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10.01.2005

08:44 Uhr

Firmengewinne in Deutschland heben sich in Europa besonders positiv ab – aber nur auf den ersten Blick

Hohe Erwartungen an Automobilbranche

VonTobias Moerschen (Ulf Sommer; Handelsblatt)

In Europa erwarten die Analysten der großen internationalen Investmentbanken vor allem von der Automobilindustrie viel. Denn nach enttäuschenden Zahlen und schlechter Kursentwicklung im abgelaufenen Jahr soll ausgerechnet diese Branche 2005 mit 21 Prozent kräftig wachsen.

NEW YORK/DÜSSELDORF. Wenn heute der Aluminium-Spezialist Alcoa in den USA traditionell als erstes Unternehmen die Berichtssaison eröffnet, richten sich die Blicke auf das laufende Jahr. Denn schon bevor die erste Zahl zum vierten Quartal veröffentlicht wird, gilt als sicher, dass Europas Unternehmen im Stoxx 50 im abgelaufenen Jahr gut 25 Prozent zugelegt haben. Die Firmen im Deutschen Aktienindex (Dax) haben es nach Prognosen des Finanzdatenspezialisten Ibes auf über 70 Prozent gebracht. US-Firmen kommen auf knapp 20 Prozent.

In Europa erwarten die Analysten der großen internationalen Investmentbanken vor allem von der Automobilindustrie viel. Denn nach enttäuschenden Zahlen und schlechter Kursentwicklung im abgelaufenen Jahr soll ausgerechnet diese Branche 2005 mit 21 Prozent kräftig wachsen. Nach Berechnungen des französischen Datenspezialisten JCF – dort laufen die Prognosen der Banken zusammen – legen BMW sechs, Daimler-Chrysler 29 und VW sogar 90 Prozent zu. „Das sind sehr optimistische Erwartungen, und es erscheint jetzt mit Blick auf die Enttäuschungen im vergangenen Jahr doch sehr ambitioniert“, sagt Carsten Klude von M.M. Warburg.

Insgesamt hält er die Vorhersagen für die anderen Branchen aber für realistisch. Danach dürften europaweit mit Ausnahme des Energiesektors alle Branchen zulegen – und dies vor dem Hintergrund, dass die Unternehmen bereits 2004 so viel wie noch nie verdienten. Während die Industriegüter-Sektor mit 22 Prozent am stärksten zulegen dürfte, sind beim Energiesektor (minus 3 Prozent) und den 2004 starken Versorgern mit einem Ertragsplus von nur noch 6 Prozent kleine Enttäuschungen zu erwarten.

Die Dax-30-Unternehmen dürften in diesem Jahr mit 20 Prozent mehr als doppelt so viel zulegen wie Europas Top 50. „Mindestens die Hälfte des Zuwachses in Deutschland entfällt aber auf die Umstellung der Bilanzierung auf IFRS“, sagt Klude. Ohne diesen Effekt billigt er den Dax-Unternehmen ein Plus von höchstens zehn Prozent zu. Insbesondere bei der Allianz (Pimco- Aquisition), Bayer (Roche und Aventis Crop Science), der HVB (Bank Austria) und der Deutschen Telekom (Voicestream) steigen die Gewinne im Jahr 2005 deutlich stärker, als es ohne den Wegfall der planmäßigen Goodwill-Abschreibungen der Fall wäre. Das sollten Anleger bei künftigen Quartalsberichten berücksichtigen.

In den USA dürften die S&P-500- Firmen im abgelaufenen vierten Quartal nach Daten von Thomson Financial einen Anstieg ihrer Quartalserträge um 15,2 Prozent gegenüber dem vierten Quartal 2003 melden. Die höchsten Zuwächse erwarten Grundstoffkonzerne wie der Aluminiumhersteller Alcoa. Zu dieser Branche zählen auch Chemie-, Holz- und Papierkonzerne. Bei ihnen rechnen Analysten mit einem Plus von 77 Prozent. Die geringsten Gewinnzuwächse werden Telekomkonzerne (0) und Stromversorger (4 Prozent) vorlegen.

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