Handelsblatt

MenüZurück
Wird geladen.

19.08.2012

16:49 Uhr

Frankfurter Börse

Warten auf den nächsten Börsengang

VonElisabeth Atzler

Börsengänge auf dem Frankfurter Parkett sind selten geworden. Mittelständler zieht es nicht an die Börse, Anleger reagieren eher zögerlich auf Neuemissionen. Debütanten aus China sind da risikofreudiger.

Bei Börsengängen sind deutsche Unternehmen und Anleger skeptisch. dapd

Bei Börsengängen sind deutsche Unternehmen und Anleger skeptisch.

FrankfurtMan muss eine Weile zurückschauen auf der Suche nach den letzten großen Börsengängen in Frankfurt. Die Milliardenemissionen des Anlagenbauers Tognum und des Hamburger Hafenbetreibers HHLA stammen aus dem Jahr 2007. So rasch dürfte sich daran nichts ändern: Die Börsenpläne des Mischkonzerns Evonik und von Osram, der Siemens-Lichttochter, liegen auf Eis.

Woran die Emissionsflaute liegt? Erstens fürchten Unternehmen, dass das Anlegerinteresse an neuen Aktien angesichts der schwierigen Marktlage gering ist. Darauf verweist auch die Deutsche Börse: Wegen der Schuldenkrise sei der europäische Emissionsmarkt derzeit klar beeinträchtigt. „Inwiefern das Fenster für Börsengänge wieder aufgeht, hängt davon ab, ob sich die Kurse stabilisieren und wie anstehende politische Entscheidungen ausgehen.“

Auf deutsche Privatinvestoren können die Börsenkandidaten dabei kaum zählen. Waren private Kunden zur Jahrtausendwende im Aktienfieber und griffen bei Erstemissionen zu, zeigen sie sich heute reserviert.

Zweitens sehen viele deutsche Unternehmen keinen Reiz in der Börsennotiz. Gerade Mittelständler drängt es nicht dazu, Aktien auszugeben. Er sehe keine Tendenzen in Richtung mehr Börsengänge, sagt Frank Wallau, Professor für Mittelstandspolitik an der Fachhochschule der Wirtschaft Paderborn und Mitarbeiter des Instituts für Mittelstandsforschung Bonn. „Viele Familienunternehmen wollen kein Eigenkapital von Außenstehenden aufnehmen und sich für Mitsprache öffnen. Solange die Unternehmen über genug Eigenkapital verfügen und die Bankkredite günstig sind, werden sie Börsengänge meiden.“

Trotzdem gibt es einige wenige Börsengänge in Frankfurt. Der Großteil der jüngsten Debütanten stammt aus China. Drei der vier Emissionen im regulierten Markt 2012 kamen von chinesischen Firmen, 2011 stellten sie fünf von zwölf Neulingen. Die Mittelständler haben oft keine Chance, in der Heimat Geld einzuwerben. Für die Unternehmen sei es so gut wie unmöglich, in Schanghai oder Shenzhen an die Börse zu gehen, da dort zunächst die großen, ehemals staatlichen Betriebe zum Zuge kämen, erklärt die Deutsche Börse.

Die Firmen hoffen, durch das Deutschland-Debüt mehr Vertrauen zu gewinnen – was sich jedoch als schwer erweist: Die Kurse der Börsenneulinge entwickeln sich teils sehr schwach. Zhong De, der erste China-Börsengang, sorgte kürzlich für Wirbel, weil er die Veröffentlichung seiner Bilanz verschob. Inzwischen hat der Aufsichtsratsvorsitzende gar seinen Rücktritt angekündigt.

Direkt vom Startbildschirm zu Handelsblatt.com

Auf tippen, dann auf „Zum Home-Bildschirm“ hinzufügen.

Auf tippen, dann „Zum Startbildschirm“ hinzufügen.

×