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21.09.2015

10:17 Uhr

Familienkonzern Schaeffler

Continental-Großaktionär geht an die Börse

Nach der Übernahme des größeren Konkurrenten Continental war die Existenz von Schaeffler bedroht. Der hohe Schuldenberg bremst immer noch. Jetzt soll ein Börsengang frisches Geld in die Kasse des Familienkonzerns spülen.

Die Schaeffler-Inhaber wagen den Gang aufs Parkett. dpa

Maria-Elisabeth Schaeffler und Georg F. W. Schaeffler

Die Schaeffler-Inhaber wagen den Gang aufs Parkett.

FrankfurtDer fränkische Familienkonzern Schaeffler geht am 5. Oktober die Frankfurter Börse. Schaeffler will bis zu 166 Millionen neue und bestehende Vorzugsaktien ab dem 28. September bei institutionellen Investoren platzieren, wie der Auto- und Industriezulieferer am Montag mitteilte.

„Der geplante Börsengang der Schaeffler AG ist ein strategischer Schritt, um die Verschuldung weiter zu reduzieren und die Kapitalstruktur zu verbessern“, erklärte Vorstandschef Klaus Rosenfeld. „Wir verschaffen uns so noch mehr finanzielle Flexibilität, um zusätzliche Wachstumschancen zu erschließen.“

Schaeffler ist Großaktionär des Dax-Konzerns Continental. Auf dem Höhepunkt der Finanzkrise war das Familienunternehmen mit dem Versuch gescheitert, Conti komplett zu schlucken. Danach ächzte das Unternehmen unter bedrohlich hohen Schulden. Schaeffler konnte aber inzwischen diese Last Stück für Stück verringern. Im ersten Halbjahr 2015 hatte Schaeffler weiter vom guten Geschäft mit der Automobilindustrie profitiert.

Von den bis zu 166 Millionen Vorzugsaktien stammen bis zu 100 Millionen aus dem Bestand der Schaeffler Verwaltungs GmbH, einer Holdinggesellschaft der Familie Schaeffler. Weitere 66 Millionen Stück resultieren aus einer Kapitalerhöhung der Schaeffler AG. Nach dem Börsengang werden sich 25 Prozent der Aktien im Streubesitz befinden.

Aktionäre will Schaeffler unter anderem mit einer Dividende von 25 bis 35 Prozent des Jahresüberschusses locken. Die Aktien sollen im streng regulierten Markt (Prime Standard) der Frankfurter Börse gehandelt werden. Begleitet wird der Börsengang von der Deutschen Bank und der Citigroup als Joint Global Coordinators.

9 Tipps die Sie bei Neuemissionen beachten sollten

Tipp 1

Ob Twitter, Facebook, Rocket Internet  oder Alibaba: IPOs üben immer wieder einen großen Reiz auf Anleger aus. Doch es gibt einiges zu beachten, damit man sich an den Börsenneulingen nicht die Finger verbrennt. Beispielsweise: Wie soll der Emissionserlös, der Gewinn aus den Aktienverkäufen, verwendet werden? Fließt das Geld in das Unternehmen oder werden lediglich die Interessen Dritter befriedigt?

Tipp 2

Wie lange wollen die Altaktionäre ihre Anteile halten? An den Lock-up- oder Haltefristen können Sie gut erkennen, ob das Management an einen langfristigen Erfolg des Unternehmens glaubt oder nur auf einen kurzfristigen Kursgewinn spekuliert.

Tipp 3

Ist die Höhe des Emissionspreises, der Preis für die Aktien, angemessen im Vergleich zu anderen, ähnlichen Unternehmen aus der Branche? Ist das Unternehmen damit fair bewertet oder künstlich hochgespielt?

Tipp 4

Wie sehen die Umsatz- und Gewinnzahlen, die Kennziffern des Unternehmens in der Vergangenheit aus? Aber Vorsicht. In manchen wachstumskräftigen, aber riskanten Branchen (etwa in der Biotechnologie) ist es durchaus üblich, dass Unternehmen jahrelang Verluste einfahren, und trotzdem könnte eine Aktie zu empfehlen sein.

Tipp 5

Gibt es für die Produkte und Dienstleistungen des Unternehmens tatsächlich einen Bedarf, gibt es genügend Abnehmer? Nicht jede tolle Idee ist bei näherer Betrachtung auch wirklich marktfähig.

Tipp 6

Wie sieht die Konkurrenzsituation aus? Gibt es starke Wettbewerber mit hoher finanzieller Schlagkraft?

Tipp 7

Welchen Eindruck macht das Management auf Sie? Verfügt es über genügend Erfahrung und Kompetenz?

Tipp 8

Wie professionell kommuniziert das Unternehmen nach außen? Sind die Botschaften kompetent, stringent und informativ?

Tipp 9

Verstehen Sie die Geschäftsidee? Wenn nicht, dann sollten Sie auf diese Aktie verzichten und anderen den Vorzug geben/lassen.

Die Quelle

Mit dem Börsengang von Schaeffler steht Anfang Oktober bereits der dritte milliardenschwere IPO an. Die Aktien der Bayer-Kunststofftochter Covestro, die 2,5 Milliarden Euro einsammeln will, sollen am 2. Oktober erstmals in Frankfurt gehandelt werden. Die Emission von Schaeffler dürfte ungefähr gleich groß werden, wie Insider der Nachrichtenagentur Reuters sagten.

Bereits am 1. Oktober will Scout24 sein Debüt an der Frankfurter Börse geben. Der Betreiber der Internet-Kleinanzeigenbörsen ImmobilienScout24 und AutoScout24 will bei entsprechend hoher Nachfrage bis zu 1,6 Milliarden Euro einsammeln.

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