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10.04.2013

13:40 Uhr

Fluch oder Segen?

Vorsicht, Dividende!

VonJörg Hackhausen

Mit der Hauptversammlung von Daimler kommt die Dividendensaison in Fahrt. In den kommenden Wochen werden die Konzerne im Dax so viel wie noch nie ausschütten. Ein Segen für die Aktionäre? Nicht in jedem Fall.

Alle warten auf die große Ausschüttung. Auch auf dem Parkett in Frankfurt. dpa

Alle warten auf die große Ausschüttung. Auch auf dem Parkett in Frankfurt.

Endlich Frühling. Keine Sorge, es geht an dieser Stelle ausnahmsweise nicht um das Wetter, sondern ums Geld. Jeder Aktionär weiß, wovon die Rede ist: Die Dividendensaison beginnt. Insgesamt werden die Aktionäre in diesem Jahr so viel Geld wie noch nie erhalten.

Mit Daimler geht der Geldregen so richtig los. Auf der Hauptversammlung am Mittwoch haben die Aktionäre über die Dividende abgestimmt. Der Stuttgarter Autobauer wird 2,20 Euro je Aktie zahlen - nicht mehr, aber auch nicht weniger als im vergangenen Jahr. Einen Tag später wird die Dividende ausgeschüttet. Jeder, der vorher noch kauft, erhält sie. Allerdings wird die Aktie dann weniger wert sein, der Abschlag fällt in der Regel so hoch aus wie die Dividende.

In den kommenden Wochen folgt dann ein Dax-Konzern nach dem anderen mit seiner Dividende. Die 30 Dax-Unternehmen zahlen insgesamt 27,6 Milliarden Euro und damit knapp ein Prozent mehr als im bisherigen Rekordjahr 2008, wie die Unternehmensberatung Ernst & Young auf Basis der heutigen Dax-Zusammensetzung errechnet hat.

Dax-Dividendentitel von A-C

Adidas

Adidas
Dividende je Aktie (2012): 1,35 Euro
Dividende je Aktie (2011): 1,00 Euro
Entwicklung: + 35 Prozent
Ausschüttungsquote (Summe/Jahresüberschuss): 54 Prozent

Allianz

Allianz

Dividende je Aktie (2012): 4,50 Euro

Dividende je Aktie (2011): 4,50 Euro

Entwicklung: 0 Prozent

Ausschüttungsquote (Summe/Jahresüberschuss): 40 Prozent

BASF

BASF

Dividende je Aktie (2012): 2,60 Euro

Dividende je Aktie (2011): 2,50 Euro

Entwicklung: + 4 Prozent

Ausschüttungsquote (Summe/Jahresüberschuss): 49 Prozent

BMW

BMW

Dividende je Aktie (2012): 2,50 Euro

Dividende je Aktie (2011): 2,30 Euro

Entwicklung: + 9 Prozent

Ausschüttungsquote (Summe/Jahresüberschuss): 32 Prozent

Bayer

Bayer

Dividende je Aktie (2012): 1,90 Euro

Dividende je Aktie (2011): 1,65 Euro

Entwicklung: + 15 Prozent

Ausschüttungsquote (Summe/Jahresüberschuss): 64 Prozent

Beiersdorf

Beiersdorf

Dividende je Aktie (2012): 0,70 Euro

Dividende je Aktie (2011): 0,70 Euro

Entwicklung: 0 Prozent

Ausschüttungsquote (Summe/Jahresüberschuss): 36 Prozent

Commerzbank

Commerzbank

Dividende je Aktie (2012): 0 Euro

Dividende je Aktie (2011): 0 Euro

Entwicklung: 0 Prozent

Ausschüttungsquote (Summe/Jahresüberschuss): 0 Prozent

Continental

Continental

Dividende je Aktie (2012): 2,25 Euro

Dividende je Aktie (2011): 1,50 Euro

Entwicklung: + 50 Prozent

Ausschüttungsquote (Summe/Jahresüberschuss): 24 Prozent

Die Dividende ist für Anleger mehr als nur ein nettes Extra, über einen langen Zeitraum betrachtet macht sie einen großen Teil der Erträge aus. Gerade in Zeiten, in denen es für Zinspapiere kaum noch Rendite gibt, können Dividendenwerte eine Alternative sein. Die Dividendenrendite vieler Aktien fällt höher aus, als das, was sich den Anleihen desselben Unternehmens erzielen lässt.

Die Frage ist nur: Können sich die Firmen die großzügigen Geschenke auch leisten? „Der Gesamtumsatz und das operative Ergebnis der Dax-Konzerne lag im vergangenen Jahr auf Rekordniveau – da wollen die Aktionäre natürlich beteiligt werden“, sagt Thomas Harms, Partner von Ernst & Young.

Dax-Dividendentitel von D-K

Daimler

Daimler
Dividende je Aktie (2012): 2,20 Euro
Dividende je Aktie (2011): 2,20 Euro
Entwicklung: 0 Prozent
Ausschüttungsquote (Summe/Jahresüberschuss): 39 Prozent

Deutsche Bank

Deutsche Bank

Dividende je Aktie (2012): 0,75 Euro

Dividende je Aktie (2011): 0,75 Euro

Entwicklung: 0 Prozent

Ausschüttungsquote (Summe/Jahresüberschuss): 291 Prozent

Deutsche Börse

Deutsche Börse

Dividende je Aktie (2012): 2,10 Euro

Dividende je Aktie (2011): 3,30 Euro

Entwicklung: - 36 Prozent

Ausschüttungsquote (Summe/Jahresüberschuss): 57 Prozent

Deutsche Telekom

Deutsche Telekom

Dividende je Aktie (2012): 0,70 Euro

Dividende je Aktie (2011): 0,70 Euro

Entwicklung: 0 Prozent

Ausschüttungsquote (Summe/Jahresüberschuss): - 57 Prozent*

*Die Deutsche Telekom zahlt trotz eines negativen Jahresergebnisses eine Dividende an ihre Anleger. Dadurch ergibt sich eine negative Ausschüttungsquote

Deutsche Post

Deutsche Post

Dividende je Aktie (2012): 0,70 Euro

Dividende je Aktie (2011): 0,70 Euro

Entwicklung: 0 Prozent

Ausschüttungsquote (Summe/Jahresüberschuss): 51 Prozent

Eon

Eon

Dividende je Aktie (2012): 1,10 Euro

Dividende je Aktie (2011): 1,00 Euro

Entwicklung: + 10 Prozent

Ausschüttungsquote (Summe/Jahresüberschuss): 95 Prozent

FMC

Fresenius Medical Care*

Dividende je Aktie (2012): 0,75 Euro

Dividende je Aktie (2011): 0,69 Euro

Entwicklung: + 9 Prozent

Ausschüttungsquote (Summe/Jahresüberschuss): 25 Prozent

*Stammaktien

Fresenius

Fresenius

Dividende je Aktie (2012): 1,10 Euro

Dividende je Aktie (2011): 0,95 Euro

Entwicklung: + 16 Prozent

Ausschüttungsquote (Summe/Jahresüberschuss): 21 Prozent

Heidelberg-Cement

Heidelberg-Cement

Dividende je Aktie (2012): 0,47 Euro

Dividende je Aktie (2011): 0,35 Euro

Entwicklung: + 34 Prozent

Ausschüttungsquote (Summe/Jahresüberschuss): 29 Prozent

Henkel

Henkel*

Dividende je Aktie (2012): 0,95 Euro

Dividende je Aktie (2011): 0,80 Euro

Entwicklung: + 19 Prozent

Ausschüttungsquote (Summe/Jahresüberschuss): 27 Prozent

*Vorzugsaktien

Infineon

Infineon

Dividende je Aktie (2012): 0,12 Euro

Dividende je Aktie (2011): 0,12 Euro

Entwicklung: 0 Prozent

Ausschüttungsquote (Summe/Jahresüberschuss): 30 Prozent

K+S

K+S

Dividende je Aktie (2012): 1,40 Euro

Dividende je Aktie (2011): 1,30 Euro

Entwicklung: + 8 Prozent

Ausschüttungsquote (Summe/Jahresüberschuss): 40 Prozent

Doch das ist nur die halbe Wahrheit. Die Schere zwischen den Guten und den Schlechten im Dax geht weit auseinander. Nur die erfolgreichen Unternehmen können sich eine hohe Ausschüttung erlauben. Andere wiederum geben sich spendabel, ohne dass sie sich das leisten könnten.

„Wir werden genau analysieren, ob die vorgeschlagene Dividende tatsächlich verdient wurde“, sagt Marc Tüngler, Hauptgeschäftsführer der Deutschen Schutzvereinigung für Wertpapierbesitz (DSW). Im vergangenen Jahr sei das bei Eon, Lufthansa, Thyssen-Krupp, Telekom, MAN und Münchener Rück nicht der Fall gewesen.

In diesem Jahr schütten achtzehn Unternehmen eine höhere Dividendensumme aus als 2012, sieben Unternehmen zahlen weniger, weitere drei Unternehmen verzichten in diesem Jahr ganz auf die Zahlung einer Dividende: Commerzbank, Lufthansa und Thyssen-Krupp – 2012 war es nur die Commerzbank.

Kommentare (12)

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aktionaer

10.04.2013, 13:55 Uhr

Erst der Elchtest, dann Schremp und die 100 mrd. €, die er in den Sand gesetzt hat.

Kein Unternehmen überlebt das wirklich.
++++++++++++++++++++++++++++

Manager des Jahres 1998
Jürgen Schrempp

Mit einem operativen Verlust von 7,2 Milliarden Mark startete Jürgen Schrempp 1995 in seine erste Amtszeit als Vorstandschef von Daimler-Benz. Ihm gelang der Turnaround und die Fusion mit Chrysler. Seinen Traum von der Welt-AG musste Schrempp unterdessen zu den Akten legen.
So urteilte die mm-Jury 1998:

Er habe Zeichen gesetzt - mutig und visionär, lobten die Experten Jürgen Schrempp und lenkten den Blick auf dessen spektakulären Chrysler-Deal.

Obgleich noch unvollendet und keineswegs vor dem Scheitern gefeit, sei der Merger eine beispielhafte zukunftsweisende Entscheidung gewesen. Das "Stuttgarter Kraftpaket" sei mit diesem Schritt aus der Phalanx der Zauderer und Bedenkenträger ausgeschert.

keeper

10.04.2013, 14:14 Uhr

"Denn was an die Anteilseigner ausgeschüttet wird, fehlt im Unternehmen, zum Beispiel für Investitionen oder Forschung."

wenn tatsächlich weniger investiert wird - und stattdessen ausgeschüttet: ja, dann ist die Einschätzung des Managements für die zukünftige Entwicklung des Unt. eher mau - und ein klares Verkaufssignal.

Leider fehlen dem Bericht -mal wieder- die Charts zur Entwicklung von Dividenden, Kursen und Investitionen...

Republikaner

10.04.2013, 14:26 Uhr

Der erste Abkassierer ist der Staat! Vorneweg Oberraffke Schäuble - für die Aktionäre bleiben nur Krümel. Unternehmenserträge werden im Prinzip mehrfach besteuert - das ist der eigentliche Skandal.

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