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26.06.2012

12:28 Uhr

Formel-1-Börsengang

„Die Märkte sind ein bisschen turbulent“

Eigentlich wollte die Formel 1 noch in diesem Sommer an die Börse gehen. Doch daraus wird nichts. Bernie Ecclestone hat dafür eine einfache Erklärung. Aber stimmt die auch?  

Bernie Ecclestone: Will er an die Börse oder nicht? Reuters

Bernie Ecclestone: Will er an die Börse oder nicht?

DüsseldorfBis auf weiteres ist der Börsengang der Formel 1 Anfang  Juni  verschoben worden. Die offizielle Begründung von Bernie Ecclestone, dem Geschäftsführer des Motorspektakels klingt denkbar einfach: Die Märkte seien derzeit ein bisschen turbulent, sagte er. Deswegen wolle man besser abwarten, um zu einem späteren Zeitpunkt möglicherweise einen besseren Preis zu erzielen für die Aktien. Ursprünglich war geplant, die Anteilsscheine in Singapur an die Börse zu bringen.

Die BayernLB und die Formel 1

Höhepunkt der New Economy

Es war der Höhepunkt der New Economy, als das Medienunternehmen EM.TV im Jahr 2000 bei der Formel 1 einstieg. Kurz zuvor hatte EM.TV um die Gebrüder Thomas und Florian Haffa in einem ähnlich spektakulären Deal die Rechte an der „Muppets Show“ erworben.

Kirch und Kredite bei der BayernLB

Mit im Boot bei der Formel 1 war auch damals schon Bernie Ecclestone, Zampano des PS-Spektakels, mit seiner Familienstiftung. Nur wenig später ging es mit EM.TV bergab. Die Kirch-Gruppe des damaligen Medienzaren Leo Kirch kam zu Hilfe, erhielt im Gegenzug den Anteil an dem Rennzirkus und stockte ihn noch auf. Dafür musste Kirch Kredite aufnehmen, unter anderem bei der BayernLB.

Gribkowsky wird Motorsport-Verantwortlicher

Die Kirch-Gruppe meldete dann 2002 Insolvenz an. Dadurch wurde die Landesbank aus München unerwartet zum Anteilseigner der Formel 1 und der damalige Risikovorstand Gerhard Gribkowsky zum Motorsport- Verantwortlichen. In der Folgezeit entwickelte sich ein Streit mit den Autokonzernen, denen die tonangebende - und profitable - Rolle Ecclestones und seiner Verbündeten ein Dorn im Auge war. Auch eine Übernahme der Formel 1 durch einen oder mehrere Hersteller oder eine Konkurrenzveranstaltung standen zur Debatte.

Anteilsverkauf an CVC

Vier Jahre später verkaufte Gribkowsky die BayernLB-Anteile an den Finanzinvestor CVC Capital Partners und die Wogen glätteten sich. Das Unternehmen zählt zu den weltweit größten der Private-Equity-Branche und hat europäische Wurzeln. Hauptsitze sind Luxemburg und London.

Ecclestone verkaufte

Der Finanzinvestor übernahm die Formel-1-Mehrheit durch den Erwerb der Anteile der BayernLB und von Ecclestone selbst beziehungsweise seiner Familie. Dies geschah indirekt über die neu gegründete CVC-Tochter Alpha Prema, an der Ecclestone wiederum auch selbst beteiligt ist. Der heute 82-Jährige blieb auch bei diesem Deal Chef der Formel 1. Gribkowsky rückte in den Aufsichtsrat von Alpha Prema.

Ecclestone ist in guter Gesellschaft: Weltweit haben in den vergangenen Wochen Dutzende von Unternehmen wegen der Marktturbulenzen ihre geplanten Börsengänge abgesagt, darunter auch der deutsche Chemiekonzern Evonik.

Wann es mit dem Formel-1-Börsengang tatsächlich klappt, ist völlig offen. Ecclestone selbst verbreitet jedenfalls weiter Optimismus: „Wir haben gesagt, es findet in diesem Jahr statt, also wird es in diesem Jahr stattfinden.“ Die Formel 1 bereite alles für die Notierung vor und „wann immer wir gehen wollen, können wir gehen“, sagte der 81-Jährige.

In unternehmensnahen Kreisen dagegen wird gemunkelt, dass es Ecclestone eigentlich gar nicht so recht sei, an die Börse zu gehen. Für börsennotierte Unternehmen gelten strenge Transparenzvorschriften. Möglicherweise zu streng für Ecclestone, der über sich selbst sagt, er sei kein Mann des Papiers. Er bevorzuge das klassische Handschlaggeschäft.

So wie im Falle Gerhard Gribkowskys, dem ehemaligen Risikovorstand der Bayerischen Landesbank (BayernLB). Der Vorwurf: Ecclestone soll dem Banker rund 44 Millionen US-Dollar Bestechungsgeld  gegeben haben, damit dieser ihm günstig die Formel-1-Rechte aus der Konkursmasse des mittlerweile verstorbenen Medien-Unternehmers Leo Kirch verkauft. Gribkowsky hat mittlerweile zugegeben, dass er sich hat bestechen lassen. „Der kleine Mann“, wie er Ecclestone nennt, dagegen bestreitet dies nach wie vor.

Gribkowsky geht deshalb auch davon aus, dass der Formel-1-Börsengang noch eine ganze Weile auf sich warten lassen wird. Nicht wegen der Märkte, die ein bisschen turbulent sind. Sondern weil Ecclestone wegen der drohenden Anklage wegen Bestechung genug andere Sorgen habe. . „Den kann er wohl absagen“, meint Gribowsky.

 

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Von

pan

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