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13.01.2011

08:27 Uhr

Fahrradhersteller

Derby Cycle zieht es an die Börse

VonChristian Schnell

Derby Cycle, Deutschlands größter Fahrradhersteller, will in Kürze an den streng reglementierten Prime Standard. Dort gab es im vergangenen Jahr gerade mal sieben Neuzugänge. Insofern kommt Derby Cycle auch eine Bedeutung für den gesamten IPO-Markt zu.

Börsenaspirant Derby Cycle verkauft Fahrräder in mehr als 40 Ländern. gms

Börsenaspirant Derby Cycle verkauft Fahrräder in mehr als 40 Ländern.

FRANKFURT. Sie heißen Focus, Kalkhoff, Raleigh, Univega und Rixe und sind unter Fahrradfahrern ein fester Begriff. Den Namen des Herstellers Derby Cycle kennen indes oftmals nicht mal echte Fahrradfans. Dieses Unternehmen will in Kürze an die Frankfurter Börse. „Zeitnah“ soll der Börsengang (IPO) gestartet werden, sagte Vorstandschef Mathias Seidler gestern. Wer die bei solchen Vorhaben übliche Wortwahl kennt, der weiß, dass die Börsenpremiere nur noch eine Frage von Wochen ist. Im Februar, spätestens Anfang März könnte die Erstnotiz erfolgen.

Starten will man im Premiumsegment der Börse, dem Prime Standard. Dort gab es im vergangenen Jahr gerade mal sieben Neuzugänge – wie etwa den Außenwerber Ströer, der Anfang Juli an den Start gegangen war. Insofern kommt Derby Cycle auch eine Bedeutung für den gesamten IPO-Markt zu. 15 bis 20 Neuzugänge haben Investmentbanken und Berater in diesem Jahr vorhergesagt, sollte es mit der wirtschaftlichen Lage weiter so stark bergauf gehen wie bisher.

Derby Cycle ist nach eigenen Angaben Deutschlands größter Fahrradhersteller und gehört in Europa zu den Top drei. Im vergangenen Geschäftsjahr, das zum 30. September endete, wurden 430.000 Fahrräder in insgesamt 40 Länder verkauft. Der Umsatz lag bei 173 Millionen Euro, der Gewinn vor Zinsen und Steuern (Ebit) bei 1,2 Millionen Euro. Insgesamt 550 Mitarbeiter arbeiten bei der Firma, die ihren Sitz im niedersächsischen Cloppenburg hat.

Ein Debüt in den kommenden Wochen ist möglich

Das abweichende Geschäftsjahr macht es für Derby Cycle übrigens auch möglich, schon so früh im Jahr mit seinen Börsenplänen an die Öffentlichkeit zu gehen. Unternehmen mit einem Geschäftsjahr, das dem Kalenderjahr entspricht, warten damit gewöhnlich ab, bis der Geschäftsbericht für das abgelaufene Jahr vorliegt. Das ist in der Regel nicht vor Ende Februar der Fall.

Jetzt könnte Derby Cycle bei anhaltend guter Stimmung an den Börsen sogar noch früher starten als RIB Software. Das Stuttgarter Spezialsoftware-Unternehmen für die Bauindustrie hatte am Montag seine Börsenpläne präsentiert. Rund 90 Millionen Euro will RIB Software mit dem Börsengang einnehmen, bei Derby Cycle dürfte die Summe, Investmentbankern zufolge, darüber im dreistelligen Millionenbereich liegen.

Das Geld will das Management vor allem für die Expansion ins Ausland einsetzen. Im Moment werden noch rund drei Viertel der produzierten Fahrräder im eigenen Land verkauft, nur das restliche Viertel geht ins Ausland. Auch will man vom Trend zu Fahrrädern mit Elektroantrieb profitieren, die man neben Sport, Freizeit- und Reiserädern im Sortiment hat. In diesem noch jungen Segment, das im vergangenen Jahr immense Wachstumsraten zeigte, ist Derby Cycle mit einem Anteil von 20 Prozent Marktführer in Deutschland. 50.000 Elektroräder hat das Unternehmen allein im vergangenen Jahr verkauft.

Schon 2004 ging mit der Mifa Mitteldeutsche Fahrradwerke ein deutscher Hersteller an die Börse. Die damals zu 9,25 Euro ausgegebenen Aktien kosteten gestern 2,80 Euro.

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