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17.06.2014

17:38 Uhr

Fusionspläne von O2 und E-Plus

Erfolgsaussicht für Mobilfunkdeal treibt Kurse

Vermutlich bekommen sie das „Go“ aus Brüssel – dann schmieden o2 und E-Plus den größten deutschen Mobilfunkanbieter. Die Aussicht darauf ließ auch Händler an der Börse nicht kalt: Die Aktienkurse beider Firmen steigen.

Sie dürften zusammen eine große Marktmacht entwickeln, deshalb sah die EU-Kommission bei den Fusionsplänen von o2 und E-Plus genau hin. dpa

Sie dürften zusammen eine große Marktmacht entwickeln, deshalb sah die EU-Kommission bei den Fusionsplänen von o2 und E-Plus genau hin.

Frankfurt/ BrüsselDie Aussicht auf grünes Licht für die Milliarden-Übernahme von E-Plus hat den Aktien von Telefonica Deutschland Auftrieb gegeben. Die Papiere des unter der Marke o2 bekannten Mobilfunkers stiegen am Dienstag um mehr als vier Prozent und gehörten damit zu den größten Gewinnern im Technologieindex TecDax. Die EU-Kommission steht nach Aussagen von zwei mit der Sache vertrauten Personen davor, den Kauf von E-Plus durch Telefonica mit Auflagen zu erlauben. Das neue Unternehmen müsste aber mindestens ein Fünftel seiner Kapazitäten an Rivalen ohne eigenes Mobilfunknetz abgeben, sagten die Personen. Das sei eine der Bedingungen. Sprecher der Kommission sowie der Firmen wollten sich dazu nicht äußern. Das Okay aus Brüssel kann bereits Anfang Juli eintreffen - offiziell hat sich die Behörde bis zum 10. Juli Zeit gegeben.

Sollte die 8,6 Milliarden Euro schwere Fusion gelingen, würden der dritt- und der viertgrößte Mobilfunkanbieter zum neuen Marktführer vor Deutscher Telekom und Vodafone fusionieren. Die Wettbewerbshüter nehmen das Mitte 2013 angekündigte Vorhaben intensiv unter die Lupe, da sie fürchten, nach der Fusion könnten die Mobilfunkpreise in Deutschland steigen. Telefonica bot Zugeständnisse an, unter anderem Starthilfe für einen neuen Wettbewerber. Da sich aber wegen der hohen Kosten für den Aufbau eines Netzes voraussichtlich kein Neueinsteiger nach Deutschland wagen wird, setzt die Kommission darauf, die Position von bereits etablierten Anbietern ohne Mobilfunknetz zu stärken. Die sollten die Möglichkeit haben, etwa 20 Prozent des Netzes zu mieten, sagten die Personen. Derzeit verhandle Telefonica mit den Anbietern Freenet, Drillisch und United Internet über die Höhe der Mietpreise.

Kleines Mobilfunk-Lexikon

GSM

GSM, kurz für „Global System for Mobile Communication“, war der erste digitale Mobilfunkstandard. In Deutschland wurde er in den 1990er Jahren eingeführt. Heute noch ist GSM in vielen Ländern in Betrieb, auch hierzulande. Dank der guten Versorgung scheint der Standard momentan unverzichtbar.

Edge

Edge, kurz für „Enhanced Data Rates for GSM Evolution“, ist eine Erweiterung des GSM-Standards, die eine Datenübertragung mit bis zu 384 Kilobit/Sekunde erlaubt. Nach heutigen Maßstäben ist das langsam. Dafür steht der Satz „Ich habe nur Edge“, den man etwa auf Bahnreisen oft hört.

UMTS

„Universal Mobile Telecommunications System“ ist der Mobilfunkstandard der dritten Generation. UMTS ist in Deutschland und großen Teilen der Welt verbreitet und ermöglicht schnelle Datenübertragungen. Nutzer in einer Funkzelle müssen sich allerdings die Bandbreite teilen – trotz Erweiterungen beginnen die Netze, zu verstopfen.

HSPA

„High Speed Packet Access“ macht UMTS schneller: Statt Übertragungsraten von 384 Kilobit/Sekunde sind mit HSPA bis 14,4 Megabit/Sekunde möglich, der Upload wird auf bis zu 5,76 Mbit/s beschleunigt.

HSPA+

Und es geht noch schneller: HSPA+ ermöglicht Downloads mit bis zu 21 Megabit/Sekunde. Wenn Netzbetreiber und Endgerät zwei Verbindungen gleichzeitig aufbauen können, wird diese Rate noch einmal verdoppelt.

LTE oder 4G

Der Mobilfunkstandard der vierten Generation heißt LTE, kurz für „Long Term Evolution“. Er beschleunigt die Datenübertragung auf bis zu 100 Megabit pro Sekunde, die Weiterentwicklung Cat4 macht bis 150 Mbit/s möglich. 4G wird oft synonym für LTE benutzt.

In dem Kartellverfahren hat die EU-Kommission die Federführung. Doch wenn die Genehmigung vorliegt, schaltet sich auch die Bonner Bundesnetzagentur ein. Und die plant zwar Auflagen, die aber lange nicht so weitreichend sind wie von Experten erwartet. Die beiden Unternehmen dürfen nämlich dem jüngsten Entwurf der Netzagentur zufolge ihre Handy-Frequenzen grundsätzlich behalten. Lediglich Mobilfunkspektrum, das in einer bald geplanten Versteigerung nicht von Telefonica erneut gekauft werde, müsse früher als geplant, nämlich schon Ende 2015, zurückgegeben werden.

Hinter Telefonica steht der gleichnamige spanische Telefon-Riese. E-Plus gehört der niederländischen KPN. Hauptantrieb für die Fusion ist für die Unternehmen die Aussicht auf hohe Einsparungen: Durch das Zusammengehen sollen die Kosten um bis zu 5,5 Milliarden Euro sinken. Das wäre vor allem dadurch erreichbar, dass nur noch eines statt bislang zwei Mobilfunknetze betrieben werden müsste.

Von

rtr

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