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03.02.2016

06:33 Uhr

Fusionsexperte Mark Shafir

„Fünf Billionen werden es nicht mehr werden“

VonPeter Köhler, Robert Landgraf

Mark Shafir kennt die Tiefen des Investmentbankings. 2008 traf ihn bei Lehman die Finanzkrise, er musste sich einen neuen Job suchen. Heute leitet er bei der Citigroup das M&A Geschäft. Sein Ausblick ist nicht rosig.

Miss Piggy aus der Muppets-Show eröffnet am 1. Februar den Börsenhandel an der Wall Street. ap

Fusionen sind der Treibstoff der Börsen

Miss Piggy aus der Muppets-Show eröffnet am 1. Februar den Börsenhandel an der Wall Street.

Er ist nicht der Mann für das kleine Karo. Als Head of Global Mergers & Acquisitions überblickt Mark G. Shafir beim US-Geldhaus Citigroup die Pipeline an geplanten Übernahmen und Firmenzukäufen im globalen Maßstab. Momentan konstatiert er einen Zustand zwischen Ebbe und Flut. Die große Welle könnte noch kommen, aber das Rekordjahr 2015 zu übertreffen, das kann man wohl schon jetzt vergessen.

Herr Shafir, 2015 war weltweit das bisher beste Jahr im Geschäft mit Fusionen und Übernahmen (M&A). Können die Investmentbanker das im laufenden Jahr noch toppen?
Sehen Sie, ich bin seit 31 Jahren in dieser Branche unterwegs. Und ich kann schon sagen, dass 2015 ein außergewöhnlich gutes Jahr war mit einem globalen Transaktionswert von fast fünf Billionen Dollar. Das ist immerhin ein Plus von rund 40 Prozent gegenüber 2014. Vor allem haben wir viele Deals gesehen, die größer waren als zehn Milliarden Dollar. Also, der Markt lief im abgelaufenen Jahr wirklich rund auf allen Zylindern...

... aber wie verlief denn nun der Start ins neue Jahr, kann man schon einen Trend erkennen?
Also, es könnte besser laufen. Wir liegen im Januar beim Volumen so etwa 30 Prozent unter der Vergleichszeit des Vorjahres. Das ist nicht so gut. In den USA lief es etwas besser, aber in Europa spürbar schlechter.


Woran liegt es? Normalerweise sind Investmentbanker doch notorische Optimisten …
Nun, die fallenden Rohstoffpreise – vor allem der Ölpreis – drücken auf die Stimmung. Und die Sorgen um die Wachstumszahlen in China sind auch noch im Markt. Aber immerhin sind die Gespräche, die wir mit den Vorständen führen, gut und die zeugen von Zuversicht.

So legen die Deutschen an

Sparbuch und Tagesgeld über alles

Deutsche Anleger bleiben ihrem Sparbuch sowie dem Tagesgeldkonto treu (77,3 Prozent) – und das obwohl zwei von drei Befragten davon ausgehen, dass das niedrige Zinsniveau in Europa noch mindestens drei bis fünf Jahre anhalten wird (65,4 Prozent). Auf dem zweiten Platz folgen Aktien bzw. Aktienfonds, in die 26,1 Prozent der Befragten investiert sind. Immobilien- oder Immobilienfondsanlagen halten 19,1 Prozent, Anleihen oder Rentenfonds 12,4 Prozent der Anleger. 9,5 Prozent der Befragten haben derzeit kein Geld in einer der genannten Anlageformen investiert.

 

Quelle: Goldman Sachs Asset Management/TNS Infratest (Oktober 2015)

Sicherheit ist Trumpf

Sicherheit bleibt unverändert das wichtigste Kriterium bei der Entscheidung über die eigene Geldanlage (61,8 Prozent). Die ständige Verfügbarkeit des Geldes ist 29,4 Prozent der Anleger am wichtigsten, eine hohe Rendite nannten lediglich 6,8 Prozent der Befragten als wichtigstes Kriterium.

Wirtschaftliche Krisen als größtes Risiko

Als größte Risiken für ihre Geldanlage sehen private Investoren wirtschaftliche Krisen (42,9 Prozent). Mit deutlichem Abstand folgen Inflation und politischen Krisen (22,1 Prozent bzw. 15,6 Prozent). Staatsverschuldung und Deflation spielen, wie im vergangenen Jahr, eine vergleichsweise untergeordnete Rolle.

Frustrierte Sparer, zufriedene Aktionäre

60,4 Prozent der Anleger, die ein Sparbuch oder Tagesgeldkonto haben, sind eher unzufrieden oder sogar äußerst unzufrieden mit ihrer Geldanlage. Mit ihren Erträgen bei Aktien/Aktienfonds, die gerade im aktuellen Niedrigzinsumfeld bessere Renditen versprechen, sind 69,2 Prozent sehr zufrieden oder eher zufrieden, mit Anleihen/Rentenfonds 62,7 Prozent. Am zufriedensten sind Immobilien- bzw. Immobilienfondsanleger mit ihren Erträgen: Hier geben über drei Viertel der Anleger an, sehr zufrieden oder eher zufrieden zu sein (78,4 Prozent).


Wie sieht es bei den Hochzinsanleihen aus, mit denen viele Transaktionen finanziert werden …
Ja, auch da ist die Lage derzeit nicht rosig. Vor allem die Emittenten mit schlechten Bonitätsnoten bekommen Probleme. Aber es gibt auch noch Transaktionen, die Ende 2015 eingefädelt wurden und deren Abschluss im ersten Halbjahr erwartet wird. Das könnte zur Aufhellung des Stimmungsbilds beitragen. Aber die größeren Fragezeichen beziehen sich auf das dritte und vierte Quartal dieses Jahres.

Wo werden wir 2016 rauskommen. Zehn oder 20 Prozent niedriger?
Fünf Billionen werden es nicht mehr werden. Wenn wir zwischen vier und 4,5 Billionen landen, ist das immer noch ein gutes Ergebnis.

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