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08.03.2004

10:50 Uhr

Finanzhäuser HSBC und SG Cowen schaffen Analysten-Ratings ab

Banken stellen Kauf-Empfehlungen in Frage

VonGertrud A. Hussla (Handelsblatt)

Die britische HSBC und die US-amerikanische Investment-Boutique SG Cowen haben innerhalb weniger Tage unabhängig voneinander bekannt gegeben, sie wollten auf Kauf- oder Verkaufsempfehlungen in ihren Analysten-Reports verzichten. Damit ist die Diskussion, wie sinnvoll die Analysten-Ratings sind, neu entbrannt. Es werde jetzt schwerer, die Leistung eines Analysten zu messen, sagt der Analystenverband. Institutionelle Anleger meinen dagegen, das Fehlen des Ratings sei kein großer Verlust.

DÜSSELDORF. Mit dem Ritual, regelmäßig nach jedem Quartalsbericht lange Zahlenkolonnen und ein neues Rating zu veröffentlichen, werde in den Recherche-Abteilungen zu viel Arbeitskraft gebunden, ohne dass Anleger einen besonderen Nutzen davon hätte, begründen die Institute ihre Entscheidung. „Die selbst auferlegte Pflicht, unser gesamtes Meinungsbild in beschränkte, fest definierte Kategorien zu pressen hat sich als sehr ineffektiv erwiesen“, erläuterte Research-Chef Barry Tarasoff von SG Cowen den Schritt. Die Bewertungen an der Wall Street seien nicht vergleichbar und verwirrten nur. Seine Analysten würden jetzt die „volle Ausdruckskraft der englischen Sprache“ nutzen, um ihre Meinung zu einzelnen Investments zu vermitteln. SG Cowen will auch auf die regelmäßigen Reports nach jedem Quartalsbericht verzichten. „Wir wollen nur noch etwas schreiben, wenn wir etwas zu sagen haben“, sagte Tarasoff.

Auch die HSBC begründet ihren Schritt mit der Nutzlosigkeit von massenhaft erscheinenden Reports: „Viele unserer institutionellen Kunden sind Pensionsfondsmanager, die wollen Investmentideen und interessante Hintergründe erfahren, aber nicht 20 mal das Gleiche lesen“, sagt HSBC-Sprecher Pierre Goad.

HSBC will das gesamte Researchteam neu gruppieren und dabei Aktien-, Renten- und Branchenanalysen in einer Gruppe zusammenfassen. Damit entspreche sein Haus den neuen Ansprüchen institutioneller Kunden. „Den klassischen Pensionsfonds-Manager, der sich nur für Aktien interessiert, gibt es kaum noch“, sagt Goad. Vielmehr hätten institutionelle Anleger jetzt meist mehrere Assetklassen unter Beobachtung. Der Bedarf nach Entscheidungshilfen für eine Gesamtstrategie sei nicht auf Grund der rasch wachsenden Hedge-Fonds-Industrie gestiegen. Auch traditionelle Portfoliomanager hatten jetzt wesentlich stärker als früher das Spektrum sämtlicher Anlageklassen im Blick.

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