phillip Goldberg (Investor)

"Orders von Investoren, die am ersten Handelstag Facebook- Aktien kaufen wollten, wurden häufig erst Stunden später ausgeführt. In der Zwischenzeit hatten die Investoren, die diese Aktien kaufen wollten, keine Ahnung, ob ihre Geschäfte ausgeführt worden waren und daher keine Ahnung, ob sie überhaupt Facebook-Aktien hielten."

Goldberg hat Klage gegen den Börsenbetreiber Nasdaq eingereicht.

Mary Schapiro

Mary Schapiro (SEC-Chefin)

„Es gibt einige Probleme, die wir uns anschauen müssen, vor allem im Zusammenhang mit Facebook.“

Robert Greifeld

Robert Greifeld (Nasdaq-Chef)

„Es hat ganz klar Fehler gegeben.“

Jim Cramer

Jim Cramer (Ex-Börsenhändler und TV-Moderator)

„Es ist unbestritten, dass (Facebook) ein schnell wachsendes und gut geführtes Unternehmen ist und es könnte ein guter Deal sein (…) Nur nicht am Eröffnungstag“.

Henry Blodget

Henry Blodget (Chef der Analyseplattform “Business Insider”)

“Wenn sich das Wachstum nicht wieder zulegt, ist es schwer zu sehen, wie die Aktie groß zulegen soll“

David Rolfe

David Rolfe (Investmentchef von Wedgewood Partners)

„Die Wall Street ist ein strenger Lehrmeister. Nun wird von Facebook erwartet, dass das Unternehmen regelmäßig seine Ziele anhebt, um sie dann zu übertreffen.“

Simon Lee

Simon Lee (Analyst bei der Navy Federal Credit Union)

„Für Facebook ist immer noch eine Menge mehr Platz, und es wird weiterhin mehr Nachfrage nach der Aktie als Angebot geben 

Yves Maillot

Yves Maillot (Head of Investments von Robeco Gestions)

„Facebooks Preisgestaltung erscheint recht teuer zu sein" Der Börsengang dränge darüber hinaus in ein „sehr schwieriges Umfeld für den US-Aktienmarkt."

Tom Taulli

Tom Taulli (IPO-Experte für Tech-Aktien)

„Banker werden das Beispiel als Erinnerung für Firmen nutzen, dass sie beim Preis nicht zu hoch greifen sollten. Die Devise 'der Himmel ist die Grenze' gilt nicht mehr.“

John Scandalios

John Scandalios (Leiter Franklin Templeton Technologiefonds)

„Bei den Geschäftsmodellen gibt es noch viele offene Fragen"

Nick Einhorn

Nick Einhorn (Analyst der Beratungsfirma Renaissance Capital)

"Es war nicht so aufregend, wie es hätte sein können. Aber ich denke nicht, dass wir den Börsengang als Misserfolg werten sollten."

Larry Page

Larry Page (Gründer und Konzernchef von Google)

„Wir haben versucht, mehr einfache Leute teilhaben zu lassen.

In einer Talkshow äußerte sich Page über die Unterschiede zwischen den Börsengängen von Google und Facebook.

Bereits der Start war rumpelig. Wegen der Masse an Kauf- und Verkauforders streikte erst einmal das System. Die Folge: Der Handel der Facebook-Aktie erst gegen 11.30 Uhr New Yorker Zeit beginnen, eine halbe Stunde später als geplant. Kurz danach sah alles nach einem sensationellen Debüt aus: Die Aktie, Ausgabepreis 38 Dollar, schoss innerhalb von Sekunden auf 43, später sogar auf bis zu 45 Dollar nach oben. Doch dann ging es fast ebenso schnell wieder bergab, kurzzeitig sogar bis auf den Ausgabepreis.

Weil der Kurs dort unten zu verharren drohte, hatte die Aktie ein wenig Anschub nötig. Und so schlug die Stunde der am Börsengang beteiligten Banken, die zwischendurch helfend eingriffen: Sie kauften nach Berichten des „Wall Street Journals“ und der Finanznachrichtenagentur Bloomberg bis zuletzt immer wieder Aktien, damit diese nicht unter 38 Dollar rutschen. Offenbar mit Erfolg: Der Kurs stieg zwischenzeitlich auf rund 40 Dollar an. Zum Börsenschluss ging das Papier dann mit 38,23 Dollar aus dem Handel - ein mageres Plus von 0,61 Prozent.

Für viele eine enttäuschende Zahl. Zwar waren sich Analysten zuvor uneins, ab welchem Preisaufschlag das Börsendebüt als Erfolg gelten kann, die Erwartungen schwankten zwischen 15 und mehr als 30 Prozent. Doch der tatsächliche Gewinnzuwachs liegt weit unterhalb dieser Spanne. „Wir sehen da draußen einige unglückliche Leute”, sagte Wayne Kaufman vom Brokerhaus John Thomas Financial. „Sie hatten darauf gehofft, dass sich Facebook deutlich besser schlägt”.

Kommentare (14)

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18.05.2012, 23:35 Uhr

Die Stimmen zum Facebook-Börsengang sind echt der knaller...
John Scandalios (Leiter Franklin Templeton Technologiefonds), Yves Maillot (Head of Investments von Robeco Gestions)& Henry Blodget (Chef der Analyseplattform “Business Insider”) sind die einzigen, die differenziert an die Thematik gehen!

Account gelöscht!

18.05.2012, 23:54 Uhr

Schwache Leistung, Handelsblatt.
Warum zitieren Sie nicht ein echtes Schwergewicht wie einen der grössten Bondmanager der Welt, Bill Gross von Pimco (Allianz). Der liess es sich nicht nehmen, über Twitter der Welt mitzuteilen:
Gross: Go #Facebook! I don’t know how to use it but I know a Bubble when I see one!!!

Lt. Barron's ist der Tweed authentisch.

Account gelöscht!

19.05.2012, 00:04 Uhr

@DoktorDip... also ist Warren Bufett ein Leichtgewicht? Interessant...

Aber das Zitat von Mr. Gross ist dennoch gut.

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