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20.05.2011

09:09 Uhr

Flop des Tages

Linkedin-Hype stellt Xing-Aktie in den Schatten

VonAnnika Williamson

Die Euphorie um Social-Media-Unternehmen hat dem deutschen Karriereportal Xing genutzt. Doch Analysten erwarten, dass Xing langfristig gegen Linkedin keine Chance hat. Das hat Folgen für die Aktie.

Investoren umjubeln Social-Media-Firmen immer lauter. Xing könnte dabei auf der Strecke bleiben. Quelle: dpa

Investoren umjubeln Social-Media-Firmen immer lauter. Xing könnte dabei auf der Strecke bleiben.

DüsseldorfMonatelang ist die Xing-Aktie auf der Welle der Social-Media-Begeisterung geritten. Doch nach dem fulminanten Börsengang des US-Portals Linkedin werden bei den Anlegern erste Zweifel laut, ob Xing mit der neureichen Konkurrenz dauerhaft mithalten kann. Die Papiere des Hamburger Karrierenetzwerks stiegen zwar am Donnerstag nach dem Börsenstart von Linkedin in New York um neun Prozent und erreichten ein Allzeithoch von 55,54 Euro. Heute geht es aber deutlich abwärts. Bis zum Nachmittag rutschte die Aktie um 3,6 Prozent auf 53 Euro ab.

Auf die Papiere des weltgrößten Online-Karrierenetzwerks LinkedIn hatte es in den USA einen einzigartigen Ansturm gegeben. Am Ende des ersten Handelstages schlossen sie bei bei 94,25 Dollar. Eine solche Kursexplosion hatten selbst die kühnsten Optimisten nicht erwartet. Der Ausgabepreis hatte bei 45 Dollar gelegen. Am Ende des ersten Handelstages stand damit ein Plus von 109 Prozent.

Neuer Internet-Hype

Linkedin - Geschäftsidee

Das Online-Karrierenetzwerk Linkedin wurde im Jahr 2003 in Kalifornien gegründet. Es ist mit über 100 Millionen registrierten Nutzern (Unternehmensangabe Mai 2011) die derzeit größte Plattform dieser Art. Laut Online-Statistikdienst Alexa gehört Linkedin zu den 500 weltweit meistbesuchtesten Internetseiten.

LinkedIn - Bewertung

Der Börsenwert lag am Ende des ersten Handelstages in New York bei rund neun Milliarden US-Dollar. Dies entspricht rund sieben Millionen Dollar für jeden der rund 1.300 Angestellten und fast 90 Dollar für jeden der gut 100 Millionen Nutzer.

LinkedIn - Geschäftszahlen

Das Unternehmen machte im Jahr 2010 einen Umsatz von 243 Millionen Dollar und verdiente unter dem Strich 15,4 Millionen Dollar. Um sein Wachstum anzutreiben, will Linkedin dieses Jahr viel investieren und dabei einen Verlust in Kauf nehmen.

Facebook - Geschäftsidee

Auf Facebook tummeln sich heute mehr als 500 Millionen Nutzer. Kaum einer von ihnen weiß mehr, dass das Netzwerk im Jahr 2004 ursprünglich nur für die US-Eliteuni Harvard gegründeten wurde.

Facebook - Bewertung

Der Wert von Facebook geht rasant nach oben: Am Zweitmarkt für Mitarbeiteraktien wurde das Unternehmen für 85 Milliarden Dollar gehandelt, manche Marktbeobachter sprechen sogar von einem Wert von 100 Milliarden. Im März wollte ein Finanzinvestor einem Medienbericht zufolge bei Facebook einsteigen und bewertete das Unternehmen dabei noch mit 65 Milliarden Dollar. Im Januar wurde Facebook von Goldman Sachs mit 50 Milliarden bewertet, im Juni 2010 mit 23 Milliarden Dollar.
Selbst eine konservative Bewertung von 65 Milliarden Dollar entspricht pro Angestelltem (etwa 2.000 Mitarbeiter) 32 Millionen Dollar und pro Nutzer 130 Dollar.

Facebook - Geschäftszahlen

Das junge Unternehmen von Gründer Mark Zuckerberg machte von Januar bis September 2010 Bankenkreisen zufolge einen Netto-Gewinn von 355 Millionen Dollar - bei einem Umsatz von 1,2 Milliarden Dollar.

Groupon - Geschäftsidee

Der Schnäppchen-Anbieter Groupon fand im November 2008 seinen Weg ins Netz. Die Idee: Groupon bringt Rabatte für alles von Restaurantbesuchen bis Kanufahrten an den Mann und erhält vom Anbieter des Coupons dafür eine Provision.

Groupon - Bewertung

Das Unternehmen will den Sprung an die Börse im zweiten Halbjahr wagen und dürfte dabei mit insgesamt rund 15 bis 20 Milliarden Dollar bewertet werden, wie die Nachrichtenagentur Reuters im April erfuhr. Im Dezember lehnte das Unternehmen ein Übernahmeangebot
von Google im Wert von sechs Milliarden Dollar ab. Eine Bewertung von 15 Milliarden Dollar würde für jeden der mittlerweile rund 70 Millionen Nutzer mehr als 200 Dollar entsprechen und für jeden der rund 6000 Angestellten 2,5 Millionen Dollar.

Groupon - Geschäftszahlen

Groupon macht nach eigenen Angaben seit 2009 Gewinn, aber veröffentlicht keine Details zu seinen Geschäftszahlen.

Twitter - Geschäftsidee

Mit der Internetseite Twitter wurde 2006 das Mikroblogging erfunden. Die Nutzer verbreiten rasend schnell ihre Nachrichten mit der Devise: Alles Wichtige lässt sich auch in 140 Zeichen sagen.

Twitter - Bewertung

Das Unternehmen wurde bei einer außerbörslichen Versteigerung von Firmenanteilen auf knapp acht Milliarden Dollar bewertet. Das ist mehr als doppelt so viel wie im Dezember, als eine Finanzspritze die Ermittlung eines Firmenwertes erforderte. Im September 2010 hatte Twitter rund 175 Millionen Nutzer. Eine Bewertung von acht Milliarden Dollar entspricht rund 45 Dollar je Nutzer oder 22 Millionen Dollar für jeden der rund 350 Mitarbeiter.

Twitter - Geschäftszahlen

Twitter vermeldet derzeit keine Geschäftszahlen.

Xing ist bereits seit Dezember 2006 an der Börse, hat hier aber längst nicht so viel Aufsehen erregt wie Linkedin in New York. Zwar verdoppelte sich die Xing-Aktie in den vergangenen zwölf Monaten, Linkedin jedoch schaffte das an einem Tag.

Insgesamt kommt Xing auf einen Marktwert von 280 Millionen Euro, der große Konkurrent aus den USA ist nach dem immensen Kursanstieg zum Börsendebüt über 30 Mal so viel wert. Und auch sonst spielt Linkedin in einer anderen Liga. Den 100 Millionen Mitgliedern des US-Netzwerks stehen zehn Millionen Xing-Nutzer gegenüber, davon rund 4,5 Millionen im deutschsprachigen Raum

In Sachen Profit steht Xing dagegen auf solideren Füßen. Die Hamburger sind seit mehreren Jahren profitabel und haben in den letzten drei Jahren den Umsatz jeweils um 10 bis 15 Millionen Euro gesteigert, 2010 erzielte Xing Erlöse von 54,3 Millionen Euro. Der operative Gewinn nach Steuern, Abschreibungen und Zinsen lag bei 16,7 Millionen Euro. Bezahlte Mitgliedschaften machen daran laut Unternehmensangaben den Löwenanteil am Umsatz aus: 42,4 Millionen Euro. Auf Werbung entfallen lediglich 3,9 Millionen Euro. Zum Vergleich: Für Linkedin war 2010 das erste profitable Jahr, für 2011 erwartet der Konzern allerdings schon wieder einen Verlust

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