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03.01.2007

14:55 Uhr

Finanzmärkte

US-Experten raten zu Aktien

VonTorsten Riecke

An der Wall Street tobt ein Wettstreit der Propheten. Während die Anleihehändler eine Rezession in Amerika für immer wahrscheinlicher halten, sagen die Aktienprofis eine weiche Landung der US-Konjunktur im kommenden Jahr voraus. Die inverse Zinskurve auf den Bondmärkten - die langfristigen Zinsen sind in Erwartung eines Abschwungs niedriger als die kurzfristigen - und die Höchststände an der Börse sind Ausdruck dieser gegensätzlichen Prognosen. Der Ausgang dieses Wettstreits entscheidet am Ende darüber, wie sich die Finanzmärkte 2007 entwickeln. Bislang haben die Optimisten eindeutig die Oberhand.

NEW YORK. "Wir glauben, dass 2007 ein gutes Jahr wird", sagt Sam Stovall, Investmentstratege bei der Ratingagentur Standard & Poor?s (S&P), "nicht so gut wie 2006, aber doch stark genug, um den Investoren eine Gesamtrendite bezogen auf den S&P-500-Index von zehn Prozent zu bieten." Im vergangenen Jahr kam der S&P 500 auf ein Plus von knapp 14 Prozent, der Dow Jones brachte es auf ein Plus von mehr als 16 Prozent.

Stovall begründet seinen Optimismus mit der Hoffnung auf ein zwar schwächeres, aber doch solides Wirtschaftswachstum. Der Stratege weist zudem auf eine attraktive Bewertung vieler US-Aktien hin. Mit einem Wert von knapp 18 liegt das Kurs-Gewinn-Verhältnis des S&P 500 deutlich unter dem Durchschnitt der vergangenen fünf Jahre.

Zwar sind die Aktienkurse in den vergangenen vier Jahren kräftig gestiegen, aber die Gewinne der Unternehmen sind eben noch stärker gewachsen. So liegt der Anteil der Firmenerträge nach Steuern am Bruttoinlandsprodukt mit rund zehn Prozent auf dem höchsten Stand seit 40 Jahren. Die Produktivitäts- und Kosteneffekte der Globalisierung haben dabei eine wichtige Rolle gespielt. "Der entscheidende Faktor sind jedoch die niedrigen Zinsen", sagt S&P-Chefökonom David Wyss.

Obwohl die meisten Notenbanken rund um den Globus die Zinsschraube angezogen haben, glaubt Wyss nicht, dass sich die Ertragslage der Firmen schon bald gravierend verschlechtern wird. "Das ist ein sehr langsamer Prozess", sagt der Ökonom. Die Unternehmen hätten einen hohen Cash-Flow und müssten sich deshalb nicht über Gebühr verschulden.

Und wer dennoch einen Kredit aufnehmen will, hat kein Problem. Die globale Liquiditätsschwemme sorgt dafür, dass die langfristigen Zinsen niedrig bleiben. Das gilt selbst für Schuldner mit geringer Bonität. So sind die Zinsaufschläge auf dem Markt für so genannte "Junk Bonds" so niedrig wie noch nie. Wyss weist zudem darauf hin, dass etwa 40 Prozent der Gewinne von US-Unternehmen aus dem Ausland stammen. Diese Erträge würden jetzt durch den schwachen Dollarkurs beflügelt. Dennoch glaubt der Ökonom nicht, dass sich das zweistellige Gewinnwachstum nach dreizehn aufeinander folgenden Quartalen im neuen Jahr fortsetzen wird.

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