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04.10.2011

11:45 Uhr

Finanzaktien knicken ein

Investoren fürchten neue Bankenkrise

VonKirsten Krumrey

Europäische Banken stehen vor heftigen Abschreibungen, noch dazu wird die Finanzierung immer schwieriger. Das größte Sorgenkind ist eine belgische Bank. Doch auch deutsche und französische Institute geraten unter Druck.

Allen voran im Abwärtssog: die belgische Bank Dexia. Reuters

Allen voran im Abwärtssog: die belgische Bank Dexia.

DüsseldorfDie Sorgen um Banken in Europa hören nicht auf. Vor allem die Probleme in Griechenland drücken Bankaktien am Dienstag ein weiteres Mal tief ins Minus. Auch andere Finanzdienstleister landen deutlich im Minus. Europaweit notieren Banken und Versicherer niedriger und belasten damit auch ihre Leitindizes. Eine schnelle Erholung ist für Europas Geldhäuser nicht in Sicht - im Gegenteil.

Am heftigsten erwischt es die belgische Bank Dexia. Allein am Dienstag verlor ihre Aktie zeitweise mehr als 30 Prozent ihres Wertes und lag nur noch bei 87 Cent. Im Lauf des Vormittags reduzierten sich die Verluste auf ein Minus von knapp 25 Prozent. Das Institut ist besonders stark in Griechenland engagiert. Dexia-Papiere waren bereits am Montag um mehr als zehn Prozent eingebrochen. Spekulationen um die Zukunft der Bank mehren sich, vor allem die Kapitalausstattung wird in Frage gestellt. Gerüchteweise könnten riskante Papiere in eine Bad Bank ausgegliedert werden. Der Staat Belgien will notfalls mit Garantien einspringe, wie Premierminister Yves Leterme am Vormittag erklärte.

Bankaktien: Zwischen Hoffen und Bangen

Bankaktien

Zwischen Hoffen und Bangen

Die Kurse von vielen Großbanken sinken und sinken. Einige legen in den kommenden Tagen Zahlen vor. Anleger haben wohl Hoffnung, denn seit Jahresbeginn gibt es satte Kursgewinne für amerikanische Geldhäuser.

Doch die Investoren beruhigt das kaum. „Das Schicksal und der Kursabsturz von Dexia sind für viele Anleger ein schlechtes Omen - sie fürchten, dass es einigen europäischen Finanzinstituten ähnlich gehen könnte“, sagte ein Händler. In ganz Europa befinden sich Banken im Sog der Griechenlandkrise und verlieren am Dienstag deutlich.

Im Rennen um die größten Verluste im Dax liefern sich Commerzbank und Deutsche Bank ein Kopf-an-Kopf-Rennen. Die gebeutelte Commerzbank verlor in der ersten Handelsstunde bereits mehr als sieben Prozent. Ein CoBa-Papier war zeitweise nur noch knapp 1,65 Euro wert. Im Lauf des Vormittags erholte sich die Aktie minimal auf 1,69 Euro.

Die Deutsche Bank sackte um mehr als sechs Prozent ab, konnte die Verluste im Lauf des Vormittags aber auf minus fünf Prozent zurückfahren. Deutsche-Bank-Vorstand Josef Ackermann gab am Vormittag das bisherige Gewinnziel für 2011 auf. Die angestrebten zehn Milliarden Euro vor Steuern könne die Bank wegen der Turbulenzen an den Kapitalmärkten nicht mehr verdienen, so Ackermann bei einer Analystenkonferenz in London. Entsprechend gab die Aktie der Vorzeigebank weiter nach auf ein Minus von zeitweise sieben Prozent.

Die französische Krisenbank Societe Generale notierte mehr als fünf Prozent im Minus und gehört damit zu den größten Verlierern im Euro Stoxx 50. Fast genauso tief in der Verlustzone steckt die ebenfalls französische BNP Paribas. Vor anderen Finanzdienstleistern wie Versicherern macht der Abwärtssog nicht Halt. ING, Allianz, Axa - fünf bis sechs Prozent ihres Wertes verlieren diese Papiere.

Allein mit Griechenland-Sorgen lassen sich diese Verluste nicht mehr erklären. Die Lage für Geldinstitute ist ernst. Viele Banken seien nicht gerade krisensicher und operativ nicht gut aufgestellt sein, warnen Wirtschaftsprüfer der Prüfungs- und Beratungsgesellschaft Ernst & Young in einer aktuellen Studie. Die Analyse unter den 13 deutschen Groß- und Landesbanken zeigt, dass vor allem Zins- und Provisionsüberschüsse niedriger waren als im Vorjahreszeitraum. Griechenland-Abschreibungen belasteten die Institute ebenfalls.

Ein weiteres großes Problem ist die langfristige Liquidität der Banken. EZB-Ratsmitglied Ewald Nowotny sieht zwar keine Schwierigkeiten beim kurzfristigen Geld. „Es ist ein Problem, dass längerfristige Liquidität für die Banken am Markt sehr schwer zu bekommen ist“, sagte Nowotny auf einer Konferenz in Wien. „Das ist eine Herausforderung, die wir diskutieren müssen, auch in der Politik.“ Die Anleihenkäufe der Europäischen Zentralbank (EZB), mit denen sie angeschlagenen Staaten unter die Arme greift, stellten keine zusätzliche Liquidität zur Verfügung und seien begrenzt - auch zeitlich, so der EZB-Experte.

Mit Material von dpa.

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